El Salvador führt Bitcoin ein: Drastische Kostensenkungen für Transaktionen möglich, doch Ausgang ist offen - iBanFirst

Mark Elser, Country Head Germany von iBanFirst, kommentiert die möglichen Folgen der Einführung des Bitcoins als Zahlungsmittel in El Salvador. Bild und Copyright: iBanFirst.

Mark Elser, Country Head Germany von iBanFirst, kommentiert die möglichen Folgen der Einführung des Bitcoins als Zahlungsmittel in El Salvador. Bild und Copyright: iBanFirst.

29.09.2021 08:00 Uhr - Autor: Mark Elser  Mark Elser auf Twitter auf Twitter 

Als erstes Land hat El Salvador Anfang September den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen. Einkäufe und selbst Steuern können nun mit der Digitalwährung bezahlt werden. Jeder Händler muss Bitcoin akzeptieren, sofern er technisch dazu in der Lage ist. Die Regierung lockte sogar mit einem Startguthaben. Begeistert sind die Salvadorianer davon nicht.

Dabei ist die Maßnahme besonders in Hinblick auf den internationalen Zahlungsverkehr interessant, wovon wiederum die Salvadorianer profitieren könnten. Schließlich erhält das Sieben-Millionen-Einwohnerland sechs Milliarden Dollar pro Jahr von Auswanderern, die den Lieben zuhause Geld überweisen, meist aus den USA. Diese gigantische Transfersumme macht 23 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von El Salvador aus – und läuft bislang über einschlägige Dienstleister wie Western Union und Moneygram. Diese lassen sich ihren Service durch unverschämt hohe Gebühren bezahlen, durchaus weit über zehn Prozent der Transaktionssumme. Besonders dieses Geschäftsfeld dürfte von der umstrittenen Entscheidung des Präsidenten Nayib Bukele betroffen sein.

El Salvador ist ein kleiner Punkt auf der Landkarte. Trotzdem wird das Experiment aufmerksam verfolgt, nicht nur in der Zentrale von Western Union. Es ist gut und sinnvoll, sich stets neue Gedanken über Zahlungssysteme und selbst Währungen zu machen – und diese dann praktisch auszuprobieren. Allerdings sollte man dabei auch die Schattenseiten betrachten, zumal die Bevölkerung zur Einführung dem Projekt überwiegend ablehnend gegenüberstand und dagegen protestiert hat.

Ein Anfang – und Experiment mit offenem Ausgang

Bekanntlich hat der Bitcoin stark spekulativen Charakter und sein Wert schwankt, das haben die Salvadorianer seit dem Start mit einer Achterbahnfahrt zwischen 52.000 und 40.600 Dollar pro Coin bereits spüren müssen. Dennoch ist die Aktion auch ein Versuch, die Dollardominanz aufzubrechen, zumal der Staat den Greenback als offizielle Währung führt. Das wird nun gerade nicht einem winzigen Land gelingen –– aber es ist ein Anfang. Bei all den inzwischen unzähligen Kryptowährungen sollte man zudem eines nie vergessen: Generell haben die Staaten die Souveränität über ihre Währungen – was zweierlei bewirken kann: Eine Einführung von Kryptowährungen oder dessen Verbot. Beides erleben wir gerade, und es gibt interessante, aber glaubhafte Gerüchte über konkrete Vorhaben mehrerer afrikanischer Länder. Andere wie China sind strikt dagegen – und global gesehen werden die USA ohnehin alles tun, den überragenden Status des Dollars zu verteidigen. So wie auch bei der Libra-Währung von Facebook, bei der massiv interveniert wurde.

Transaktionskosten dürften weiter sinken – ein Gewinn gerade für die Ärmsten

Wundern werden sich jedoch Zahlungsdienstleister wie Western Union oder Moneygram mit ihren an Sittenwidrigkeit grenzenden Gebühren für die Transaktionen. Glücklicherweise gibt es hier längst eine große Konkurrenz, die die Gebühren förmlich pulverisiert haben. Trotzdem haben die Etablierten noch einen starken Stand, was an einer naheliegenden Tatsache liegt: Bei ihnen kann man bar einzahlen und es wird auch bar wieder ausgezahlt. Diesen analogen Service – so gewünscht von der Kundschaft – lassen sie sich teuer bezahlen, woran gerade auch das zutiefst digitale Bitcoin-Projekt nichts ändert. Ein Erntehelfer in den USA – und dort womöglich illegal – wird kaum seine Dollar in Bitcoin konvertieren, in die Heimat schicken – wo es dann mutmaßlich wieder in Dollar umgetauscht und bar ausgezahlt wird. Das bedeutet zweifache Konvertierung mit den entsprechenden Kosten plus Medienbrüche. Wenn überhaupt, wird sich das System also erst mittelfristig durchsetzen. Dennoch darf man mit Spannung die weiteren Entwicklungen verfolgen. Ein Startschuss durch ein souveränes Land und eine Zentralbank ist gemacht!

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Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Mark Elser, Country Head Germany von iBanFirst. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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