Ifo-Geschäftsklima etwas eingetrübt – aber sehr gute Auftragslage - Commerzbank


27.07.2021 09:06 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Sorgen vor einer vierten Corona-Welle führen wohl dazu, dass viele Firmen für die Zukunft weniger positiv gestimmt sind, obwohl sie die Lage positiv bewerten. Der Ifo-Geschäftsklimaindex legte daher nicht wie erwartet zu, sondern gab im Juli von 101,7 auf 100,8 Punkte nach. Der Rückgang der Geschäftserwartungen betrifft bis auf den Bau alle großen Branchen. Stimmungseffekte sollten zwar nicht unterschätzt werden, doch die sehr gute Auftragslage dürfte im weiteren Jahresverlauf und auch im nächsten Jahr für einen positiven Unterton sorgen. Allerdings ist der Engpass bei der Versorgung mit Halbleitern immer noch nicht überwunden. 64% der Industrieunternehmen klagen hier über einen Engpass.

Anleihen
Euroraum: M3-Geldmengenwachstum (Juni), 10 Uhr
USA: Aufträge, langlebiger Güter (Juni), 14:30 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen (Juli), 16:00 Uhr

Der Rentenmarkt handelte zu Wochenbeginn uneinheitlich. Am frühen Vormittag lagen die Anleihekurse im Plus, unterstützt von der Meldung über deutliche Kursverluste an Chinas Börsen, welche die Risikofreude der Anleger dämpften. Hintergrund ist, dass die chinesische Regierung am Wochenende eine Reform des privaten Bildungssektors angekündigt hat. Unternehmen, die Schullehrprogramme anbieten, dürfen demnach keine Gewinne mehr erzielen oder an die Börse gehen. Staatliche Eingriffe in den Privatsektor sind generell Gift für Aktienmärkte und lassen die Kurse von Rentenpapieren steigen bzw. die Renditen fallen. Auch das schlechter als erwartet gemeldete Ifo-Geschäftsklima ließ die Renditen zurückgehen. Mit minus 0,45% erreichte die laufende Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen den tiefsten Stand seit Februar. Denn die Stimmung in den deutschen Unternehmen trübte sich im Juli überraschend ein. Der Index fiel von 101,7 Punkte im Juni auf 100,8 Punkte. Während die aktuelle Lage sogar etwas positiver als im Vormonat beurteilte wurde, brachen die Erwartungen deutlich ein und verursachten damit den Rückgang des gesamten Index. Maßgeblich für den Rückgang dürften die Angst vor einer vierten Coronawelle und Lieferprobleme in der Industrie sein (siehe auch „Im Blickpunkt“). Am Rentenmarkt setzte am späten Vormittag eine Gegenbewegung ein, so dass die Renditen wieder leicht nach oben kletterten (Tageshoch zehnjähriger Bundesanleihen minus 0,40%). Die zunehmende Nervosität wegen ansteigender Neuinfektionszahlen von SARS-CoV-2 sollte den Zinsanstieg jedoch generell in Grenzen halten. In den USA sanken die Neubauverkäufe im Juni um 6,6% M/M; dies war der dritte Rückgang in Folge.

Aktien
Deutsche Börse, Ergebnis Q2
Hochtief, Ergebnis Q2
Reckitt Benckiser, Halbjahreszahlen
3M, Alphabet, General Electric, Ergebnis Q2
Mondelez, Raytheon Techn., UPS, Ergebnis Q2
Apple, Visa, Ergebnis Q3

Der Wochenauftakt an den Aktienmärkten war von empfindlichen Kurseinbußen der festlandchinesischen Börsen überschattet, die unter der weiter zunehmenden Regulierung der Privatwirtschaft litten. Dagegen eröffneten die europäischen Aktienbörsen mit überschaubaren Abschlägen. Aber auch im weiteren Handelsverlauf kam keine neue Kaufstimmung auf. Vor allem ein enttäuschender Ifo-Geschäftsklimaindex konnte keine Impulse liefern. Im Dax 30 standen insbesondere die Immobilienaktien im Fokus. Nachdem das Übernahmeangebot von Vonovia (-2,5%) für Deutsche Wohnen (+1,2%) an der Mindestannahmeschwelle gescheitert war, rutschten deren Aktien ans Indexende, während die Anteilscheine des Wettbewerbers die Performanceliste anführten. Im Euroraum erlitten die meisten Branchen Verluste. Positiv präsentierten sich dagegen nach einem noch zögerlichen Start Banken (+2,2%, Aufhebung der pauschalen Dividendenrestriktionen durch die EZB) sowie die rohstofflastigen Sektoren Energie und Grundstoffe (jeweils+2,0%). Die Leitindizes an der Wall Street eröffneten alle mit neuen Rekordständen. Zwar bröckelten die Kurse danach wieder etwas ab, doch konnten letztendlich alle knapp im Plus schließen. Leicht enttäuschende Konjunkturdaten dürften größere Kursavancen verhindert haben. Insgesamt zeigten sich die Anleger im Vorfeld vieler wichtiger Quartalsberichte aus dem IT-Segment sowie der bevorstehenden Fed-Sitzung relativ vorsichtig. Mit dem Schub der sich wieder stabilisierenden Ölpreisen rückten Energiewerte (+2,5%) mit klarem Abstand an die Spitze der US-Branchen.

Daten zum Wertpapier: Konjunktur

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

Lesen Sie mehr zum Thema Konjunktur im Bericht vom 27.07.2021

Am Morgen: China-Aktien, Philips, Kion und Morphosys im Blickpunkt - Nord LB Kolumne

Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat im Juli überraschend einen Dämpfer erhalten. Der ifo-Geschäftsklimaindex ging überraschend auf 100,8 Punkte zurück. Vor allem die Geschäftserwartungen haben sich deutlich eingetrübt. Zwar wird die aktuelle Lage etwas besser als zuvor beurteilt, die Dynamik lässt aber auch hier nach. Der Indikator spricht grundsätzlich weiter für eine Fortsetzung der kräftigen Erholung im Sommer, die deutliche Eintrübung der Geschäftserwartungen ist aber schon ein Warnsignal. Die Ursachen hierfür sind vor allem anhaltende Lieferengpässe sowie wachsende Sorgen über den weiteren Pandemieverlauf. Die EZB dürfte sich in ihrer vorsichtigen Haltung einmal mehr bestätigt fühlen.

Am gestrigen Morgen hatten deutliche Kursverluste an Chinas Börsen die Risikofreude der Anleger gedämpft. China greift in den Privatsektor ein. Hintergrund ist, dass die chinesische Regierung am Wochenende eine Reform des privaten Bildungssektors angekündigt ... diese News weiterlesen!

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