EZB steht bereit weiter zu lockern und wenn notwendig, alle Instrumente anzupassen - Commerzbank Kolumne

Bild und Copyright: telesniuk / shutterstock.com.

Bild und Copyright: telesniuk / shutterstock.com.

22.01.2021 09:08 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Die EZB gibt sich mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung im Euroraum weniger pessimistisch als bei der letzten Sitzung. So seien die Wachstumsrisiken zwar groß, aber weniger ausgeprägt wie zuletzt. Das Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU, der Start der Corona-Impfprogramme und die Entwicklung der globalen Wirtschaft seien ermutigend. Gleichzeitig dämpfte EZB-Chefin Lagarde den Optimismus. Die Unsicherheit bleibe hoch, die Inflation sehr niedrig und es sei weiterhin eine großzügige geldpolitische Unterstützung notwendig.

Auf ihrer letzten Sitzung im Dezember hatte die EZB ein umfassendes Lockerungspaket beschlossen. Sie erhöhte das Volumen des PEPP-Anleihekaufprogramms um 500 Mrd. Euro auf 1.850 Mrd. Euro und verlängerte die Laufzeit bis mindestens März 2022. Außerdem beschloss sie eine neue Serie gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte für Banken (TLTRO). Nach dieser Lockerung war es wahrscheinlich, dass die EZB nun eine abwartende Haltung einnehmen würde. Lagarde betonte, dass eine Aufstockung des Ankaufvolumens auch noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen könne. Die EZB sei jederzeit bereit, alle Instrumente anzupassen.

Der Euro stieg gestern – auch während der EZB-Pressekonferenz – ggü. dem US-Dollar deutlich an. Das Vertrauen in den Euro ist wohl auch deswegen gestiegen, weil die EZB beim Kaufprogramm PEPP vom Kapitalschlüssel abweicht und damit größere Spreadsausweitungen verhindert. Sie verfolgt dabei wohl aber keine Spreadziele, worüber zuletzt spekuliert wurde. Zum digitalen Euro sagte Lagarde, dass gerade Rückmeldungen ausgewertet werden und im Frühjahr entschieden werde, ob mit dem Projekt fortgefahren wird. Neben einem digitalen Euro würde es aber immer noch Banknoten geben.

Anleihen


Japan: Verbraucherpreise (Dez), 00:30 Uhr
Deutschland: Einkaufsmanagerindizes (Jan), 9:30 Uhr
Euroraum: Einkaufsmanagerindizes (Jan), 10:00 Uhr
USA: Verkäufe bestehender Häuser (Dez), 16:00 Uhr

Im Vorfeld der gestrigen EZB-Sitzung war darüber spekuliert worden, dass sich Frau Christine Lagarde zu Fortschritten bei der Entwicklung eines digitalen Euros äußern würde. Entsprechende Erwartungen hat sie nicht erfüllt. Erst in der Fragerunde wurde der digitale Euro angesprochen. Ganz offensichtlich war Frau Lagarde daran gelegen, hohe Erwartungen zurückzuschrauben. Sie verwies darauf, dass zahlreiche Fragen ungeklärt seien und das man von einer Einführung noch Jahre entfernt sei. „For some“ sei dies ein faszinierendes Projekt. Sie scheint sich persönlich von dem Projekt zu distanzieren. Bislang war unser Eindruck, dass sie das Projekt aus eigener Überzeugung vorantreiben würde. Von dem Thema „digitaler Euro“ abgesehen gab es wenig Neues von der Presskonferenz zu erfahren. Lagarde machte noch einmal deutlich, dass man das Kaufprogramm PEPP sowohl ausweiten als auch verkleinern kann – um günstige Finanzierungsbedingungen für Kreditnehmer zu gewährleisten (vergleiche „Im Blickpunkt“). Die in den USA gemeldeten Konjunkturdaten zeichnen ein positives Bild vom Wohnungsbau: Saisonbereinigt legten sowohl die Baugenehmigungen wie auch die Baubeginne nach ebenfalls guten Novemberzahlen um Dezember weiter zu. Der Stimmungsindikator der Philadelphia Fed – sprang nach schwachen Vormonatszahlen wieder nach oben von 9,1 auf 26,5 Punkte. Gestört wurde das positive Bild jedoch erneut von schwachen Arbeitsmarktdaten. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung lagen bei 900.000 nach 926.000 in der Vorwoche. Da wohl kaum ähnlich viele neue Stellen im gleichen Zeitraum geschaffen wurden, dürfte insgesamt die Zahl der Arbeitslosen im Januar weiter ansteigen.

Aktien


Schlumberger, Ergebnis Q4

Am 20. Januar 2021, dem Tag der Amtseinführung von Joe Biden, kletterten die US-Leitindizes auf neue Rekordhochs. Auch hierzulande erzielten der MDax und der SDax neue Bestmarken. Die weltweite Risikorally setzt sich also weiter fort. Für Kauflaune sorgen dabei unter anderem die Hoffnung, dass sich nach dem Machtwechsel in den USA die internationalen Beziehungen wieder verbessern werden. Zudem schielen die Börsianer natürlich auch vor allem auf das US-Konjunkturpaket, das neben der unverändert expansiven (globalen) Geldpolitik und dem Mangel an renditeträchtigen Anlagealternativen der wichtigste Treibstoff für die Aktienmärkte bleibt. Die jüngste Fondsmanagerumfrage der Bank of America belegt, dass der Anteil der befragten Investoren, die aktuell ein höheres Risiko eingehen als üblich, rekordhohe 20% beträgt. Am stärksten übergewichtet sind dabei Aktien aus den Regionen der Schwellenländer sowie der Eurozone. Sektoral weisen die Bereiche Industrie und Rohstoffe eine unüblich hohe Positionierung auf. Der sogenannte „Most Crowded Trade“ ist augenblicklich der Bitcoin, der heute Morgen im asiatischen Handel zeitweise unter die Marke von 30.000 USD fiel. Die europäischen Aktienmärkte tendierten gestern nach Gewinnmitnahmen am späten Nachmittag überwiegend leichter. Der Dax verlor 0,1%. Tagesgewinner waren die Aktien von Delivery Hero (+3,6%) und VW (+2,8%). MTU Aero Engines verlor dagegen 4,6%. Auf europäischer Sektorenebene waren vor allem IT-Werte gesucht (+1,6%; Immobilien: -1,5%). Die Börsen in den USA tendierten seitwärts. Lediglich IT-Werte (+1,3%) legten deutlicher zu. Dagegen büßten Energieaktien als Tagesverlierer rd. 3,4% ein. Die Aktie von Intel gewann nach Vorlage guter Zahlen 6,5%. Neue Lockdown-Ängste (u.a. in Hongkong und China) belasteten die Börsen in Asien (Nikkei 225: -0,4%).
Daten zum Wertpapier: Euro - Währung
Chartanalyse-Tools: hier klicken!
Ticker-Symbol: EURUSD
WKN: 965275
ISIN: EU0009652759

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
(Werbung)
Günstig Aktien handeln!
4investors auf: Twitter | YouTube | Google News | Facebook

4investors-Newsletter

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

4investors-News - Euro - Währung

01.03.2021 - Deutschland: Inflationsrate überrascht erneut auf der Oberseite - VP Bank
19.02.2021 - Einkaufsmanagerindizes: Industrie in bester Laune - VP Bank
02.02.2021 - Euroland: Zweite Welle bremst Wirtschaft – Erholung aber nur unterbrochen - Nord LB
22.01.2021 - EUR/USD: Pullback? - UBS-Kolumne
21.01.2021 - EZB bestätigt ihren Kurs und sieht geringere Konjunkturrisiken - DWS Kolumne
14.01.2021 - Verbraucherpreisanstieg in den USA und Euroraum noch niedrig - Commerzbank Kolumne
13.01.2021 - Überraschende Inflationsentwicklung mit weiterem Potential - Commerzbank Kolumne
07.01.2021 - Eurozone: Rückläufige Preise im Dezember - VP Bank Kolumne
11.12.2020 - EZB schnürt ein großzügiges Paket und sorgt auch 2021 für sehr günstige Finanzierungsbedingungen - DWS Kolumne
11.12.2020 - Historische Entscheidung: Die EU bekommt erstmalig einen eigenständigen Verschuldungsrahmen - VB Bank Kolumne
10.12.2020 - EZB: Lagarde avanciert zur Pyrotechnikerin - VB Bank Kolumne
01.12.2020 - Teuerung bleibt im negativen Bereich: Grünes Licht für die EZB - VP Bank Kolumne
27.11.2020 - Geldmenge M3 steigt weiter kräftig - Commerzbank Kolumne
23.11.2020 - Einkaufsmanagerindizes: Bevor es besser wird, wird es schlimmer - VP Bank Kolumne
15.11.2020 - Jagd nach Rendite - DWS Kolumne
28.10.2020 - Geldmenge M3 wächst im Euroraum rasant - Commerzbank Kolumne
02.10.2020 - Eurozone: Von Inflation keine Spur - VP Bank Kolumne
25.09.2020 - Eurozone: Geldmengenwachstum bleibt hoch, droht nun Inflation? - VP Bank Kolumne
24.09.2020 - Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen geht überraschend stark zurück - Commerzbank Kolumne
23.09.2020 - Nachholeffekte in der Industrie, Dienstleistungen enttäuschen - DWS Kolumne

DGAP-News dieses Unternehmens

Stammdaten dieses Wertpapiers: WKN/ISIN, Börse etc.