Coronavirus bremst Schwellenländer im Januar 2020 aus - Commerzbank Kolumne

Das Coronavirus, das im Dezember 2019 in Wuhan (China) ausgebrochen ist, führte zu verstärkten Ängsten, dass die zaghafte Erholung der globalen Konjunktur abgewürgt werden könnte. Bild und Copyright: Fotos593 / shutterstock.com.

Das Coronavirus, das im Dezember 2019 in Wuhan (China) ausgebrochen ist, führte zu verstärkten Ängsten, dass die zaghafte Erholung der globalen Konjunktur abgewürgt werden könnte. Bild und Copyright: Fotos593 / shutterstock.com.

07.02.2020 08:52 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Der MSCI Emerging Markets-Index erzielte im Januar 2020 mit einem Minus von 4,7% eine deutliche Underperformance sowohl gegenüber dem MSCI Welt-Index (-1,2%) als auch gegenüber dem Developed Markets-Index (-0,7%). Das Coronavirus, das im Dezember 2019 in Wuhan (China) ausgebrochen ist, führte zu verstärkten Ängsten, dass die zaghafte Erholung der globalen Konjunktur abgewürgt werden könnte. Daher waren im Januar 2020 sichere Häfen wie Gold (+4,7%) oder US-Staatsanleihen (die Rendite für die 10jährigen US-Treasuries fiel von 1,9% auf 1,5%) gesucht. Rohstoffe wie Öl (-11,9%), Kupfer (-9,8%) oder Aluminium (-4,9%) erlitten starke Verluste. Auf EM-Sektorenebene erlitten alle Bereiche Verluste. Besonders heftig war der Verkaufsdruck in den Branchen Immobilien (-11,1%) und Energie (-8,4%). Regional zeigte sich in den EM ein überraschendes Bild. Die Region Asien wies mit einem Minus von 4,5% den geringsten Verlust aus, wohingegen die Regionen EMEA (-4,9%) und Lateinamerika (-5,7%; Brasilien: -7,6%) noch stärker Federn lassen mussten. Die Gewinnschätzungen für den MSCI EM-Index für 2020/21 wurden im Januar um 2,6% bzw. um 2,5% nach unten revidiert. Am stärksten traf es die Region Lateinamerika (2020e: -3,2%) und EMEA (2020e: -2,9%). In Asien fielen die Ergebnisprognosen für 2020 um 2,4%. Die Nettomittelzuflüsse (EM Aktienfonds) beliefen sich im Jan. 2020 (per 29. Januar) auf 8,2 Mrd. USD. Damit sind ausländische Investoren seit drei Monaten Nettokäufer von EM-Aktien (kumuliert: 24,6 Mrd. USD). Davor waren sie sechs Monate in Folge Nettoverkäufer gewesen. In den ersten Februartagen 2020 hat sich das Bild an den globalen Börsen wieder deutlich verbessert. Die chinesische Notenbank sorgte mit Liquiditätsspritzen und Zinssenkungen für eine Stabilisierung der Lage. Gute Makrodaten (USA) und eine relativ gute Berichtssaison (USA/Europa) gaben ebenso Rückenwind wie beruhigende Worte der WHO.

Anleihen


Deutschland: Exporte (Dezember), 8:00 Uhr
Deutschland: Industrieproduktion (Dezemb.), 8:00 Uhr
USA: Arbeitsmarktbericht (Januar), 14:30 Uhr

Seit Wochenanfang wächst die Zuversicht an den Märkten wieder und damit nimmt auch die Risikofreude der Anleger zu. Staatsanleihen als sicherer Hafen waren weniger gefragt. Lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Montag noch bei minus 0,44% im Tief, stieg sie gestern bis auf minus 0,34% an. Die enttäuschenden Auftragseingänge in der deutschen Industrie dämpften den Renditeanstieg jedoch etwas. Waren die meisten Analysten von einer Zunahme der Aufträge im Dezember ausgegangen, gingen sie um 2,1% gegenüber November zurück (- 8,7% J/J). Immerhin wurden die auch schon recht schwachen Novemberdaten leicht nach oben korrigiert. Auch wenn ein Teil des Minus auf einen deutlichen Rückgang der Bestellungen im Sektor "sonstiger Fahrzeugbau" (Flugzeuge etc.) zurückzuführen ist, verbleibt bei Herausrechnung dieser sehr volatilen Unterkomponente immer noch eine Verringerung um 1,4%. Heute früh überraschten die Daten zur Industrieproduktion negativ. Die Produktion im deutschen produzierenden Gewerbe ging im Dezember gegenüber dem Vormonat um 3,5% zurück (-6,8% J/J). Die Daten sind eventuell durch die Weihnachtsfeiertage leicht verzerrt. Der langfristige Trend für die Industrieproduktion zeigt aber weiter eindeutig nach unten. Wir rechnen auch für das erste Quartal 2020 mit einem moderaten Rückgang – trotz der zuletzt etwas besseren Stimmung bei den Unternehmen. Zudem sind die vermutlich mit dem Ausbruch des Coronavirus entstehenden Belastungen noch nicht in den Umfragewerten enthalten. Die milde Witterung, der robuste private Konzern und der stabile Dienstleistungssektor lassen erwarten, dass die deutsche Wirtschaft nicht in eine Rezession abrutscht.

Aktien


Ceconomy, Ergebnis Q1
Honda Motor, Ergebnis Q3
Softbank, Ergebnis Q3

Die europäischen Aktienmärkte setzten am gestrigen Handelstag ihre Aufwärtstendenz den vierten Tag in Folge fort; allerdings ließ die kräftige Dynamik der Vortage mancherorts nach. Die relevanten europäischen Leitindizes legten in der Spitze um bis zu 1,1% (Italien) zu. Der Stoxx Europe 600 markierte mit 426,7 Punkten ein Allzeithoch. Für Rückenwind sorgte die Ankündigung Chinas, Strafzölle auf bestimmte US-Waren zu halbieren. Darüber hinaus stützten die Märkte ein-mal mehr hoffnungsvoll stimmende Nachrichten, die auf eine möglichst baldige Eindämmung des grassierenden Coronavirus hindeuten. In diesem Umfeld gewann der Dax 0,7%. Starperformer des Tages war einmal mehr die Notierung der Deutschen Bank mit einem satten Kursplus von 12,9% (+35% seit Jahresbeginn). Hier beflügelte vor allem die Nachricht von dem Einstieg eines neuen US-Großinvestors, der nun 3,1% der Anteile an der Deutschen Bank hält. Die Notierung von Siemens verlor 4,4%; hier ist allerdings der Dividendenabschlag in Höhe von 3,90 Euro je Aktie zu berücksichtigen. Auf europäischer Sektorenebene waren vor allem Bankwerte gesucht, die im Schnitt um 1,9% kletterten. Aktien aus dem Bereich Öl & Gas büßten als Tagesverlierer im Schnitt 0,6% ein. Die Börsen in den USA tendierten freundlich. Alle drei Leitindizes markierten neue Allzeithochs. Hier halfen auch die angekündigten Zollsenkungen Chinas. Die Aktie von Twitter stieg nach Vorlage guter Quartalszahlen um 15%. Auf Sektorenebene (S&P 500) waren insbesondere Kommunikationsdienstleistungswerte gefragt, die im Schnitt um 1,1% gewannen. Energieaktien büßten als Tagesverlierer im Schnitt 1% ein. Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss überwiegend schwächer. Nach den festen Vortagen prägten vor dem Wochenende leichte Gewinnmitnahmen das Bild.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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