Fed signalisiert erstmals keine Zinserhöhung mehr - Commerzbank Kolumne

Der Sitz der US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, in Washington. Bild und Copyright: Mark Van Scyoc / shutterstock.com.

Der Sitz der US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, in Washington. Bild und Copyright: Mark Van Scyoc / shutterstock.com.

Nachricht vom 31.01.2019 31.01.2019 (www.4investors.de) - Wie erwartet hat die US-Notenbank (Fed) auf der gestrigen Sitzung ihren Leitzinssatz unverändert bei 2,25% bis 2,50% gelassen. Die Fed sieht die Wirtschaft weiterhin nachhaltig wachsen und stuft den Arbeitsmarkt als eng ein. Die Inflation bleibt in der Nähe ihres symmetrischen 2%-Ziels. Trotzdem hat sie ihre Forward Guidance geändert. Sie wird geduldig die nächsten Einschätzungen abwarten, um dann festzulegen, welches Zielband der Zinsen angemessen dafür ist. Die Fed traf damit keine Aussage darüber, in welcher Richtung der nächste Zinsschritt gehen wird und signalisierte erstmals keine weiteren Zinserhöhungen mehr. Zudem deutete die Fed eine flexiblere Handhabung der Reduktion ihrer Bilanzsumme an, um genügend Reserven zu haben. Damit dürfte die Reduktion der Bilanzsumme möglicherweise früher enden, als bisher gedacht.

Die Fed hat letztes Jahr angekündigt, dass sie ab jetzt nach jeder Sitzung eine Pressekonferenz abhalten will, um die Transparenz zu erhöhen. Fed-Chef Powell wurde in der Pressekonferenz kritisiert, dass die Kommunikation der Fed ein Grund für die erhöhte Volatilität an den Märkten war. Powell betonte, dass die Finanzmarktbedingungen eine vorsichtige Haltung erfordern. Auch in der Pressekonferenz äußerte Powell sich explizit nicht dazu, ob der nächste Zinsschritt nach oben oder unten geht. Dies wird laut Powell allein von den Daten bestimmt. Bezüglich weiterer Zinserhöhungen liege der Fokus auf der Inflation. Demnächst dürfte der Renten- und Devisenmarkt also umso heftiger auf Datenüberraschungen reagieren. Die Fed hat sich gestern den Markterwartungen, die für dieses Jahr keine Zinserhöhungen mehr sehen, angenähert. Die Renditen sind nach der Fed-Sitzung gestern deutlich zurückgegangen. Der US-Dollar schwächte sich ab. Der Euro erreichte heute wieder die Marke von 1,15 US-Dollar.

Anleihen


Japan: Industrieproduktion (Dezember), 0:50 Uhr
China: Einkaufsmanagerindizes (Januar), 2:00 Uhr
Deutschland: Arbeitslosenzahl (Januar), 9:55 Uhr
Euroraum: Bruttoinlandsprodukt (Q4 2018), 11:00 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Chicago Einkaufsmanagerindex (Jan), 15:45 Uhr

Die Kurse am Rentenmarkt veränderten sich gestern nur gering. Die neueste Entwicklung um die unendliche Brexit-Tragödie konnte die Bundesanleihen nur leicht stützen. Positive Nachrichten kamen gestern früh aus Frankreich: Trotz Beeinträchtigungen durch die "Gelbwesten"-Proteste wuchs das Bruttoinlandsprodukt von Oktober bis Dezember um 0,3% zum Vorquartal – Analysten hatten nur 0,2% vorhergesagt. Hier half ein starker Anstieg der Exporte, die Schwäche des privaten Verbrauchs zu kompensieren. Nach den vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes sind die Verbraucherpreise in Deutschland im Januar um 1,4% gegenüber Vorjahr gestiegen, womit die Inflationsrate gegenüber dem für Dezember gemeldeten Wert von 1,7% deutlich fiel. Allerdings haben die Statistiker turnusmäßig den Warenkorb neu angepasst und methodische Änderungen vorgenommen, so dass sich die Werte zum Vormonat nicht gut vergleichen lassen. Eine entsprechende Rückrechnung der Inflationszahlen bis Januar 2015 mit dem geänderten Warenkorb und den methodischen Änderungen nehmen die Statistiker in den kommenden Wochen vor und veröffentlichen die Werte am 21. Februar. Nachdem die Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts der USA für das vierte Quartal aufgrund der Schließung der Regierungsbehörden gestern verschoben wurde, wartete der Markt gespannt auf die Pressekonferenz nach der FOMC-Sitzung. Fed-Chef Powell kündigte eine Pause im Zinserhö-hungszyklus an. Die nächsten Zinsschritte sollen datenabhängiger erfolgen (siehe „Im Blickpunkt“).

Aktien


Deutschland: Software AG
Europa: Roche
USA: Altria, Amazon, DowDuPont, GE, Honeywell,

Nach zunächst ruhigem Handel in Europa konnten gestern positive Zwischenberichte der Schwergewichte Apple und Boeing die Stimmung heben. Auch die Fed trug im Verlauf zum insgesamt guten Klima bei, da sie wie erwartet keine Zinsänderung vornahm, vor allem aber in ihrem Statement auch eine vorsichtige Gangart im weiteren Straffungsprozess signalisierte. In Europa mit verbreitet freundlicher Marktstimmung fiel der DAX durch sein Minus von 0,3% aus dem Rahmen. Auf der Positivseite lagen mit Covestro (+5,4%) und Fresenius (+3,2%) zwei Verlierer der letzten Monate ganz vorn. Eine Bombe platzte jedoch am Nachmittag beim volatilen Börsenliebling Wirecard, der sich mit Vorwürfen hinsichtlich Betrugsfällen in Asien in der FT Online konfrontiert sah. Der Titel verlor kurzzeitig 25%, am Ende nach heftigem Dementi blieb ein Minus von 13,3%. Der EuroStoxx 50 legte 0,3% zu. Hier waren es die guten Zahlen von LVMH (+6,9%), die auch andere Luxushersteller anschoben. Am Tag nach der Brexit-Debatte konnte in London der FTSE 100 1,6% zulegen. Der Markt wischt das Thema harter Brexit offenbar zur Seite. Noch kräftiger waren die Zuwächse in den USA. Hier sorgten gute Quartalszahlen für kräftige Einzelwertbewegungen vor allem im Technologiebereich (+3%) aber auch im zyklischen Konsum (+2,2%). Der Dow Jones stieg um 1,8% angeführt von Apple (+6,8%) und Boeing (+6,3%). Die Technologiehausse ließ die Nasdaq sogar um 2,2% steigen. Die nachbörslichen Zahlen von Microsoft überzeugten dagegen nicht. Die asiatischen Märkte sind heute uneinheitlich. Der japanische Nikkei legt 1,1% zu, Korea verliert 0,4%. Insofern sind die Vorgaben in Europa gemischt. (Redakteur: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter )

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


Lesen Sie hierzu auch folgenden Beitrag aus der 4investors-Redaktion
Brexit: Weitere Chaostage in London voraus - Nord LB Kolumne
30.01.2019 - Gestern hat das House of Commons in London über verschiedene Anträge zum Brexit abgestimmt. Zunächst scheiterten die Ansinnen einiger Abgeordneter, noch einen Einfluss auf den Brexit-Prozess zu nehmen. Zwei wichtige Anträge von Parlamentariern wurden dann allerdings angenommen.

Zunächst ist von den Abgeordneten entschieden worden, dass es keinen harten Brexit geben soll. Eine entsprechende Entscheidung war nach den Diskussionen der vergangenen Woche sicherlich zu erwarten gewesen. In der Tat mag es von den Finanzmärkten sogar als negative Überraschung gewertet werden, wie knapp diese Abstimmung ausgefallen ist. Ganze 310 Parlamentarier stimmten gegen diesen Vorschlag.

Zudem konnte man sich in London noch darauf einigen, dass es zu Nachverhandlungen mit Blick auf die Nordirland-Frage kommen soll. Theresa May fühlt sich nun mandatiert, mit der EU über konkretere Regelung bezüglich der zukünftigen Handhabung der Prozesse an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik ... 4investors-News weiterlesen.

Das könnte Sie auch interessieren
Soziale Netzwerke: 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook


Weitere Nachrichten aus der 4investors-Redaktion

15.02.2019 - Commerzbank Aktie: Gleich zwei gute News!
15.02.2019 - MPC Capital bestätigt vorläufige Zahlen für 2018
15.02.2019 - Lang & Schwarz: Dividende sinkt - Rückstellung belastet Ergebnis
15.02.2019 - Scout24 Aktie stark im Plus - Übernahmeofferte stößt auf Zustimmung
15.02.2019 - R-Logitech vor Übernahme
15.02.2019 - BASF: Ist die Dividenden-Aktie reif für den Ausbruch nach oben?
15.02.2019 - Steinhoff Aktie: Kleines Kaufsignal voraus?
15.02.2019 - Lufthansa Aktie: Wer setzt sich durch?
15.02.2019 - KPS Aktie mit Kursrallye - Kaufsignale und Zahlen
15.02.2019 - Mensch und Maschine erhöht Dividende - „gesundes organisches Wachstum”


Chartanalysen

15.02.2019 - BASF: Ist die Dividenden-Aktie reif für den Ausbruch nach oben?
15.02.2019 - Steinhoff Aktie: Kleines Kaufsignal voraus?
15.02.2019 - Lufthansa Aktie: Wer setzt sich durch?
15.02.2019 - RIB Software Aktie: Hat diese Entwicklung den Bullen den Stecker gezogen?
15.02.2019 - BYD Aktie: Gewinnmitnahmen - oder droht Schlimmeres?
15.02.2019 - Geely Aktie: Was ist denn hier los?
15.02.2019 - Wirecard Aktie: Die Ruhe trügt!
14.02.2019 - Wirecard Aktie: Steilvorlage für die Bullen, aber…
14.02.2019 - Voltabox Aktie: Bodenbildung im zweiten Anlauf?
14.02.2019 - Qiagen Aktie: Jetzt wird es interessant!


Analystenschätzungen

15.02.2019 - Zalando Aktie: Eine bemerkenswerte Expertenstimme
15.02.2019 - RIB Software Aktie: Optimismus für Cloud-Sparte
15.02.2019 - Leoni Aktie: Zahlreiche Probleme - Aufsichtsrat kauft
15.02.2019 - Freenet Aktie: Weitere Kaufempfehlung
15.02.2019 - Tele Columbus Aktie stürzt ab: Wegen 1&1 Drillisch keine Chance auf Übernahme?
14.02.2019 - Commerzbank Aktie: Was sagen eigentlich Analysten zu den Zahlen
14.02.2019 - RIB Software Aktie: Es bleibt bei der Kaufempfehlung
14.02.2019 - Infineon Aktie: Experte ist skeptisch
14.02.2019 - Daimler Aktie: 60 Prozent Gewinnpotenzial
14.02.2019 - Telefonica Deutschland: Neue Analystenstimmen zur Aktie


Kolumnen

15.02.2019 - Silber: Reicht das bereits aus? - UBS Kolumne
15.02.2019 - DAX: Die Verkäufer sind noch da - UBS Kolumne
15.02.2019 - Deutschland schrammt nur knapp an einer Rezession vorbei - Commerzbank Kolumne
15.02.2019 - DAX: „Shutdown“ or „Shut-Up“? Kleiner Verfallstag! - Donner & Reuschel Kolumne
14.02.2019 - SAP Aktie: Richtungsweisend für den DAX - UBS Kolumne
14.02.2019 - Deutsches BIP im vierten Quartal: Das war verdammt knapp! - Nord LB Kolumne
14.02.2019 - US-Verbraucherpreisanstieg geht zurück - Commerzbank Kolumne
14.02.2019 - DAX: Trüber Politik-Nebel mit wenig charttechnischer Bewegung - Donner & Reuschel Kolumne
13.02.2019 - USA: Kerninflationsrate bleibt auf relativ hohem Niveau - VP Bank Kolumne
13.02.2019 - Dammbruch in Brasilien - Steigende Eisenerzpreise - Commerzbank Kolumne

All Right Reserved by minimalthemes - ©2018 Stoffels & Barck GbR