Aktienmarkt könnte auf Fortschritte im Handelsstreit USA/China hoffen - Börse München Kolumne

Handelsstreit: Folgen den jüngsten Äußerungen Trumps keine neuen negativen Meldungen, so könnten die Märkte erneut auf baldige Fortschritte bei diesem Dauerthema hoffen. Bild und Copyright: Bayerischen Börse AG.

Handelsstreit: Folgen den jüngsten Äußerungen Trumps keine neuen negativen Meldungen, so könnten die Märkte erneut auf baldige Fortschritte bei diesem Dauerthema hoffen. Bild und Copyright: Bayerischen Börse AG.

11.11.2019 09:59 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Und wieder neue Höchststände: Trotz eines schwächeren Wochenausklangs haben die deutschen Aktienbörsen auch in der vergangenen Woche unter dem Strich deutlich zugelegt und das fünfte Wochenplus in Folge verzeichnet. Wie schon zuvor ließ die Hoffnung auf eine Teillösung im Handelskonflikt zwischen den USA und China die Anleger risikofreudiger werden und bei den Dividendenpapieren zugreifen. Untermauert wurde der Optimismus durch Nachrichten und Äußerungen aus China, denen zufolge die beiden Staaten bestehende Zölle teilweise wieder abbauen wollten. Am Montag sorgten Berichte, laut derer die USA fürs Erste auf Strafzölle auf Autoimporte aus Europa und Asien verzichten könnten, für zusätzlichen Auftrieb. Dass US-Präsident Donald Trump am Freitag dem Optimismus hinsichtlich einer Einigung mit China einen Dämpfer versetzte, indem er mitteilte, dass es noch keine Einigung auf eine Aufhebung von Zöllen gebe, spielte für die Wochenbilanz nur eine untergeordnete Rolle.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) überwand nach rund eineinhalb Jahren wieder die Marke von 13.000 Punkten, im Wochenvergleich gewann er 2,1 Prozent auf 13.228,56 Zähler. Noch stärker bergauf ging es beim Indexwert Siemens. Hier überzeugten einerseits die Quartalszahlen, zum anderen will der Konzern die Dividende anheben. Der MDax stieg im Wochenvergleich um 1,6 Prozent auf 26.980,30 Zähler, der Tec-Dax kletterte um 3,2 Prozent auf 2.921,44 Punkte. Der in beiden Indizes enthaltene Wert Dialog Semiconductor dürfte die Anleger in der vergangenen Woche Nerven gekostet haben. Hier belasteten zeitweilige Gewinnmitnahmen, bevor es wieder deutlich aufwärts ging. Der HAFIX-Deutschland sprang um 4,5 Prozent auf 3.845,70 Zähler, der HAFIX-Europa legte um 2,2 Prozent auf 3.088,18 Punkte zu. Der m:access All-Share kam um 0,2 Prozent auf 2.468,13 Zähler voran.


Der den größten Teil der Handelswoche herrschende Optimismus hinsichtlich einer Teillösung im Handelsstreit hat die Kurse an den deutschen Anleihemärkten in der vergangenen Woche spürbar gedrückt. Einige schwächer als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten sorgten zwar kurzzeitig für Unterstützung, änderten den allgemeinen Trend aber nicht. In der Folge kletterte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich von -0,41 auf -0,26 Prozent. Die Umlaufrendite stieg von -0,40 auf -0,28 Prozent.

In den USA markierten die wichtigsten Indizes am vergangenen Donnerstag neue Rekordstände, bevor die Äußerungen von US-Präsident Trump am Freitag etwas bremsten. Im Wochenvergleich legte der Dow-Jones-Index um 1,2 Prozent auf 27.681,24 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500-Index verbesserte sich um 0,9 Prozent auf 3.093,08 Zähler. Beim technologielastigen Nasdaq-100-Index betrug das Plus 1,2 Prozent auf 8.255,89 Punkte.

Ausblick

Angesichts der jüngsten Äußerungen von US-Präsident Trump, die den Optimismus in Sachen Handelskonflikt mit China etwas dämpften, könnten sich die Anleger an den deutschen Aktienmärkten erst einmal zurückhalten. Entscheidend wird hier wieder einmal die Nachrichtenlage sein – folgen den erwähnten Äußerungen von Trump keine neuen negativen Meldungen, so könnten die Märkte erneut auf baldige Fortschritte bei diesem Dauerthema hoffen. Impulse könnten auch vom Handelsstreit der USA mit der EU ausgehen, in den kommenden Tagen sollen die USA entscheiden, ob sie Autoimporte mit Strafzöllen belegen. Experten zufolge dürfte dies aber nicht geschehen. Von politischer Seite her könnte hierzulande zudem die Einigung der großen Koalition auf die Grundrente für leichte Verunsicherung unter den Anlegern sorgen. Hintergrund hierbei sind die Pläne zur Gegenfinanzierung der Leistung, hier ist unter anderem eine Finanztransaktionssteuer im Gespräch.

Ein Thema bleibt daneben die Berichtssaison, die weiterhin am Laufen ist. Dabei legen sechs Dax-Werte ihre Daten vor, nämlich Deutsche Post, Henkel, Infineon, Linde, Merck und RWE. Zudem gibt es von Continental nach den Eckdaten, die seit Oktober bekannt sind, vollständige Zahlen.

Beim Blick auf die Konjunkturdaten dürften aus Deutschland vor allem das Bruttoinlandsprodukt sowie die ZEW-Konjunkturerwartungen interessieren. Zudem kommen einige Inflationszahlen. In den USA werden unter anderem die Einzelhandelsumsätze und Daten zur Industrieproduktion veröffentlicht.

Ungeachtet einer immer noch optimistischen Grundstimmung an den Märkten gibt es inzwischen etliche Analysten, die die Kursgewinne der vergangenen Wochen als zu stark in zu kurzer Zeit einschätzen und mit einer Konsolidierung rechnen.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Dienstag, 12.11.: ZEW-Konjunkturerwartungen (Deutschland)
Mittwoch, 13.11.: Verbraucherpreise in Deutschland; Industrieproduktion in der Eurozone; Anhörung des Vorsitzenden der US-Notenbank, Jerome Powell, vor dem US-Kongress; Verbraucherpreise in den USA
Donnerstag, 14.11.: Bruttoinlandsprodukt Deutschlands; Bruttoinlandsprodukt der Eurozone; Erzeugerpreise in den USA
Freitag, 15.11.: Verbraucherpreise in der Eurozone; Handelsbilanz der Eurozone; Einzelhandelsumsätze in den USA; Industrieproduktion in den USA; New York Empire State Produktionsindex (USA); Import- und Exportpreise in den USA

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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