AGRARIUS: „Ein großer Hebel für unser Ergebnis“

AGRARIUS-Vorstand Ottmar Lotz im Exklusiv-Interview mit der 4investors-Redaktion. Bild und Copyright: AGRARIUS.

AGRARIUS-Vorstand Ottmar Lotz im Exklusiv-Interview mit der 4investors-Redaktion. Bild und Copyright: AGRARIUS.

18.12.2019 07:51 Uhr - Autor: Johannes Stoffels  Johannes Stoffels auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die AGRARIUS AG begibt eine Anleihe mit einem Zinskupon von 5,0 Prozent und einem Volumen von bis zu 8 Millionen Euro. Im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de erläutert Vorstand Ottmar Lotz, wie weit die Expansion in Westrumänien inzwischen fortgeschritten ist, warum er der Optimierung der Kostenseite kurzfristig Priorität einräumt und welchen Ergebnishebel er sich von der Anleihe verspricht. Einen echten Vertrauensbeweis sieht er in der Tatsache, dass Organe der Gesellschaft die Anleihe mindestens in Höhe der von ihnen abzulösenden Kredite zeichnen.

www.4investors.de: Herr Lotz, wir haben uns zuletzt 2015 zum Interview getroffen. Was hat sich in den vergangenen vier Jahren bei der AGRARIUS AG getan? Wie weit ist Ihre Expansion vorangeschritten?

Lotz:
Wir haben unsere Expansion in den vergangenen vier Jahren konsequent vorangetrieben. So ist unsere bewirtschaftete Fläche in Westrumänien von 4.748 Hektar auf aktuell rund 6.200 Hektar, also um rund ein Drittel, angewachsen. Unsere Hofstelle haben wir durch Zukauf eines Betriebs erweitert, darüber hinaus haben wir umfangreiche Renovierungsarbeiten an Gebäuden und Lagern durchgeführt, Smart Farming eingeführt und unsere IT sowie unseren Maschinenpark auf den neuesten Stand gebracht.

www.4investors.de: Wie hat sich Ihr Marktumfeld in Rumänien seit 2015 verändert? Und welche Folgen hat dies für AGRARIUS?

Lotz:
Das Marktumfeld ist geprägt von einer hohen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Flächen. Daher ist die Flächenexpansion inzwischen teurer als noch vor vier Jahren. Davon sind auch die Pachten betroffen, welche zwischenzeitlich ebenfalls angestiegen sind. Das nun erreichte Niveau liegt aus unserer Sicht an der Grenze des wirtschaftlich Darstellbaren, daher ist auch in dieser Hinsicht eine Verschnaufpause beim Flächenwachstum sinnvoll.

www.4investors.de: Sind die gestiegenen Pachten auch der Grund dafür, dass Sie trotz der inzwischen erreichten Größe das aktuelle Geschäftsjahr voraussichtlich mit einem negativen Ergebnis abschließen werden?

Lotz:
Nein, die unbefriedigende Ertragssituation im laufenden Geschäftsjahr ist in erster Linie auf die ungünstigen klimatischen Bedingungen in der Erntesaison 2019 zurückzuführen. So hatten wir, wie viele Ackerbauern in ganz Europa, unter einer weit überdurchschnittlichen Trockenheit im Herbst 2018 und teilweise ungünstigen Witterungsbedingungen im weiteren Verlauf der Saison zu leiden. Daher mussten wir z. B. rund 1.000 Hektar Winterraps, unsere profitabelste Kultur, umbrechen. In diesem Jahr stellt sich die Situation wieder deutlich besser dar, alle Herbstkulturen sind in einem guten Zustand.

www.4investors.de: Welches Konzernergebnis halten Sie mit der aktuellen Aufstellung in einem „normalen“ Jahr für realistisch?

Lotz:
In einem durchschnittlichen Jahr bezogen auf die Witterung und Preise sind wir mit der nun erreichten Größe und Maschinenausstattung in der Lage, einen durchschnittlichen Hektarumsatz von ca. 1.050 Euro zu erzielen. In Verbindung mit der Flächenprämie ist damit ein EBITDA von über 220 Euro pro Hektar möglich. Bezogen auf das Konzernergebnis liegen wir damit in einem Bereich von ca. 100 Euro pro Hektar. Bei einer Fläche von 6.200 Hektar entspricht das einem Betrag von rund 620.000 Euro. Nicht enthalten in dieser Betrachtung sind die Umsätze und Erlöse aus dem Handel, die wir in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut haben.

www.4investors.de: Wo sehen Sie den größten Hebel für weitere Ergebnissteigerungen?

Lotz:
Im Rahmen unserer begonnenen Konsolidierungsphase hinsichtlich des Flächenwachstums liegt unser Fokus nun ganz klar auf dem Betriebsergebnis. Dabei werden wir der Optimierung der Kostenseite größte Priorität einräumen. Wir sind gerade dabei, alle betrieblichen Abläufe zu optimieren und so effizient wie möglich zu gestalten. Der antizyklische Einkauf von Betriebsmitteln und Verkauf von Agrarrohstoffen ist sicherlich der naheliegendste und größte Hebel für unser Ergebnis.

www.4investors.de: Welchen Ergebniseffekt erwarten Sie vom antizyklischen Ein- bzw. Verkauf?

Lotz:
Wir haben inzwischen ein Einkaufsvolumen von rund 2,5 Millionen Euro, in diesem Bereich sind Einsparungen in der Größenordnung von 5 Prozent bis 10 Prozent möglich. Auf der Verkaufsseite ernten wir inzwischen mehr als 30.000 Tonnen Agrarrohstoffe. Können wir beim Verkauf einen höheren Preis von 5 bis 10 Euro pro Tonne erzielen, ist das ein enormer Ergebnishebel. Weiterhin sind opportunistische Zukäufe auf der Betriebsebene vorstellbar. Und im Agrarrohstoffhandel liegen mit zunehmender Konsolidierung innerhalb der Branche ebenfalls Chancen.

www.4investors.de: Um sich den angesprochenen antizyklischen Ein- und Verkauf von Betriebsmitteln und Agrarrohstoffen leisten zu können, planen Sie die Emission einer Unternehmensanleihe mit einem Zinskupon von 5,0 Prozent im Volumen von bis zu 8 Millionen Euro. Warum haben Sie sich für diese Finanzierungsoption entschieden?

Lotz:
Wir haben die Herausforderung, dass unsere Holding in Deutschland liegt und das operative Geschäft in Rumänien. Deutsche Banken sind bei der Finanzierung unserer Gesellschaft zurückhaltend, da sich die Sicherheiten in Rumänien befinden. Rumänische Banken haben uns zwar Kredite ausgereicht, jedoch sind diese aus unserer Sicht übersichert und müssen jedes Jahr mit einem hohen bürokratischen Aufwand neu beantragt werden. Vor diesem Hintergrund halten wir eine Anleihe für das richtige Finanzierungsinstrument. Der AGRARIUS in Deutschland werden umfangreiche Sicherheiten für die ausgereichten Kredite nach der Ablösung der rumänischen Banken übereignet. Außerdem zeichnen Organe der Gesellschaft mindestens in Höhe der von ihnen abzulösenden Kredite Teilschuldverschreibungen. Ein echter Vertrauensbeweis in unsere Gesellschaft.

www.4investors.de: Die Mindestzeichnungssumme der Schuldverschreibung beträgt 100.000 Euro. Damit richtet sich die Emission in erster Linie an institutionelle Investoren und Family Offices. Wird die Anleihe nach der geplanten Einbeziehung in den Börsenhandel auch in kleinerer Stückelung gehandelt werden?

Lotz:
Wir prüfen derzeit, ob eine Einbeziehung in den Börsenhandel vor dem Hintergrund des regulatorischen und finanziellen Aufwands für uns darstellbar ist. Ich bin aktuell recht optimistisch, dass die Anleihe in kleinerer Stückelung gelistet wird.

www.4investors.de: Rund 4,85 Millionen Euro des Emissionserlöses wollen Sie für die Ablösung von Gesellschafterkrediten und Bankkrediten der rumänischen Tochtergesellschaften verwenden. Welche Einsparungen erhoffen Sie sich dadurch und welche weiteren Vorteile bringt Ihnen diese Neuordnung der Unternehmensfinanzierung?

Lotz:
Wir sparen zunächst einmal auf der Zinsseite. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir unser Geschäft ruhiger und planbarer führen können. Jährlich müssen wir sämtliche Kredite an die rumänischen Banken zurückzahlen, um anschließend wiederum neue Kredite in einem aufwendigen Prozess zu beantragen. Das ist ein sehr zeitintensiver Prozess. Zukünftig möchten wir uns auf die Nutzung der bereits besprochenen antizyklischen Vorteile konzentrieren.

www.4investors.de: Wie sehen Ihre Planungen aus, wenn eine Vollplatzierung der Anleihe nicht gelingen sollte?

Lotz:
Das erste Investoren-Feedback war positiv, so dass ich davon ausgehe, unser Ziel zu erreichen. Jedoch bekommen wir auch keine Probleme, falls die Platzierung geringer ausfallen sollte. In diesem Fall werden wir die angekündigten Maßnahmen anteilig umsetzen.

www.4investors.de: AGRARIUS hat seit dem Jahr 2016 erfolgreich zwei Wandelanleihen begeben, von denen eine bereits gewandelt wurde. Wann ist die zweite Wandelanleihe zur Rückzahlung fällig oder erwarten Sie auch dort eine Wandlung in Aktien?

Lotz:
Die Wandelanleihe ist im Mai 2024 fällig, falls zuvor nicht seitens der Gesellschaft oder der Anleger in Aktien gewandelt wurde. Die Bedingungen sehen vor, dass bei einem Kurs der Aktie über 7 Euro gewandelt werden kann. In Verbindung mit guten Konzernergebnissen bin ich zuversichtlich, dass wir dieses Kursziel bis 2024 erreichen können.

www.4investors.de: Wie sieht Ihre weitere Expansionsstrategie aus? 2015 hatten Sie Aktivitäten zur Verlängerung der Wertschöpfungskette angekündigt. Ist dies nach wie vor ein Thema für AGRARIUS?

Lotz:
Wir haben mit unserer Tochtergesellschaft Ackerlust versucht, uns in diese Richtung weiterzuentwickeln. Nachdem uns das nicht im erhofften Umfang gelungen ist, werden wir uns vorerst auf unser Kerngeschäft konzentrieren. In den nächsten zwei Jahren ist nur ein moderates Flächenwachstum geplant. Jedoch werden wir uns weiterhin Möglichkeiten zur Erweiterung unseres Betriebs, wie z. B. Betriebsübernahmen, anschauen.

www.4investors.de: Kommen wir abschließend noch auf die AGRARIUS-Aktie zu sprechen. Welche Perspektiven können Sie Ihren Aktionären für 2020 und darüber hinaus bieten?

Lotz:
Mit zunehmender Profitabilität der Gesellschaft wird sich auch der Kurs entsprechend entwickeln. Hier gilt das Motto: Erst säen, dann ernten. In den vergangenen Jahren waren wir im übertragenen Sinn mit der Aussaat – sprich Flächenerweiterung – beschäftigt. Nun beginnt für AGRARIUS die Erntezeit.

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