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Wirecard: Riesen-Wirbel um ein „Non-Event”

Autor: Michael Barck
04.02.2019

In der Konzenzentrale von Wirecard will man nach den Berichten in der „Financial Times”, die zu einem Kurssturz führten, schnell wieder zurück zur Normalität. Bild und Copyright: Wirecard.




Wirecard-Chef Markus Braun war hörbar um Normalität bemüht. In der heutigen Telefonkonferenz des DAX-Konzerns - eine Reaktion auf die schweren Anschuldigungen gegen das Unternehmen, die letzte Woche in Berichten der „Financial Times” aufkamen, ließ der Wirecard-Gründer und CEO keine Zweifel daran aufkommen, dass man schnell wieder zum Alltag übergehen werde. Man sehe keine Auswirkungen der Berichte auf die operativen Aktivitäten und werde sehr schnell wieder an die normale Arbeit gehen können, ließ der Wirecard-Konzernlenker verlauten. Mit besonderen Maßnahmen, zum Beispiel einen Aktienrückkauf, werde man nicht auf die Berichte reagieren. Stattdessen will die Konzernspitze die Börse operativ überzeugen.

An der Börse wurde die verspätet gestartete Telefonkonferenz der Gesellschaft positiv aufgenommen. Der Aktienkurs des DAX-Konzerns sprang mit dem Beginn der Aussagen des Managements, die zwar keine bahnbrechenden Neuigkeiten brachten, aber doch einen eher ungewöhnlichen Einblick in die Strukturen von Wirecard zuließen - einem Konzern, der sich immer wieder des Vorwurfes der Intransparenz ausgesetzt sieht. Ohnehin ist vieles ungewöhnlich am „Fall Wirecard”: Die immer wieder aufkommenden Shortattacken, die hohe Präzision, mit der der Konzern seine Planungen immer wieder übertrifft, seine Aktienkurs-Performance, die zugleich von einer für einen DAX-Titel ungewöhnlich hohen Volatilität geprägt ist, und vieles mehr.

Und nicht zuletzt die Art der Vorwürfe, denen sich DAX-Konzerne doch eher selten ausgesetzt sehen: Dokumentenfälschung, Geldwäsche, Veruntreuung, Betrug - die „Financial Times” brachte in der vergangenen Woche das ganze Repertoire von schweren Straftaten in der Wirtschaft ins Spiel, die geeignet sind, das Vertrauen in ein Unternehmen auszuhöhlen, wenn nicht gar wie ein Kartenhaus zusammen klappen zu lassen. Und es war nicht das erste Mal, dass Wirecard sich derartige Vorwürfe gefallen lassen musste. Bisher konnten die Süddeutschen die Vorwürfe stets abwehren. In einem Fall, Zatarra Research, wurde der Jäger mittlerweile zum Gejagten. Die Staatsanwaltschaft konnte ihre Ermittlungen wegen Kursmanipulation abschließen und hat gegen Fraser Perring Strafbefehl beantragt - der Brite steht hinter dem Zatarra-Report, der 2016 bei Wirecard für stürzende Aktienkurse sorgte.

Wirecard will nach unabhängiger Untersuchung zurück zum „business as usual”


Braun bekräftigt am Montag Aussagen, die Wirecard schon zuvor in den Statements gebracht hat: An den Berichten der „Financial Times” über Straftaten und Unregelmäßigkeiten bei Wirecard-Aktivitäten in Singapur sei nichts dran. Interne Untersuchungen des eigenen Compliance-Teams sowie eine unabhängige Untersuchung der renommierten Anwaltskanzlei Rajah & Tann Singapore LLP aus Singapur haben den Aussagen zufolge keine Feststellungen ergeben, dass strafbare Handlungen vorliegen.

Auslöser waren Mitteilungen eines Mitarbeiters an die Compliance-Abteilung von Wirecard, in denen gegen einen anderen Mitarbeiter Anschuldigungen erhoben worden sind. „Die Vorwürfe bezogen sich auf mögliche Compliance-Verletzungen im Bereich der Rechnungslegung und bezogen sich für den Zeitraum von 2015-2018 auf Gesamtumsätze in Höhe von 6,9 Millionen Euro und Gesamtkosten von 4,1 Millionen Euro sowie einen internen Transfer von geistigem Eigentum an Software im Wert von 2,6 Millionen Euro”, so Wirecard. Mittlerweile heißt es, dass diese Anschuldigungen wohl auf zwischenmenschliche Probleme zwischen den beiden Wirecard-Beschäftigten zurückzuführen seien. Es ist wahrscheinlich, dass diese Vorwürfe und Dokumente aus dem Zeitraum zu Beginn der Aufnahme der Untersuchung durch Rajah & Tann Singapore LLP an die „Financial Times”, die sich auf Whistleblower beruft, durchgesteckt worden sind.

Mittlerweile, so beteuert Wirecard immer wieder, haben sich diese Vorwürfe als unbegründet erwiesen - Braun bezeichnet die Vorgänge sogar als „Non-Event”. Zu keinem Zeitpunkt habe es im Rahmen der Untersuchung Ergebnisse gegeben, die ein Eingreifen hätten notwendig werden lassen, heißt es aus Wirecards Vorstand am Montag. Die großen Schritte im Rahmen der Untersuchung seien erledigt, sagt Wirecard-Chef Braun. Bis zum Abschlussbericht dürfte demnach nicht mehr allzu viel Zeit ins Land gehen. Wie man diesen veröffentlichen Werde, ließ Wirecard am Montag noch offen. Intern gilt der Fall damit quasi als erledigt. Ob man damit aber nun schon zur Tagesordnung übergehen kann, wie Braun ankündigt, bleibt fraglich: Niemand weiß derzeit, ob die „Financial Times” noch Pfeile im Köcher hat.

Lesen Sie hierzu auch folgenden Beitrag aus der 4investors-Redaktion - Wirecard vs Financial Times: Wer hat recht?

Zur Originalnachricht des Unternehmens - DGAP-News: Wirecard-Stellungnahme zur aktuellen Medienberichterstattung


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