Facebooks Digitalwährung Libra sorgt international für große Aufregung - Commerzbank Kolumne

19.07.2019, 09:06 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Das Potential Libras ist somit riesengroß. Wenn allein 100 Mio. der 2,7 Mrd. weltweiten Nutzer des Netzwerks mitmachen, hätte das Projekt bereits mehr Kunden als alle deutschen Banken zusammen. Bild und Copyright: JaysonPhotography / shutterstock.com.

Das Potential Libras ist somit riesengroß. Wenn allein 100 Mio. der 2,7 Mrd. weltweiten Nutzer des Netzwerks mitmachen, hätte das Projekt bereits mehr Kunden als alle deutschen Banken zusammen. Bild und Copyright: JaysonPhotography / shutterstock.com.

Facebook will eine neue digitale Währung namens Libra einführen. Damit könnte das Bezahlen weltweit revolutioniert werden. Der Wert der Libra - im Gegensatz zu Kryptowährungen wie dem Bitcoin - soll an etablierte Zahlungsmittel gekoppelt werden. Gedeckt würde Libra durch einen Fonds mit z.B. Staatsanleihen internationaler Währungen wie dem USD, Euro und Yen. Nutzer können ihr Geld in heimischer Währung dann einfach in Libra umtauschen. Das würde z.B. direkt auf dem Smartphone funktionieren, sobald Libra mit dem Bankkonto verknüpft worden ist. Aufbewahrt wird Libra in einer digitalen Geldbörse (Wallet). Dafür wäre z.B. das Facebook-Wallet „Calibra“ geeignet, aber auch andere Anbieter wären zugelassen. Zahlungen können direkt über Facebook-Dienste wie Messenger und WhatsApp erledigt werden. Libra soll zunächst innerhalb des Netzwerks wie auch in Online-Shops genutzt werden.

Das Potential Libras ist somit riesengroß. Wenn allein 100 Mio. der 2,7 Mrd. weltweiten Nutzer des Netzwerks mitmachen, hätte das Projekt bereits mehr Kunden als alle deutschen Banken zusammen. Auch könnte sich Libra schnell in Ländern mit instabiler Währung durchsetzen und Menschen ohne eigenes Bankkonto wären eine weitere interessante Zielgruppe. Die Umsetzung soll durch die Blockchain-Technologie erfolgen, die auch bei Kryptowährungen Verwendung findet. Der Wert Libras dürfte im Gegensatz zu Kryptowährungen weniger schwankungsanfällig sein. Eigens für das Projekt wurde die Libra Association gegründet, der bereits namhafte Partner beigetreten sind (u.a. Visa, Mastercard, Paypal, Uber, Ebay und Vodafone). Allein die Projekt-Ankündigung hat international für große Aufregung gesorgt. Länderübergreifend wächst bei Politikern, den Notenbanken bzw. Finanzregulatoren die Kritik an Facebooks Vorhaben. Facebook wurde bereits öffentlich aufgefordert zuzusagen, Libra nur dann zu realisieren, wenn im Vorfeld alle regulatorischen Einwände beseitigt und die relevanten Genehmigungen erteilt worden sind. Der Konzern will nun mit einer Charme- und Aufklärungsoffensive reagieren.

Anleihen


Japan: Verbraucherpreise (Juni), 01:30 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen, Michigan (Juli), 16:00 Uhr

Die Reihe von positiv überraschenden Konjunkturdaten aus den USA wird immer länger. Gestern sprang der Index der Philadelphia Fed zu den Geschäftserwartungen von 0,3 Punkte auf 21,8 Punkte – dem höchsten Stand seit Juli 2018. Auf den positiven Arbeitsmarktbericht vor zwei Wochen folgten ein starker Anstieg des Empire State Index, der die wirtschaftliche Lage der Unternehmen im Raum New York reflektiert sowie gute Produktionsdaten vom Verarbeitenden Gewerbe und solide Zuwächse im Einzelhandel. Vor diesem Hintergrund melden sich vermehrt Zweifler zu Wort, die miteinander die Ansicht teilen, dies sei nicht der richtige Zeitpunkt für einen Zinssenkung. Da sich die US-Notenbank praktisch bereits auf einen Zinsschnitt im Rahmen der nächsten Sitzung Ende Juli festgelegt hat, dürfte sie die Lockerung auch liefern. Angesichts der positiven Daten dürfte sie bei der Vorankündigung weiterer Zinslockerungen aber wohl vorsichtiger werden – zumal nicht der Eindruck entstehen darf, die US-Notenbank sei der Lakai des US-Präsidenten. Positive Daten kamen auch aus Großbritannien. Hier lagen die Einzelhandelsumsätze im Juni 3,8% über dem Vorjahresniveau: Die schwachen Mai-Daten wurden durch kräftige Umsatzzuwächse im Juni überkompensiert. Gemessen an den Konjunkturdaten müsste die Bank von England die Zinsen eigentlich anheben. Bei der EZB überwiegen dagegen die Sorgen vor einer fortgesetzten Wachstumsschwäche. Da sich in den letzten Wochen zahlreiche Mitglieder des geldpolitischen Rats für eine expansivere Geldpolitik ausgesprochen haben, steht die Tür für eine Zinssenkung nächste Woche weit offen. Man möchte ja auch nicht so enden wie die Bank von Japan, der es seit 20 Jahren nicht gelingt, Inflation zu erzeugen. Aktuell geht die Kernteuerung in Japan weiter zurück und liegt bei nur 0,6%.

Aktien


American Express, Ergebnis Q2
Black Rock, Ergebnis Q2
Schlumberger, Ergebnis Q2

Schwache japanische Exportdaten und enttäuschende Quartalszahlen von SAP sorgten am Donnerstag dafür, dass sich die Stimmung der europäischen Anleger weiter eintrübte. Insbesondere der Dax 30 litt unter dem Kursdruck, der von SAP (-5,6%) ausging. Der deutsche Softwarekonzern hatte einen durchwachsenen Quartalsbericht vorgelegt, vor allem war es ihm nicht gelungen seine Marge wie zuvor angekündigt zu steigern. Im SDax erfolgte zudem, dieses Mal bei Heidelberger Druck (-15,7%), die nächste Gewinnwarnung. Im insgesamt schwierigen Umfeld gab es im Euroraum auf Branchenebene mit den defensiven Sektoren Versorger (+0,5%) und Gesundheit (+0,2%) lediglich zwei Gewinner. Besonders unter Druck standen Grundstoffe (-2,2%) und, zusätzlich belastet durch schwache Quartalszahlen von IBM, Informationstechnologie (-1,7%). Auf europäischer Ebene stach der Pharmakonzern Novartis (+3,1%) mit starken Quartalsdaten hervor und war so klarer Spitzenreiter im schweizerischen Leitindex SMI. Auch die Wall Street startete bereits mit negativen Vorgaben, nachdem Präsident Trump neue Strafzoll-Drohungen gegen China lanciert hatte. Allerdings verhalfen hier neue Zinshoffnungen den Indizes im späten Handel zu einer Erholung. Während Netflix (-10,3%) nach den enttäuschenden Zahlen vom Vortag unter Druck standen, eroberten IBM-Titel (+4,6%) trotz weiterer Umsatzeinbußen die Spitze im Dow Jones-Index. In diesem Umfeld konnten fast alle Branchen zulegen, lediglich Kommunikationsdienstleistungen (-0,9%) standen unter Druck. Die asiatischen Börsen schließen sich heute Morgen in der Breite der positiven Trendwende in den USA an, auch die europäischen Märkte dürften einen Erholungsversuch starten.

Auf einem Blick - Chart und News: Facebook

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