Der Zins ist nicht tot! Anleihen mit Renditehebel - nordIX

Claus Tumbrägel, Vorstand und geschäftsführender Gesellschafter der nordIX AG. Bild und Copyright: nordIX.

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13.10.2021 16:18 Uhr - Autor: Claus Tumbrägel  Claus Tumbrägel auf Twitter auf Twitter 

Deutschland im Herbst 2021: die Inflation hat im September ein neues Rekordhoch von 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht. Auf deutschen Konten schlummern noch Milliarden Euro Sparbeträge, die durch die Inflation und Verwahrentgelte der Hausbank wie Eis in der Sonne dahinschmelzen. Der Sparer findet für sein Erspartes oder den berühmten Notgroschen aber auf den ersten Blick keinen anderen sicheren Hort, der sein Vermögen schützt. Auch des Deutschen Lieblingsanlage, die eigenen vier Wände, sind für viele unerschwinglich geworden. Bleiben noch Unternehmens- und Staatsanleihen, die einst als sichere Zinsquelle galten. Der Anleihenmarkt bietet zwar hohe Liquidität in Form von kurzlaufenden, gut handelbaren Anleihen, aber für die sichere Verwahrung muss sogar draufgezahlt werden. Auch hier schmilzt das Vermögen also dahin.

Cash-Parkplatz Anleihen-Neuemissionsmarkt

Der Sparer muss aber angesichts der scheinbar ausweglosen Lage nicht den Kopf in den Sand stecken. Es gibt doch noch Wege, das eigene Cash sicher als Liquiditätsersatz zu parken, und dabei eine Rendite zu generieren, die den allgemeinen Wertverfall kompensieren kann. Einen Parkplatz bietet der Neuemissionsmarkt für Anleihen. Gemeint ist der Primärmarkt, wo Unternehmen oder auch Staaten zum ersten Mal eine neue Anleihe begeben. Dieser Markt ist zur gezielten Renditeoptimierung für Privatanleger eigentlich nicht zugänglich. Der Zutritt über den Kauf eines darauf spezialisierten Fonds ist aber möglich. Das macht auch aus Sicht der Absicherung Sinn, da in solch einem Fonds eine große Anzahl von diesen Anleihen gebündelt wird und so die schon geringen Ausfallrisiken noch weiter minimiert werden können. Der Clou an diesen Neuemissionen: Die Anleiheemittenten verzinsen neubegebene Anleihen in der Regel höher als bereits ausstehende, um sie für den Markt attraktiver zu machen.

Anleihe-Emission der niederländischen Royal Schiphol Group.

Bild und Copyright: nordIX AG.

Ein gutes Beispiel für attraktive Aufschläge bei „Anleihe-IPOs“ ist die 750 Mio. Euro-Emission der niederländischen Royal Schiphol Group. Der Betreiber des Flughafens Amsterdam hat ein erstklassiges Rating von A1 (Moody‘s) bzw. A+ (S&P) und befindet sich zu knapp 70 Prozent im Besitz des niederländischen Staates (Länderrating Fitch: AAA). Die Grafik veranschaulicht die Verzinsung der „alten“, bestehenden Anleihen und die angebotene höhere Verzinsung für die neue Anleihe-Emission. Das Unternehmen hat seine neue Anleihe mit einer Laufzeit von neun Jahren begeben und wollte diese möglichst erfolgreich platzieren. Aus diesem Grund war das Unternehmen bereit, Investoren einen Zinsaufschlag zu gewähren. In diesem Beispiel beträgt die Rendite der neuen Anleihe 2,10 Prozent, während die faire bzw. marktgerechte Verzinsung bei 1,50 Prozent gelegen hätte. Die Differenz von 0,60 Prozent ist der Aufschlag, den Investoren vereinnahmen können. Dies ist für den Investor sehr attraktiv, denn faktisch erhält der Kapitalgeber für dasselbe Risiko 0,60 Prozent mehr Rendite.

Primärmarkt für Anleihen ist dynamisch

Der Markt für Anleihe-Neuemissionen ist ein Markt im Fluss, dessen Aktivitäten auch auf den Sekundärmarkt ausstrahlen. So gab es nach einer Sommerpause im August 2021 ab September dieses Jahres wieder vermehrt Neuemissionen von Finanz- und Staats-Anleihen. Erstere umfassen Anleihen von Banken, Versicherungen und Immobilienkonzernen. Diese verzeichneten im August ein überdurchschnittliches Volumen (um den Faktor 2,7) von 20,5 Mrd. Euro, die vor allem durch die 5-Tranchen-Emission des deutschen Immobilienkonzerns Vonovia SE getrieben wurde. Die Wiederbelebung des Neuemissionsmarktes und „hawkish“ geprägte Kommentare vor der EZB-Sitzung im September ließen insbesondere die Risikoprämien von Corporate Investment-Grade-Titeln um knapp sechs Basispunkte steigen.

Die systematische Abschöpfung von Neuemissionsprämien allein reicht jedoch noch nicht für ein ausgewogenes Portfolio aus. Die Kombination von neu emittierten Anleihen mit einem von Ratingagenturen als sicher und stabil bewerteten Anleihen-Portfolio (vom Sekundärmarkt) und mit Derivaten kreiert eine schlagfertige Kombination, um Cash liquide und mit auskömmlicher Rendite zu parken. Bei den Derivaten handelt es sich um sogenannte Credit Default Swaps, die den Käufer gegen einen Zahlungsausfall des Anleiheemittenten oder Kreditnehmers absichern. Hier wird sozusagen die Pleite des jeweiligen Staates oder Unternehmens abgesichert. Das lässt sich vergleichen mit einer Bürgschaft, die man vielleicht schon mal als Student bei einem Erstbezug der eigenen vier Wände von den Eltern bekommen hat. Mit dem Verkauf der Kreditausfallversicherungen kann systematisch eine Prämie erwirtschaftet werden. Das kontinuierliche Screenen und Analysieren des Portfolios, auch nach Nachhaltigkeits-Kriterien, ist dabei sehr wichtig, gewährleistet dies doch einen positiv rentierlichen Liquiditätsersatz. Denn Sicherheit geht bei dieser Art der Geldanlage vor!

Autor: Claus Tumbrägel, Vorstand und geschäftsführender Gesellschafter der nordIX AG
Daten zum Wertpapier: nordIX

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