Teures wird teurer und Billiges bleibt billig - DWS Kolumne

Corona hat die Zweiteilung der Aktienmärkte nicht beendet. Die bisherigen Favoriten bleiben weiterhin gefragt. Das spricht gegen die Qualität des Aufschwungs. Bild und Copyright: solarseven / shutterstock.com.

Corona hat die Zweiteilung der Aktienmärkte nicht beendet. Die bisherigen Favoriten bleiben weiterhin gefragt. Das spricht gegen die Qualität des Aufschwungs. Bild und Copyright: solarseven / shutterstock.com.

30.05.2020 15:56 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Corona hat die Zweiteilung der Aktienmärkte nicht beendet. Die bisherigen Favoriten bleiben weiterhin gefragt. Das spricht gegen die Qualität des Aufschwungs.

Wer schon länger an der Börse handelt, weiß, dass es für jedes Ereignis eine entsprechende Börsenweisheit gibt. Für das Gegenteil aber auch. Wer Mitte März Sorge hatte, an den Aktienmärkten ins fallende Messer zu greifen, wird beim Blick auf sein Portfolio heute weniger Freude verspüren als die Mutigeren, die kauften, als die Kanonen donnerten. Wer dachte, letztlich zählen die Gewinne, hatte zumindest kurzfristig das Nachsehen gegenüber jenen, die zu wissen meinen, dass man nicht gegen die US Federal Reserve (Fed) (stellvertretend für alle großen Zentralbanken) wetten sollte. Und wer auf "Mean-Reversion", also die Bewegungen zurück zum Durchschnitt, setzt, basierend auf dem Glauben, dass kein Trend ewig währt und eine Rotation der Anlagestile entsprechend unvermeidlich ist, der wartet noch heute auf die Bestätigung. Ebenso wie jene, die sich an der Empirie orientieren, wonach in einem neuen Konjunkturzyklus zunächst die Substanzwerte am besten laufen.

Zwar haben diese Woche die Substanzwerte die Wachstumswerte öfters mal deutlich hinter sich gelassen, doch das kann dem seit 2007 bestehenden Trend, in dem das Segment Wachstum outperformt, bisher nichts anhaben. Dieses Segment wird einmal mehr von der Technologiebranche, zumal der amerikanischen, dominiert. Zugespitzt lässt sich diese Sektorunwucht, die sich auch in regionalen Renditeunterschieden widerspiegelt, daher am Vergleich zwischen dem US-Technologiesektor und dem europäischen Bankensektor (stellvertretend für Substanzwerte) zeigen. Liegt ersterer dieses Jahr schon wieder über fünf Prozent vorne, haben die Finanztitel die Hälfte ihres Wertes abgegeben.

Dass dies kein Einzelphänomen ist, zeigt unser "Chart der Woche". Die Börsenrally der vergangenen drei Monate wurde vornehmlich von jenen Sektoren getragen, die ohnehin schon teuer waren (auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV)), während die billigen weiter gemieden wurden. Der entsprechende Börsenspruch dazu lautet übrigens "cheap for a reason". Also billig aus gutem Grund. Aber heißt das gleichzeitig, dass die gut laufenden Sektoren aus gutem Grund so teuer sind? So viel für sie auch spricht, fragt man sich doch wie lange einzelne Sektoren so gut laufen können, wenn links und rechts von ihnen alles zusammenbricht und mithin die ganze Wirtschaft daniederliegt? Und wenn die USA nach unseren Schätzungen erst 2022 ihre Wirtschaftsleistung von 2019 wieder erreicht haben werden? Auch aus den Kursverläufen anderer Anlageklassen (Rohstoffe oder Anleihen etwa) lässt sich nicht gerade ein rasanter Wirtschaftsaufschwung herauslesen. Das würde zumindest erklären, warum die Substanzwerte weiterhin relativ schwächer laufen. Denn ein normaler Aufschwung ist das hier sicherlich nicht. Und das wiederum erklärt, warum wir zumindest aus relativer Betrachtung heraus einige dieser teuren Sektoren weiterhin mögen. Kurz gesagt – in ungewöhnlichen Zeiten halten wir uns erst recht an die Devise: Wette nicht gegen die Fed oder gegen große Technologiewerte.



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