DAX: Endlich purzeln die Rekorde - Nord LB Kolumne

Mit den neuen Rekorden sollten die positiven Nachrichten bezüglich der Teileinigung im Handelskonflikt zwischen Washington und Peking von den Aktienmärkten inzwischen aber sehr weitgehend eingepreist sein. Bild und Copyright: Deutsche Börse.

Mit den neuen Rekorden sollten die positiven Nachrichten bezüglich der Teileinigung im Handelskonflikt zwischen Washington und Peking von den Aktienmärkten inzwischen aber sehr weitgehend eingepreist sein. Bild und Copyright: Deutsche Börse.

22.01.2020 10:30 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Börsianer konnten heute endlich auch beim Blick auf den DAX neue Rekorde feiern. Der deutsche Blue-Chip-Index startete knapp oberhalb der Marke von 13.600 Punkten in den Handel. Kurzfristig betrachtet überrascht diese Entwicklung nicht; die Anleger wollten einfach ein neues Allzeithoch sehen. Der DAX folgt damit doch noch seinem „kleineren“ Bruder MDAX und den wichtigen US-Indizes.

Der Beginn des neuen Jahres war für die Asset-Klasse Aktien ziemlich turbulent. Einem Traumstart am ersten Handelstag, der fast zu einem Frühstart geworden wäre, folgten zunächst Belastungen durch die zwischenzeitlich sehr angespannte Lage am Persischen Golf. In diesem Umfeld ist der DAX temporär sogar wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Zählern gefallen. Inzwischen scheint eine weitere Eskalation des Konfliktes zwischen Washington und Teheran aber unwahrscheinlicher zu werden. Insofern kehrte der Optimismus zurück – und die positiven Nachrichten zum Verlauf des Handelsstreits zwischen den USA und China rückten wieder stärker in den Fokus. Der nun unterzeichnete Phase-1-Deal dürfte der Wirtschaft in beiden Ländern in der Tat helfen können.

Mit den neuen Rekorden sollten die positiven Nachrichten bezüglich der Teileinigung im Handelskonflikt zwischen Washington und Peking von den Aktienmärkten inzwischen aber sehr weitgehend eingepreist sein. Der DAX profitiert natürlich noch immer vom niedrigen Zinsniveau in Deutschland. Der Anlagenotstand lässt Investoren offenkundig auch weiterhin zur Asset-Klasse Aktien greifen. Auch Hoffnungen auf eine freundlichere Entwicklung der US-Wirtschaft helfen dem globalen Aktienmarkt. Neben der Teileinigung im Handelsstreit mit China könnte auch der Immobiliensektor der Ökonomie der Vereinigten Staaten neue Impulse liefern. Das nach den Leitzinssenkungen der Fed wieder niedrigere Renditeniveau hilft offenkundig, die Aktivität in der US-Bauwirtschaft signifikant zu erhöhen.

Der deutsche Aktienmarkt sollte folglich auch weiterhin im Schlepptau der Wallstreet bleiben. Mit den neuen Rekorden sind die internationalen Aktienmärkte nun aber zunehmend nicht mehr günstig bewertet. Beim Blick auf die US-Börsen muss derzeit wohl nicht von einer spekulativen Preisblase gesprochen werden. Dazu fehlt aktuell einfach noch die Euphorie an den Märkten. Auch die Berichterstattung in den Medien der USA und andernorts ist angesichts der neuen Rekorde derzeit eher neutral. Die Aktienmärkte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten preisen aber inzwischen sehr positive Szenarien ein. US-Dividendenpapiere sind folglich nicht mehr zu Schnäppchenpreisen zu haben. Das KGV des S&P 500 auf Basis der Konsensgewinnschätzung für 2020 notiert inzwischen schon knapp oberhalb von 19,0. Sollte es nun noch zu einer Häufung von IPOs von neuen Firmen ohne wirklich glaubhaft tragfähiges Geschäftsmodell kommen, würde sich das Risiko eines perspektivischen Einbruchs an den globalen Aktienmarkten aber wohl deutlich erhöhen. Die Entwicklungen bei den Neuemissionen von Aktien in den USA sollten von den Anlegern also ohne Zweifel genau im Auge behalten werden. Auch geopolitische Risiken können wieder zu Belastungen führen. Die Verhandlungen über den Phase-2-Handelsdeal zwischen Washington und Peking dürften sich beispielsweise recht schwierig gestalten, weil die Subventionspolitik Chinas in den USA sehr kritisch gesehen wird.

Fazit: Der DAX hat heute endlich die von den Investoren regelrecht herbeigesehnten neuen Rekorde erzielen können. Die internationalen Aktienmärkte preisen nun allerdings bereits ziemlich positive Szenarien ein, was die Gefahr von Rückschlägen natürlich erhöht. Investoren müssen daher wohl immer mehr zu Risikomanagern werden.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


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