Value-Aktien mit Chancen - Weberbank-Kolumne

Der US-Aktienmarkt nur noch wenige Prozentpunkte davon entfernt, den gesamten Kursverlust seit Jahresbeginn auszugleichen. Bild und Copyright: Stuart Monk / shutterstock.com.

Der US-Aktienmarkt nur noch wenige Prozentpunkte davon entfernt, den gesamten Kursverlust seit Jahresbeginn auszugleichen. Bild und Copyright: Stuart Monk / shutterstock.com.

01.06.2020 09:33 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Sonne scheint, die Corona-Beschränkungen werden mehr und mehr gelockert und die Politiker planen großzügig Hilfsprogramme in ungeahnten Größenordnungen getreu dem Motto „Klotzen – nicht kleckern“. An den Kapitalmärkten macht sich in diesem Umfeld eine gewisse Sorglosigkeit breit und die Aktienkurse steigen weiter an. Wie wir die aktuelle Situation einschätzen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“.

Neue Hilfsgelder für Europa
Deutschland zählt international neben den USA und China zu den Ländern, die am stärksten die eigene Volkswirtschaft in der Krise stützen. Durch die Sparpolitik der letzten Jahre haben wir uns diesen wichtigen Spielraum geschaffen. Zunehmend werden wir jedoch europaweit für diese Politik kritisiert, da eine weitere Stärkung der Starken und eine Schwächung der Schwachen im Nachgang der Krise befürchtet wird. Von den vielen Hilfsmilliarden, die europaweit von den Einzelnationen beschlossen wurden, entfallen beeindruckende 50 Prozent allein auf Deutschland. Die EU will nun den „Schwachen“ helfen, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nutzte die Macht der großen Zahlen bei der Vorstellung ihres Wiederaufbauplans in Höhe von 750 Milliarden Euro. 500 Milliarden davon sollen als nicht rückzahlbare Zuwendungen an die Länder in Europa fließen, die am stärksten ökonomisch durch die COVID-19-Pandemie betroffen sind. Die restlichen 250 Milliarden sind als Darlehen angelegt. Rund 40 Prozent der Gesamtsumme würden nach bisherigen Plänen nach Italien und Spanien fließen. Die Gelder sollen zweckgebunden in nationale Programme, die Digitalisierung und die Begrenzung des Klimawandels fließen. Soweit so gut. Das Problem ist jedoch, alle nationalen Länderparlamente müssen zustimmen, und die Finanzierung ist alles andere als sicher. Durch die Ausgabe von langlaufenden Anleihen auf EU-Ebene, also quasi abgewandelten Euro-Bonds, soll der Plan gegenfinanziert werden. Die Tilgung könnte über die Einführung neuer Steuern finanziert werden. Es gibt somit genügend Diskussionsbedarf, bis die Hilfen tatsächlich fließen werden. Bis dahin könnten die „Starken“ schon einen wertvollen ökonomischen Vorsprung erzielt haben. In den aktuellen Wirtschaftsdaten zeichnet sich die erwartete Bodenbildung und eine erste Erholung ab. So konnten sich die Einkaufmanagerindizes in Europa und auch der deutsche ifo-Index von ihren Tiefstständen erholen. Spannend wird, wie weit die Erholung trägt, da sowohl der Verbraucher als auch die Unternehmen sich mit Investitionen weiterhin zurückhalten.

Der Konflikt der Supernationen wächst erneut an
Der Schlagabtausch zwischen den USA und China nimmt wieder an Fahrt auf. Präsident Trump hat mit China den Hauptschuldigen der aktuellen Krise identifiziert und lenkt damit von eigenen Versäumnissen ab. Auch die Hong-Kong-Politik der Chinesen missfällt den Amerikanern. Im Gegenzug könnte chinesischen Unternehmen in Zukunft der Zugang zum wichtigen amerikanischen Kapitalmarkt erschwert werden. Hochrangige Politiker aus China sprachen jüngst sogar von einem neuen kalten Krieg. An den Kapitalmärkten wird der Konflikt derzeit vollkommen ignoriert, da es sich eigentlich beide Nationen nicht leisten können, den Handelskonflikt der letzten Jahre in eine zweite Runde zu schicken. Trump möchte im Herbst wiedergewählt werden, und China hat einen geringeren ökonomischen Spielraum als noch vor einigen Jahren. Da beide Nationen aber von stolzen, selbstbewussten Präsidenten geführt werden und Politik nicht immer logisch ist, sollte unserer Meinung nach die Entwicklung genau beobachtet werden.

Wenigstens an den Aktienmärkten, so scheint es, ist die Welt wieder in Ordnung. Die Kurse haben seit dem Tiefpunkt Mitte März über 25 Prozent zugelegt, der amerikanische S&P 500 sogar um 35 Prozent. Damit ist der US-Aktienmarkt nur noch wenige Prozentpunkte davon entfernt, den gesamten Kursverlust seit Jahresbeginn auszugleichen. Umso mehr drängt sich die Frage auf, wie es nun weitergehen kann und was bereits antizipiert ist. In unseren Augen geht der Kapitalmarkt vom Idealszenario aus – die Beschränkungen werden sehr bald weitreichend aufgehoben sein – die Wirtschaft fährt, stimuliert durch die Hilfsmaßnahmen der Staaten und Notenbanken, auf das Vorkrisenniveau hoch – das Virus ist durch einen Impfstoff, der in Kürze zur Verfügung steht, beherrschbar geworden. Wie in den letzten Ausgaben dieser Publikation geschildert, würden wir uns gerne dieser Annahme anschließen, nur sehen wir weiterhin viele Risiken. Erneute Ansteckungswellen, wie derzeit in Südkorea, oder aber Zweitrundeneffekte durch beispielsweise eine Zunahme von Zahlungsausfällen bei Unternehmen mit geringer Bonität haben das Potential, das Idealbild zu stören. In den letzten Tagen und Wochen verzeichneten vor allem Unternehmen aus zyklischen Bereichen deutliche Zuwächse. Viele dieser Titel sind sogenannte „Value-Aktien“, die in Relation zu ihrem fundamentalen Wert günstig erscheinen. Vor allem Automobilunternehmen, Finanz- und Energiewerte zählen dazu. Langfristig gab und gibt es interessantere Anlagesegmente, zumal viele dieser Unternehmen strukturelle Probleme aufweisen. In einer fortgesetzten Markterholung können Aktien aus diesen Segmenten jedoch durchaus interessante kurzfristige Beimischungen darstellen. Achten Sie nur auch hier auf jeden Fall auf die Qualität der Unternehmen!



Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Weberbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

Lesen Sie mehr zum Thema DAX - Aktienindex im Bericht vom 30.05.2020

Teures wird teurer und Billiges bleibt billig - DWS Kolumne

Corona hat die Zweiteilung der Aktienmärkte nicht beendet. Die bisherigen Favoriten bleiben weiterhin gefragt. Das spricht gegen die Qualität des Aufschwungs.

Wer schon länger an der Börse handelt, weiß, dass es für jedes Ereignis eine entsprechende Börsenweisheit gibt. Für das Gegenteil aber auch. Wer Mitte März Sorge hatte, an den Aktienmärkten ins fallende Messer zu greifen, wird beim Blick auf sein Portfolio heute weniger Freude verspüren als die Mutigeren, die kauften, als die Kanonen donnerten. Wer dachte, letztlich zählen die Gewinne, hatte zumindest kurzfristig das Nachsehen gegenüber jenen, die zu wissen meinen, dass man nicht gegen die US Federal Reserve (Fed) (stellvertretend für alle großen Zentralbanken) wetten sollte. Und wer auf "Mean-Reversion", also die Bewegungen zurück zum Durchschnitt, setzt, basierend auf dem Glauben, dass kein Trend ewig währt und eine Rotation der Anlagestile entsprechend unvermeidlich ist, der wartet noch heute auf ... diese News weiterlesen!

Auf einem Blick - Chart und News: DAX - Aktienindex

Exklusiv-Berichte und Interviews aus der 4investors Redaktion:

Eyemaxx-Vorstand Michael Müller im Exklusiv-Interview mit der 4investors-Redaktion.Eyemaxx: „Ich sehe hier deutliches Aufholpotenzial“

4investors-Newsletter

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

4investors-News - DAX - Aktienindex

13.07.2020 - DAX: Der Richtungskampf geht weiter - UBS-Kolumne
13.07.2020 - DAX: „Golden Cross” und 13.000 im erweiterten Blick - Donner & Reuschel Kolumne
10.07.2020 - DAX: Weiter seitwärts - UBS-Kolumne
10.07.2020 - DAX-Chartanalyse: Stabil ins Wochenende - Donner & Reuschel Kolumne
09.07.2020 - DAX: Weiter seitwärts - UBS-Kolumne
08.07.2020 - DAX: Angst vor der 13‘000-Punkte-Marke - UBS-Kolumne
08.07.2020 - DAX 30 konsolidiert: Heute seitwärts trotz „Evening-Star“ - Donner & Reuschel Kolumne
07.07.2020 - DAX: Mögliches bearishes Doppeltopp - UBS-Kolumne
07.07.2020 - DAX: Technische Signale bestätigt - Bollinger-Band als Widerstand - Donner & Reuschel Kolumne
06.07.2020 - AirBnB, Skype: Kannibalisiere Dich selbst, oder Du wirst kannibalisiert! - Podcast
06.07.2020 - DAX: 12´600 Punkte-Marke im Fokus - UBS-Kolumne
06.07.2020 - Deutschland: Auftragseingänge - es geht wieder aufwärts - VP Bank Kolumne
06.07.2020 - DAX testet heute die 12.800: Technische Signale bestätigt - Donner & Reuschel Kolumne
03.07.2020 - DAX: Stabilität wandelt sich in Dynamik - Stopps nachziehen - Donner & Reuschel Kolumne
03.07.2020 - DAX: Ausbruch nach oben - UBS-Kolumne
02.07.2020 - DAX: Der Trendkanal hält bisher - UBS-Kolumne
02.07.2020 - DAX: Technische Situation weiterhin stabil - Donner & Reuschel Kolumne
01.07.2020 - DAX: Keine Euphorie aber Stabilität - Donner & Reuschel Kolumne
01.07.2020 - DAX: Der Index pendelt sich aus - UBS-Kolumne
30.06.2020 - DAX: Monatskerze warnt - UBS-Kolumne

DGAP-News dieses Unternehmens

Stammdaten dieses Wertpapiers: WKN/ISIN, Börse etc.