Öl: Lagerabbau wird deutlich langsamer als Lageraufbau geschehen, Preise bleiben niedrig - Commerzbank Kolumne

Die US-Energiebehörde (EIA) erwartet einen durchschnittlichen Lagerabbau von sehr hohen 2,5 Mio. Fass/Tag bis Ende 2021. Bild und Copyright: Avigator Fortuner / shutterstock.com.

Die US-Energiebehörde (EIA) erwartet einen durchschnittlichen Lagerabbau von sehr hohen 2,5 Mio. Fass/Tag bis Ende 2021. Bild und Copyright: Avigator Fortuner / shutterstock.com.

12.06.2020 09:01 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Lagerbestände von Rohöl sind auf ein Rekordniveau gestiegen und steigen aktuell noch. Allerdings ist der Wendepunkt wohl nahe. Einerseits verengen die massiven Angebotskürzungen bzw. -ausfälle den Markt. Andererseits beginnt die Nachfrage wieder anzuziehen. Wann der Wendepunkt erreicht ist und wie schnell dann die Rekordlagerbestände abgebaut werden, das hängt von zahlreichen, stark schwankenden Faktoren ab. Die US-Energiebehörde (EIA) erwartet einen durchschnittlichen Lagerabbau von sehr hohen 2,5 Mio. Fass/Tag bis Ende 2021, freilich unter einer optimistischen Nachfrageerwartung. Zu bedenken ist aber auch, dass mit den erholten Preisen auch das Angebot wieder anziehen dürfte.

Anleihen


Großbritannien: monatliches BIP, 8:00 Uhr
Großbritannien: Industrieproduktion (April), 8 Uhr
Euroraum: Industrieproduktion (April), 11:00 Uhr

Die amerikanische Notenbank Fed wird ihre Nullzinspolitik aufgrund der Coronakrise voraussichtlich noch länger fortsetzen. Dies geht aus neuen Prognosen der Zentralbank hervor, die nach ihrer Zinssitzung am Mittwoch veröffentlicht wurden. Demnach rechnen die meisten der geldpolitischen Entscheidungsträger der Fed damit, dass bis Ende 2022 das gegenwärtige Zinsniveau von nahezu 0% beibehalten wird. Die politisch induzierten Folgen der Coronakrise würden die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt stark belasten und die Inflation niedrig halten, teilte die Fed mit. Es bestünden erhebliche konjunkturelle Risiken. Für dieses Jahr rechnet die Notenbank mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 6,5%, gefolgt von einem Wachstum um 5,0% im kommenden Jahr. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem Jahr 9,3% betragen und 2021 auf 6,5% sinken. Die Inflation wird den Prognosen zufolge bis 2022 unter dem Ziel der Fed von 2% liegen. Neben dieser düsteren Konjunktureinschätzung sorgte die aufkommende Furcht vor einer zweiten Coronawelle für eine Flucht in den sicheren Hafen der Staatsanleihen. Die Renditen gingen merklich zurück, zehnjährige Bundesanleihen verzinsten sich nur noch mit -0,42% nach -0,33% am Mittwoch. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht die Weltwirtschaft in einer tiefen Rezession. In ihrem aktuellen Wirtschaftsausblick stellte sie zwei verschiedene Szenarien vor: Im Falle einer zweiten Infektionswelle könnte die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 7,6% einbrechen (Euroraum -11,5%), bevor sie sich im kommenden Jahr wieder um 2,8% erholen werde. In der zweiten Prognose, im welcher die Pandemie unter Kontrolle gebracht wäre, dürfte die Wirtschaftsleistung weltweit in diesem Jahr „nur“ um 6% sinken, im Euroraum um 9,1%.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Nach der deutlichen Hausse an den internationalen Aktienmärkten in der vergangenen Woche trat am Mittwoch zunächst eine Verschnaufpause ein. Die Anleger übten Zurückhaltung im Vorfeld der Sitzung der US-Notenbank. Dennoch konnte der Nasdaq 100 mit gut 10.090 Punkten ein neues Allzeithoch erklimmen. Fed-Chef Powell berichtete über eine düstere Konjunkturprognose, die Erholung werde lange dauern. Zudem ist die Furcht vor einer zweiten Infektionswelle in Teilen der USA erwacht. Die Aktienmärkte tauchten ab. An Fronleichnam verlor der Dax 30 über 500 Punkte bzw. -4,5% und schloss unterhalb der Marke von 12.000. In ganz Europa zeichnete sich ein ähnliches Bild. Insbesondere Zykliker, die Gewinner der letzten Wochen, waren auf der Verliererseite. Dax-Schlusslicht war wiederholt die Lufthansa (mit -9,1%), Vonovia mit „nur“ -1% zeigte die geringsten Verluste. Der MDax verlor -3,3%. Satorius Vz. konnte +2,8% zulegen, während Dt. Pfanbriefbank mit knapp -10% und Airbus mit gut -10% die größten Tagesverluste zu verzeichnen hatten. Der EuroStoxx50 musste auch 4,5% abgeben, lediglich Unilever zeigte noch ein mageres Plus (+0,5%). Airbus bildete das Schlusslicht (Minus reichlich 10%). Im marktbreiten Stoxx Europe 600-Index bewegten sich lediglich Gesundheit (+0,6%) und Technologie (+0,5%) im grünen Bereich. Finanztitel (-2,89%) und Energie (-2,8%) lagen hinten. Die US-Börsen zeigten sich gestern im freien Fall: Dow Jones -6,9%, der technologiestarke Nasdaq 100 -5% und S&P500 -5,9% Im S&P 500 waren sämtliche Branchen rot, vorneweg Technologie (-1,0%) und Energie (-9,1%) am Schluss. Die asiatischen Börsen konnten sich dagegen abkoppeln. Der Nikkei 225 gab nur leicht auf 22.305 Punkte (-0,7%) nach, Chinas Festlandaktien (CSI 300-Index) notieren nahezu unverändert (+0,2%). Die erste Indikation für den Dax 30 heute ist etwas leichter.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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