Roland Ullrich: Trading-Psychologie für Dummies, Wiley 2021 - Eine Rezension

Was Trader brauchen, so Roland Ullrich in „Trading-Psychologie für Dummies”, ist „Zielstrebigkeit, Willenskraft sowie permanente Lernbereitschaft und Weiterentwicklung“. Bild und Copyright: Creativan / shutterstock.com.

Was Trader brauchen, so Roland Ullrich in „Trading-Psychologie für Dummies”, ist „Zielstrebigkeit, Willenskraft sowie permanente Lernbereitschaft und Weiterentwicklung“. Bild und Copyright: Creativan / shutterstock.com.

24.03.2021 16:01 Uhr - Autor: Ulrich Kirstein  Ulrich Kirstein auf Twitter auf Twitter 

90 Prozent der Trader erleiden Verluste und geben schnell und genervt wieder auf, heißt es bereits in der Einführung von Roland Ullrichs Trading-Psychologie. Denn Traden ist das Gegenteil von langfristiger Geldanlage und – das zeigen alle Studien – je langfristiger beispielsweise in Aktien angelegt wird, desto sicherer ist der Erfolg. Und eben umgekehrt. Deshalb braucht es zum Traden eine vollkommen andere Herangehensweise und extrem starke Nerven.

Eine weitere ernüchternde Erkenntnis aus dem Buch: Wir sind nicht geschaffen, kluge Finanzentscheidungen zu treffen. Das ahnten wir schon immer, nun haben wir es schwarz auf weiß: Unser Hirn mag Trading nicht. Aber: Übung macht den Meister. Was Trader brauchen, so Ullrich, ist „Zielstrebigkeit, Willenskraft sowie permanente Lernbereitschaft und Weiterentwicklung“. Eigenschaften, die nicht nur beim Traden zum Erfolg führen dürften und die man sich manchmal auch im Parlament stärker vertreten wünscht.

Zu mentaler Stärke finden

Wir müssen „mentale Stärke“ entwickeln, wollen wir beim Traden bestehen, weshalb Ullrich rät, dass Selbstanalyse wichtiger als Marktanalyse sei. Und er schwört auf das Einrichten eines Demo-Kontos, um zu üben! Der landläufigen Kritik an solch papierenen Trockenübungen begegnet Ullrich souverän: Es sei gerade das Fehlen jeglicher Emotionen, wenn es nicht um echtes Geld gehe, die diese Erfahrungen so wertvoll machten.

Die wahre Kunst liege im Erkennen von wiederkehrenden Mustern: Diese machten erst den Erfolg beim Traden aus, vor allem, wenn man dabei technische Hilfsmittel – Charts – und Intuition verknüpft. Letzteres allerdings dürfte nicht einfach sein, denn Ullrich schreibt: „Implizite Muster finden Sie in keinem Lehrbuch. Mit dem bloßen Auge sind sie nicht wahrzunehmen und mit dem Verstand nicht zu erfassen.“ Das A und O: Erfahrung!

Die Kraft positiver Gedanken

Danach gilt es, nach einer sehr umfangreichen Selbstanalyse, für die uns der Autor einige wissenschaftliche Hilfsmittel an die Hand gibt, Handelspläne praktisch umzusetzen. Trading ist für Ullrich nicht weniger als eine Form der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb er zum Führen eines Trading-Tagebuchs genauso rät wie zum mentalen Selbstcoaching. Besonderen Nachdruck legt er auf die „Psychologie der Verlustverarbeitung“, etwas, das für alle Anleger an der Börse zutrifft, egal ob sie sich als Trader oder Langfristanleger definieren. Wie können wir Verluste verarbeiten? Dafür gibt Ullrich Tipps von der Kraft positiver Gedanken bis hin zu Atemtechniken. Deshalb wundert es nicht, ein ganzes Kapitel über „Mentaltechniken zur Stress- und Angstbewältigung“ zu finden.

Wir wollen an dieser Stelle nicht das ganze Buch nachzeichnen, nur so viel, ein weiterer Teil befasst sich mit dem Vermeiden von Fehlverhalten, beispielsweise mit dem Herdenverhalten an der Börse, aber auch mit unserem meist überschätzten Ego und der unterschätzten Angst, die uns beim Traden begleitet.

Störenfriede im Hinterstübchen

Eine Stärke des Buches liegt in der Stärke des Autors, der als Diplom-Volkswirt und Chartered Financial Analyst jahrelange Erfahrung im Investment Banking an der Wall Street mit einer fundierten Ausbildung als Berater und Coach, als zertifizierter Persönlichkeits- und Kompetenztrainer, verbindet. Damit beherrscht er sowohl die finanztechnische als auch die psychologische Seite des Handelns an der Börse perfekt.

Das Buch ist wie ein typisches Dummie-Buch aufgebaut, das heißt, es kann ohne Probleme auch Kapitelweise gelesen werden (auch wenn Autoren das nicht so sehr schätzen), wofür ein ausführliches Inhaltsverzeichnis den Weg weist. Wie immer gibt es am Ende den Top-Ten-Teil, in dem zehn vermeidbare Psychofallen, zehn Erfolgsgeheimnisse und zehn Grundregeln für den perfekten Trading-Tag offenbart werden. Und da hat uns besonders gefallen: „Ihr Ego: Der Störenfried im Hinterstübchen“. Manchmal hätte es dem Störenfried gefallen, wenn der Text im typischen Dummies-Stil ein wenig mehr Humor gezeigt hätte – aber vielleicht ist dieser dem Trading-Erfolg auch eher hinderlich!

Auf jeden Fall bilden viele der Empfehlungen und Ratschläge von Ullrich nicht nur für Trader eine fundierte Basis, sondern für alle Anlegerinnen und Anleger, die an der Börse mehr als nur Fonds und ETFs handeln wollen.

Roland Ullrich: Trading-Psychologie für Dummies,
1. Auflage Februar 2021
Wiley-VCH GmbH, Weinheim
272 Seiten, Softcover, 22 Euro

Aus dem Inhalt:
Teil I: Der souveräne Trader
Teil II: Leitfaden zum erfolgreichen Trading
Teil III: Emotionale Souveränität
Teil IV: Entscheidungen sicher treffen
Teil V: Fehlverhalten vermeiden
Teil VI: Der Top-Ten Teil

Daten zum Wertpapier: DAX - Aktienindex
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Ticker-Symbol: DAX
WKN: 846900
ISIN: DE0008469008

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne von Ulrich Kirstein. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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