OTRS AG will weiter wachsen: „Unser Strategiewechsel ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung“

18.02.2019, 07:46 Uhr - Autor: Redaktion 4investors  Redaktion 4investors auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

OTRS-Vorstandschef André Mindermann im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: OTRS AG.

OTRS-Vorstandschef André Mindermann im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: OTRS AG.

Aktien von innovativen Tech- und Software-Unternehmen sind nicht ausschließlich in den USA beheimatet. Das beweist die OTRS AG aus Oberursel. Mit Ablauf des ersten Halbjahres 2018 stiegen die Umsatzerlöse des Anbieters der Unternehmenskommunikationssoftware OTRS um 5,4 Prozent auf 3,961 Millionen Euro im Jahresvergleich. Nun steht ein Strategiewechsel ins Haus. Im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de zeigt sich OTRS-Vorstandschef André Mindermann überzeugt: „Schon jetzt macht sich unser Strategiewechsel auch in den Zahlen bemerkbar.“ Darüber hinaus erklärt Mindermann, warum der Anteil wiederkehrender Umsätze weiter wachsen soll, in welchem Bereich OTRS eine Vormachtstellung innehält und was die Zukunftspläne sind.

www.4investors.de: Herr Mindermann, die OTRS AG ist an der Börse tendenziell nur Experten bekannt. Was genau bieten Sie an?

Mindermann:
Wir entwickeln, optimieren und vertreiben OTRS – aktuell in der Version „7“. Dabei handelt es sich um eine Software, die es Unternehmen erlaubt, ihre internen und externen Kommunikationsprozesse effizienter zu gestalten. Beispielsweise im Kundenservice oder auch intern zum Beispiel im Fall von Urlaubsanträgen von Mitarbeitern oder Recruiting-Prozessen. Eine aktuelle Umfrage von OTRS zeigt, dass mehr als ein Drittel der Mitarbeiter durchschnittlich eine Stunde am Tag benötigt, um E-Mails zu sortieren. Abläufe wie diese können wir mit unserem Ticket-System viel schneller und übersichtlicher gestalten.

Wir haben unsere Wurzeln im Open Source. Das heißt, wir sind Eigentümer des Quellcodes der Software, bieten ihn aber Anwendern in der ((OTRS)) Community Edition kostenfrei zum Download an. Über 170.000 Unternehmen weltweit nutzen derzeit OTRS, darunter IBM, Porsche und Siemens, um nur einige Kundennamen zu nennen.

www.4investors.de: Wie generieren Sie Ihre Umsätze?

Mindermann:
Es gibt zwei Versionen der Software. Zum einen die kostenfreie ((OTRS)) Community Edition und zum anderen die kostenpflichtige OTRS.

In der Vergangenheit war es so, dass die kostenlose Version mit jedem neuen Release ebenfalls aktualisiert wurde. Seit April dieses Jahres vollziehen wir eine Änderung unserer Produktstrategie: So fließen die Features der aktuellen OTRS-Versionen mit einer Verzögerung von zwei Jahren in die ((OTRS)) Community Edition ein. Hingegen bekommen Kunden, die sich für OTRS entscheiden, sozusagen eine State-of-the-Art-Lösung mit aktuellsten Features und in vollem Leistungsumfang. Dazu gehört Beratung, Betrieb und Wartung sowie ein zuverlässiger User-Helpdesk der OTRS-Experten. Es gibt aber auch die Möglichkeit, OTRS in eigenen Rechenzentren zu betreiben.

www.4investors.de: Was waren Ihre Gründe für den Strategiewechsel?

Mindermann:
Mittlerweile haben wir eine Größe erreicht, bei der wir unser Geschäftsmodell trennschärfer definieren müssen. Unser Ziel ist es, noch nachhaltiger Erlöse aus dem Geschäft mit Cloud-Software zu generieren. Hier sehen wir großes Potenzial: Wir beobachten nicht nur bei unseren Kunden ein gesteigertes Interesse für Software in der Cloud, sondern auch die Marktzahlen bestätigen es: Eine Prognose der IT-Marktforscher Gartner geht davon aus, dass der weltweite Markt für Cloud-Computing bis ins Jahr 2021 auf 278,2 Milliarden US-Dollar anwachsen wird. Im Jahr 2017 waren es noch 145,2 Milliarden Dollar.

Diese Entwicklung können wir auch im eigenen Unternehmen beobachten: Noch bis vor wenigen Jahren hat sich die große Mehrheit unserer Neukunden für OTRS On-Premise entschieden. Das heißt, dass diese Unternehmen die Software selbst betreiben und für Wartung sowie Weiterentwicklung selbst verantwortlich sind. Im vergangenen Jahr hat sich dieses Verhältnis stark gewandelt: Bereits die Hälfte aller Neukunden hat sich für OTRS als Managed (Cloud) entschieden. Hier läuft die Software in unseren Rechenzentren, so dass der Kunde keinen Aufwand für Betrieb oder Wartung aufbringen muss. Daran wird deutlich, dass Open Source nicht unbedingt ein Wettbewerbsvorteil ist. Vielmehr geht es um die Funktionalitäten und den Mehrwert, den OTRS schaffen kann.

www.4investors.de: Ist die neue Strategie dann nicht eine Abkehr von Open-Source-Software? Wie haben Ihre Kunden bisher auf die Veränderung reagiert?

Mindermann:
Open Source ist ein wesentlicher Teil unserer Historie, von dort kommen wir. Und die Tatsache, dass wir auch weiterhin unsere Software der Community zur Verfügung stellen, dokumentiert unsere positive Einstellung zu Open Source. Vielmehr ist es eine logische Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells. Mit der ((OTRS)) Community Edition wird es weiterhin eine kostenfreie Version geben. Wer zusätzlich weitere Services und die neueste Version der Software in der Cloud oder On-Premise nutzen möchte, entscheidet sich für OTRS.

Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass unsere Kunden durchaus bereit sind, für eine großartige und hochwertige Entwicklungsleistung, wie wir sie bei OTRS seit über 15 Jahren leisten, Geld zu investieren. Dabei verfolgen wir eine Strategie, die im Software- und Tech-Bereich durchaus gängig ist. Denken Sie an Soziale Netzwerke. Dort können sich Nutzer kostenfrei anmelden und interagieren. Wenn sie jedoch den vollen Umfang genießen wollen - beispielsweise wenn sie sehen wollen, wer das eigene Profil besucht hat - wird dieser Service kostenpflichtig. Ähnlich verhält es sich bei unserer Software-Strategie.

www.4investors.de: Bei Software-Programmierern, IT-Systemhäusern und Cloud-Architekten geht es vermehrt darum, wiederkehrende Umsätze zu generieren. Wie groß ist dieser Umsatzanteil am Gesamtumsatz bei OTRS?

Mindermann:
Mit Ablauf des ersten Halbjahrs 2018 haben wir Umsatzerlöse in Höhe von 3,961 Millionen Euro generiert und lagen somit 5,4 Prozent über dem Vorjahreshalbjahr. Rund 82 Prozent des Umsatzes sind sogenannte wiederkehrende Umsätze auf Basis jährlicher Service-, Wartungs- Supportverträge. Uns ist es gelungen, diese Umsatzart entscheidend zu steigern. Noch im ersten Halbjahr 2017 betrugen die wiederkehrenden Umsätze „lediglich“ 75,8 Prozent. So gesehen sind wir sehr gut unterwegs. Wiederkehrende Umsätze sorgen für höhere Transparenz, da das Geschäft planbarer ist. Das kommt auch unseren Aktionären zugute, die unser Geschäft besser einschätzen können. Gleichzeitig ist ein hoher Anteil wiederkehrender Erlöse Ausdruck langfristiger Kundenbeziehungen. Diese beiden Säulen, also die Steigerung wiederkehrender Umsätze und langfristige Kundenbindung und -beziehung auf Basis der OTRS-Software und zugehöriger Leistungen, sind Kern unserer Strategie.

www.4investors.de: Strategiewechsel sind oftmals auch mit Investitionen verbunden. Wie ist das in Ihrem Fall?

Mindermann:
Als Software-Unternehmen sind Investitionen in die Entwicklung unserer Lösungen essenziell. Dennoch wollen wir natürlich liquiditätsschonend das bestmögliche Ergebnis erreichen. Und im Fall unseres Strategiewechsels kann ich sagen, dass keine weiteren Kosten entstanden sind. Im Gegenteil, viele unserer Free User fühlen sich motivierter, ein zahlender Kunde zu werden, um alle Features in Echtzeit nutzen zu können.

Da wir die Bekanntgabe unseres Strategiewechsels von langer Hand geplant und logisch aufgebaut haben, entstanden auch keine zusätzlichen Kosten in Form von AdHoc-Marketing-Aktivitäten.

www.4investors.de: Die OTRS AG hat das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) zum Halbjahr 2018 auf 0,29 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Was ist für das komplette Geschäftsjahr zu erwarten?

Mindermann:
Schon jetzt macht sich unser Strategiewechsel auch in den Zahlen bemerkbar. Auf Ganzjahressicht rechnen wir damit, bei den Umsatzerlösen die 8 Millionen-Euro-Marke zu knacken.

www.4investors.de: Was sind Ihre Pläne für die kurz- und mittelfristige Zukunft? Wie wollen Sie die OTRS AG entwickeln?

Mindermann:
Wir wollen natürlich weiter wachsen und weitere Kunden von den Vorzügen von OTRS überzeugen. Unser Strategiewechsel ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Wir stellen damit sicher, dass wir uns weiterhin auf so hohem Niveau weiterentwickeln können, dass sowohl unsere Kunden als auch die Free User von einer reibungslos arbeitenden Software und innovativen Features profitieren. Gleichzeitig decken wir den gestiegenen Bedarf nach Lösungen in der Cloud, bei dem Unternehmen keine Ressourcen für Betrieb und Wartung auf sich nehmen müssen.

Kürzlich hat das Linux-Magazin geschrieben, dass OTRS bei den Ticketsystemen im deutschsprachigen Raum eine Vormachtstellung inne hat, da die lange Präsenz und der Funktionsreichtum zu einer breiten Anzahl an Usern geführt hat. Gern möchten wir diese Vormachtstellung auch auf andere Märkte ausweiten. Mittlerweile hat die OTRS AG sechs Tochterfirmen weltweit und wir wollen noch weitere Märkte erschließen. Besonders in Osteuropa zeichnet sich erfolgversprechendes Potenzial ab. Im Juni haben wir ein Büro in Budapest eröffnet, das schon jetzt sehr erfolgreich ist. OTRS ist das einzige Ticket-System, das auch in ungarischer Sprache zur Verfügung steht. Wir sehen großes Potenzial im gesamten osteuropäischen Raum für OTRS, Budapest gilt hier als ein Vorläufer.

Wir arbeiten schon jetzt mit Hochdruck an OTRS 8: Die neue Version kommt im Herbst dieses Jahres auf den Markt und wird erstmalig über eine neu designte innovative Oberfläche verfügen. Davon versprechen wir uns großes Interesse auf Kundenseite.

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