Royal Dutch, Gazprom und Co.: Implikationen der Corona-Pandemie für den Öl- und Gassektor - Commerzbank Kolumne

Gerade die europäischen Öl- und Gas-Unternehmen haben in ihrem strategischen Ausblick betont, dass sie ihre Investitionen in Erneuerbare Energien verstärken werden. Bild und Copyright: Lukasz Z / shutterstock.com.

Gerade die europäischen Öl- und Gas-Unternehmen haben in ihrem strategischen Ausblick betont, dass sie ihre Investitionen in Erneuerbare Energien verstärken werden. Bild und Copyright: Lukasz Z / shutterstock.com.

26.06.2020 09:11 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Die globale Ölnachfrage ist infolge der Corona-Pandemie dramatisch gefallen. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, kam es weltweit zu Werksschließungen, Einschränkungen der Mobilität usw. Die Ölnachfrage dürfte im zweiten Quartal um rd. 20% (ggü. Vorjahr) gesunken sein. Für das Gesamtjahr 2020 rechnet die IEA (Internationale Energiebehörde) mit einem Minus von 8-10%, womit der Ölverbrauch wieder das Niveau von 2012 erreichen würde. Auch die Gasnachfrage ist rückläufig (u.a. geringerer Strombedarf), allerdings nicht so stark wie bei Öl. Wie schnell sich die Öl- und Gasnachfrage erholt und ob das Vorkrisenniveau (2019) überhaupt wieder erreicht wird, ist mit großen Unsicherheiten behaftet. Ohne ausreichende Tests, Impfstoffe und Medikamente bleibt die globale Wirtschaft anfällig für die Folgen weiterer Infektionswellen. Langfristig könnte sich der Trend zu mehr Home Office und weniger Flugreisen aber etablieren und damit strukturell zu einem geringeren Kraftstoffbedarf führen. Kurzfristig haben die Öl- und Gasgesellschaften auf den stark gesunkenen Ölpreis mit erhöhten Kosteneinsparungen und Investitionskürzungen (2020e rd. -25% vs. rd. -40% von 2014-2017 nach dem Ölpreisverfall) reagiert. Zum Teil wurden auch schon die Dividenden gekürzt. Ob die Corona-Pandemie die Energiewende nun beschleunigt oder verlangsamt, dürfte davon abhängen, ob die unter Druck geratenen Volkswirtschaften dem Rückfall auf billigere, aber umweltbelastende, fossile Energiequellen widerstehen oder nicht. Grundsätzlich dürfte sich der Trend hin zu klimafreundlicheren Energien jedoch fortsetzen. Gerade die europäischen Öl- und Gas-Unternehmen haben in ihrem strategischen Ausblick betont, dass sie ihre Investitionen in Erneuerbare Energien verstärken werden und sich zudem konkrete Ziele gesetzt, wie und in welchem Ausmaß sie in den kommenden Dekaden ihre CO2-Emissionen reduzieren wollen.

Anleihen


Euroraum: Geldmenge M3/Kredite (Mai), 10:00 Uhr
Italien: Wirtschaftsvertrauen (Juni), 11:00 Uhr
USA: Persönl. Einnahmen/Ausgaben (Mai), 14:30 Uhr

Die Renditen erstklassiger Staatsanleihen gingen gestern deutlich zurück. Die Risikoaversion stieg aufgrund der Furcht vor einer zweiten Coronawelle wieder an. So erreichte in Großbritannien die Rendite 5-jähriger Gilts ein Rekordtief von minus 0,06%. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen fiel bis auf minus 0,48%. Die Renditen in der Euro-Peripherie erhöhten sich dagegen. Die EZB hat gestern in ihrer nicht geldpolitischen Ratssitzung einen pragmatischen Weg für eine einvernehmliche Lösung zum Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts zu den Anleihekäufen gefunden. Dabei erlaubt der EZB-Rat Bundesbankpräsident Jens Weidmann die Weitergabe unveröffentlichter Dokumente an den deutschen Bundestag und die Bundesregierung. Die Papiere sollen belegen, dass die EZB bei ihren Wertpapierkäufen auf die Verhältnismäßigkeit ihres Programms geachtet hat. Das gestern veröffentlichte Protokoll zur EZB-Ratssitzung am 4. Juli enthielt eine ausführliche Darstellung der Gründe der Entscheidung, die Geldpolitik weiter zu lockern. Einige Ratsmitglieder betonten überraschend, dass im Falle von besser als erwarteten Daten der Umfang des Pandemie-Notfallprogramms PEPP nicht vollständig genutzt werden würde. In den USA erholten sich die Auftragseingänge langlebiger Güter im Mai um 15,8% M/M, nach einem Rückgang von 18,1% M/M im April, stärker als erwartet. Damit wird das Vorkrisenniveau aber lange noch nicht erreicht. Ohne den volatilen Transportsektor erhöhten sich die Auftragseingänge um +4,0% M/M (nach minus 8,2% M/M). In der Woche zum 13. Juni haben wieder fast 1,5 Mio. US-Bürger einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Damit geht die Zahl der Antragsteller nur sehr langsam zurück.

Aktien


Allianz, Investorentag
Hennes & Mauritz, Ergebnis Q2

Die europäischen Börsen kamen auch am gestrigen Donnerstag zunächst nicht richtig in Schwung, obwohl die Kurse zur Wochenmitte einen kräftigen Dämpfer erhalten hatten. Zu tief sitzt nach den satten Kursgewinnen seit Mitte März 2020 offenbar die Angst vor einem Rückschlag, der unter anderem durch eine zweite Coronawelle ausgelöst werden könnte. In den USA betreffen die rasch steigenden neuen Covid-19-Erkrankungen vor allem Jüngere sowie republikanisch dominierte Südstaaten. Daher ist eine vorsichtigere Haltung an den internationalen Börsen verständlich, zumal die Bewertungen vielerorts alles andere als günstig sind. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für 2020 eine Schrumpfung der Weltwirtschaft um 5% gegenüber dem Vorjahr. Damit zeigt er sich mittlerweile deutlich pessimistischer als noch vor zwei Monaten (Prognose: -3% J/J). Für das Jahr 2021 sagt der IWF dann eine globale BIP-Erholung von 5,4% (J/J) voraus. Auf Einzelwertebene stand weiterhin die Wirecard-Aktie (-96% seit Jahresbeginn; gestern: -71%) im Fokus; das von einem Bilanzskandal erschütterte Unternehmen stellte am Donnerstag einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Dagegen einigte man sich bei einer außerordentlichen Hauptversammlung der Lufthansa auf die Annahme eines Rettungspakets. Der Dax gewann in diesem fragilen Umfeld dank einer im Verlauf etwas freundlicheren Wallstreet 0,7%. Auf europäischer Sektorenebene wies der Bereich Finanzdienstleistungen (+2,2%) die größten Gewinne aus. Tagesverlierer war der Bereich Reise & Freizeit (-2%). Die Börsen in den USA tendierten freundlich. Wie in Europa waren auch im S&P 500-Index v.a. Finanzwerte gesucht (+2,7%). Versorgerwerte büßten im Schnitt 1,2% ein. Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss überwiegend freundlicher. Der Nikkei 225-Index legte um 1,1% zu.
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Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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