Börse: US-Berichtssaison nicht so stark wie in den Vorquartalen - Commerzbank Kolumne

26.02.2019, 09:40 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Enttäuschend präsentierten sich die Konzerne der Informationstechnologie, die normalerweise für die Highlights der Quartalsberichte sorgen. Bild und Copyright: Frontpage / shutterstock.com.

Enttäuschend präsentierten sich die Konzerne der Informationstechnologie, die normalerweise für die Highlights der Quartalsberichte sorgen. Bild und Copyright: Frontpage / shutterstock.com.

Die US-Berichtssaison ist inzwischen weit fortgeschritten. Aktuell haben 85% der im marktbreiten S&P 500 gelisteten Unternehmen ihre Quartalszahlen vorgelegt. Lediglich ein Viertel der Konzerne konnte letztendlich die Erwartungen nicht erfüllen. Diese waren allerdings in den letzten Monaten sukzessive gesenkt worden. Durchschnittlich wurden die Prognosen um 3% übertroffen, dieser Wert liegt deutlich unter dem Niveau der letzten Jahre. Gegenüber dem Vorjahresquartal stiegen die Gewinne um 12,2%, erwartet wurde zuletzt ein Anstieg von knapp 13%. Dieser Wert zeigt eindeutig die auslaufenden Effekte der Steuerreform. In den nächsten Quartalen dürfte sich dann wieder das eigentliche Produktivitätspotential der Unternehmen herauskristallisieren. Positiv ist der Blick auf die unterliegende Umsatzentwicklung. Diese lagen zwar nur knapp ein Prozent über den Erwartungen, dafür aber 6% über dem Wert im Schlussquartal des letzten Jahres. Ganz klar im Fokus dieser Berichtssaison standen die Unternehmen des Energiesektors, die sowohl bei Umsätzen als auch bei Gewinnen am deutlichsten zu überzeugen wussten. Bis auf Versorger (-7%) und Grundstoffe (+/-0) konnten alle Branchen ihre Vorjahresgewinne übertreffen. Etwas enttäuschend präsentierten sich die Konzerne der Informationstechnologie, die normalerweise für die Highlights der Quartalsberichte sorgen. Während das IT-Segment die Umsätze gar nicht steigern konnte, lagen die Gewinne um unterdurchschnittliche 3% über den Erwartungen. Immerhin gelang es 83% der IT-Konzerne, die Prognosen leicht zu übertreffen. Dies dürfte auch ein Charakteristikum für die gesamte Berichtsrunde sein. Große Überraschungen, sowohl auf der positiven als auch auf der negativen Seite, stellten die Ausnahme dar. Die größte Enttäuschung lieferte die Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway von Warren Buffet, deren Gewinne gegenüber dem vierten Quartal 2017 geradezu einbrachen.

Anleihen


Deutschland: GfK-Verbrauchervertr. (Mrz-Prog), 08:00
USA: Baubeginne/-genehmigungen (Jan), 14:30 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen (Feb), 16:00 Uhr

Nachdem US-Präsident Trump von deutlichen Fortschritten bei den Gesprächen mit China sprach und den Stichtag für die Erhöhung von Zöllen ab 1. März auf unbestimmte Zeit nach hinten verschoben hatte, setzte gestern eine freundliche Marktstimmung ein. Im Euroraum ragte vor allem Italien mit deutlichen Kursgewinnen hervor. So gingen die Renditen 2-jähriger italienischer Staatsanleihen um 10 Bp., die von 10-jährigen um 8 Bp. zurück. Grund dafür war, neben dem Marktumfeld, dass die Ratingagentur Fitch am Freitag das Rating von Italien bei BBB/negativ bestätigt hat. Fitch sorgt sich vor allem um die Unsicherheit über die Haushaltsprognosen über 2019 hinaus. Befürchtet worden war eine Ratingherabstufung. Die nächsten Ratingüberprüfungen finden am 15. März von Moody’s und am 26. April von S&P statt. Erstklassige Staatsanleihen kamen gestern aber nur leicht unter Druck, weil sie weiter Unterstützung von den Notenbanken erhalten. So betonte EZB-Ratsmitglied Villeroy am Wochenende, dass die EZB über verschiedene Formen von Langzeittendern nachdenke. In den USA stiegen die Renditen von US-Treasuries etwas stärker an. Die britische Premierministerin Theresa May hat eine bedeutungsvolle Abstimmung über den Brexit-Vertrag für den 12. März angesetzt. Geplant ist allerdings eine Abstimmung für morgen, bei der eine Reihe von Änderungsanträgen von den Abgeordneten vorgelegt werden können. May traf am Rande des EU-Gipfels mit der arabischen Liga mit dem EU-Ratsvorsitzenden Tusk und EU-Kommissionchef Juncker zusammen. Beide legten der britischen Premierministerin eine Verschiebung des Brexits um 21 Monate nahe. May lehnt eine Verschiebung nach Artikel 50 aber weiterhin ab.

Aktien


BASF, Jahreszahlen
Home Depot, Ergebnis Q4
Standard Chartered, Jahreszahlen

Weiter gestiegene Hoffnungen auf einen positiven Ausgang des Handelsstreits zwischen den USA und China haben den europäischen Aktienbörsen einen guten Wochenstart beschert. In diesem Zuge konnte der deutsche Leitindex Dax 30 die Marke von 11.500 Punkten überwinden. Im beschriebenen Umfeld standen die Automobiltitel im Fokus. Die Vor-zugsaktien von VW (+3,0%) profitierten überdies von soliden Ergebnissen im vorläufigen Zahlenwerk für das letzte Geschäftsjahr sowie einer deutlich angehobenen Dividende. Am Ende der Kursliste standen hingegen die Anteilscheine von Covestro (-3,2%). Hier konnte eine höhere Dividende das schwache Schlussquartal und den enttäuschenden Ausblick nicht kompensieren. Im MDAX rutschten die Titel des Handelskonzerns Metro (-2,1%) nach einer Herabstufung ans Indexende. Sehr viel besser präsentierte sich die Aktie des Biotechnologie-Unternehmens Medigene (+8,1%) im Kleinwerteindex SDax, die wegen der Aussicht auf ein Patent für dessen T-Zell-Rezeptoren-Sammlung deutlich ansteigen konnte. Unter den Branchen des EuroStoxx wussten neben Automobilen (+2,0%) und Grundstoffen (+1,8%) eigentlich nur Banken (+1,5%) und mit Abstrichen Versicherungen (+0,5%) zu überzeugen. Die meisten anderen Sektoren tendierten kaum verändert, bzw. sogar leicht schwächer. Da half auch die stark startende Wall Street kaum weiter. Allerdings kühlte dort die anfängliche Begeisterung im weiteren Handelsverlauf wieder ab. Im allgemein freundlichen Umfeld konnten vor allem die Informationstechnologie (+0,5%) und Banken (+0,4%) weiter zulegen. Im marktbreiten S&P 500 standen die Aktien von Danaher (+8,5%) und GE (+6,4%) im Fokus. Letztere wollen ihr Biopharma-Geschäft an den Mischkonzern verkaufen und so ihre Schulden weiter abbauen.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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