Trump oder Biden: Welche sind die Präsidenten-Aktien? - nextmarkets-Kolumne

Manuel Heyden, Mitgründer und CEO von nextmarkets, macht sich in seiner Kolumne auf 4investors Gedanken über die US-Wahlen und ihre Folgen für Unternehmen und Anleger. Bild und Copyright: nextmarkets.

Manuel Heyden, Mitgründer und CEO von nextmarkets, macht sich in seiner Kolumne auf 4investors Gedanken über die US-Wahlen und ihre Folgen für Unternehmen und Anleger. Bild und Copyright: nextmarkets.

03.11.2020 13:39 Uhr - Autor: Manuel Heyden  Manuel Heyden auf Twitter auf Twitter 

Morgen ist die US-Präsidentenwahl schon wieder vorbei. Ob wir dann aber auch das Ergebnis kennen, weiß niemand. Besonders die Auszählung der Briefwahlunterlagen könnte sich hinziehen – und eine Hängepartie befördern. Hinzu kommt: Das Rennen scheint knapper zu werden, was eindeutige Resultate zusätzlich erschwert. Dabei ist Unsicherheit Gift für die Kapitalmärkte. Sicherer dagegen dürfte die jeweilige Wirtschafts- und Handelspolitik sein, für die die beiden Kandidaten stehen. Das ein Konjunkturprogramm kommen wird, ist ausgemacht. Doch mit was für Branchenschwerpunkten? Welche also sind Präsidenten-Aktien, die von Trumps oder Bidens Politik profitieren?

Um sich einer Antwort anzunähern, schauen wir uns zunächst die zu erwartende Politik an: Welche Wirtschaftsbereiche werden bevorzugt (Biden: Elektroautos), welche benachteiligt (Biden: Öl), was für Effekte hat die jeweils unterschiedliche Steuer-, Ausgaben-, und Infrastrukturpolitik? Vergessen sollten wir dabei nicht die wichtigste Frage unserer Zeit: Wer hat Corona besser im Griff? Auch bei deutschen und europäischen Aktien ist es nicht egal, wer am 3. November gewinnt. Anleger bei solchen Papieren bewegt besonders auch die Frage, wie es mit den Restriktionen oder Strafzöllen weitergeht – und ob sie Biden wieder streichen würde.

Bessere Atmosphäre

Auch wenn die Politikinhalte und vor allem -stile deutlich voneinander abweichen mögen. Selbst ein Wahlsieger Biden wird die wirtschaftsfreundliche Politik der Trump-Ära nicht beenden. Demokraten wie Republikaner wissen gleichermaßen, dass eine funktionierende Wirtschaft die Basis für ihr Land ist. Biden würde sicher die Steuersenkungen Trumps zurücknehmen, maßvoll und ausgleichend. Beide Kandidaten dürften sich mit aller Kraft um die wirtschaftlichen Verwerfungen kümmern, die Corona hervorgebracht hat. Es wird daher so oder so ein gewaltiges Corona-Konjunkturpaket geben. In ein Biden-Portfolio gehören demnach also die Baubranche und deren Zulieferer, wie Baustoffproduzent Vulcan Materials, Anlagenbauer Jacobs Engineering, Baumaschinenhersteller Caterpillar oder auch Heidelberg Cement – in ein Trump-Depot aber auch. Der vorgesehene Ausbau des 5G-Netzes würde die ohnehin schon florierende Deutschen Telekom-Tochter T-Mobile weiter pushen.

Biden-Basket: Erneuerbare Energien

Was aber hat die deutsche Exportwirtschaft zu erwarten? Wer denkt, dass Biden den US-Markt wieder für ausländische Waren öffnen wie einst, der irrt. Einerseits haben sich die deutschen Warenexporte in die USA selbst unter Trump prächtig entwickelt. Zwischen 2016 und 2019 sind sie von 107 auf 119 Milliarden Euro gestiegen. Anderseits wird auch US-Präsident Biden zuallererst seiner Nation verpflichtet sein.

Einzelne Branchen jedoch werden klar durch unterschiedliche Politikschwerpunkte befördert. In ein Biden-Portfolio würde man Firmen der Erneuerbaren-Energien-Branche aufnehmen: Entwickler von Windparks oder Solaranlagen wie First Solar Inc. oder Brookfield Renewable Part-ners Lieblingsprodukt, genauso wie das Dax-Mitglied RWE. Der Versorger hat knapp 40 Prozent seiner Windkraft- und Solaranlagen in den USA – ein Segment, das bei einem Biden-Sieg wachsen wird.

Trump half deutschen Maschinenbauern

Naturgemäß sind fast alle DAX30-Unternehmen international und in den USA engagiert. Manche, wie Bayer oder Deutsche Telekom, mit starken US-Töchtern und/ oder im Ergebnis von Megafusionen. Sie haben also keine hohen Zölle oder Handelskonflikte zu befürchten, wie Hersteller von Stahl- und Aluminiumprodukten mit bis zu 352 Prozent. Die Autofirmen VW, Mercedes und BMW sind ebenfalls vor Ort mit Produktionsstätten vertreten, exportieren jedoch zusätzlich enorm. Letztere müssen sich immer wieder vor Strafzöllen Trumps sorgen. Trotzdem sind die US-Geschäfte der deutschen Maschinenbauer in den drei Jahren vor Corona gut gelaufen. Trumps Steuerreform hat gerade die Investitionsbereitschaft der US-Firmen befeuert – und damit den Export deutscher Maschinen in die USA von 2016 und 2019 um fast 20 Prozent. Eine Steuererhöhung Bidens könnte diesen Effekt zunichtemachen. Industrie- und Chemiebetriebe wie Linde, Siemens, MTU haben ebenfalls eher vom Trump-Investitionsboom profitiert. Tendenziell könnten es deutsche Autobauer, Stahl- und Aluminiumhersteller unter Biden leichter haben.

US-Aktien lassen sich eindeutiger einem Kandidaten zuordnen: In ein Trump-Portfolio gehören Rüstungsaktien, etwa Raytheon oder Boeing. Republikaner geben traditionell mehr für die Verteidigung aus. Caterpillar, der vom Infrastrukturboom profitieren würde, sollte auch in ein „Trump-Basket“, ebenso wie GE und andere US-Unternehmen, die Trump gern lobt. Paradoxerweise könnten die großen und „Anti-Trump-eingestellten“ Tech-Unternehmen wie Amazon, Google oder Facebook eher Nutznießer einer Fortsetzung seiner Präsidentschaft sein. Namhafte Demokraten haben sich wegen der teils monopolartiger Marktmacht eine Zerschlagung auf die Fahnen geschrieben.

Hingegen würde ich in ein Biden-Portfolio Firmen auch Unternehmen der Gesundheitsbranche aufnehmen. So möchte Biden das unter seinem Ex-Chef eingeführte „Obamacare“ fortführen. Analysten sehen daher Krankenversicherer wie United Health, Cigna oder Anthem im Vorteil. Allerdings müssten sich Pharmakonzerne wie Pfizer, Merck, Abbvie, Bristol-Meyers Squibb oder europäische Branchengrößen auf Kürzungen einstellen. Biden beabsichtigt nämlich, die Pharmapreise zu beschränken.

Viele dieser Überlegungen sind in den Kursen der genannten Unternehmen jedoch schon eingepreist. Hinzu kommen erhebliche Schwankungen in den vergangenen Wochen, wegen der US-Wahl, besonders aber auch der zweiten Corona-Welle. Wer am 3. November die Wahl gewinnt, ist daher nur ein Einflussfaktor unter vielen. Die Mischung der Argumente, gilt es abzuwägen. Es ist, wie immer an der Börse, eine Wette.

Autor: Manuel Heyden
(M. Sc. , Jahrgang 1980) ist Mitgründer und CEO von nextmarkets.

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