US-Arbeitsmarkt als Beruhigungsspritze gegen Konjunktursorgen - Nord LB Kolumne

04.01.2019, 15:42 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bild und Copyright: Bart Sadowski / shutterstock.com.

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In den USA sind vor einigen Minuten aktuelle Daten zur Lage am Arbeitsmarkt des Landes veröffentlicht worden. Demnach wurden im Berichtsmonat Dezember 312.000 neue Jobs geschaffen. Für die beiden Vormonate gab es Aufwärtsrevisionen um 58.000 Stellen. Die bereits bekannt gegebenen starken Beschäftigungsdaten vom Personaldienstleister ADP sowie die solide ausgefallene Beschäftigungskomponente des ISM PMI hatten im Vorfeld die Hoffnung auf robuste Zahlen erhöht – dennoch überraschen diese Payroll-Daten sehr positiv.

Die separat erhobene Arbeitslosenquote zog dagegen am aktuellen Rand auf 3,9% an. Der auf dem ersten Blick scheinbare Widerspruch zu den Payroll-Daten erklärt sich aus der Tatsache, dass zwar die Beschäftigung auch in dieser Umfrage zulegen konnte, noch mehr allerdings die Zahl der gemeldeten Erwerbspersonen (Labor Force), was die Arbeitslosenquote rechnerisch ansteigen ließ. Eine zahlenmäßig gestiegene Labor Force ist auch ein positives Signal, so dass die etwas höhere Arbeitslosenquote (genau 3,856%) nicht negativ bewertet werden sollte.

Der Blick auf die Details offenbart, dass über zwei Drittel der Service-Sektor zum Stellenaufbau beitrug. Da es aber auch im produzierenden Gewerbe, im Bausektor und im Einzelhandel jeweils deutliche Zuwächse gab, ist der Stellenaufbau breit angelegt und erfreulich.

Der Government Shutdown, der am Freitag vor Weihnachten begann, war (noch) kein belastender Faktor. Etwa 800.000 Staatsbeschäftigte sind direkt von den Schließungen betroffen. Der Showdown beim Shutdown hält aber an: Die Januarzahlen könnten beeinträchtigt werden, sollte der Shutdown bis Monatsmitte (wenn die nächste Erhebung zum Arbeitsmarkt erfolgt) anhalten.

Die heute gemeldeten Zahlen passen gut zu unserem Bild der Wirtschaftslage in Nordamerika. Das globale Umfeld wird rauer, aber davon zeigt sich der US-Arbeitsmarkt (bisher) unbeeindruckt. Das stützt auch weiterhin den privaten Konsum. Dennoch dürfte es perspektivisch schwierig werden, mehr als 200.000 neue Arbeitsplätze pro Monat zu schaffen. Erstens ist der Arbeitsmarkt nach fast zehn Jahren Aufschwung in vielen Regionen leergefegt und zweitens begrenzt der zunehmend zu beobachtende Fachkräftemangel einen adäquaten Stellenaufbau. Letzteres dürfte das Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen durchaus dämpfen.

Auch die durchschnittlichen Stundenlöhne mit einem Anstieg um 0,4% M/M könnten als Signal in diese Richtung gewertet werden. Im Jahresvergleich liegt der Zuwachs nun bei 3,2%. Mit dem Arbeitskräftemangel gehen steigende Gehaltsforderungen der Beschäftigten einher.

Kann der US-Arbeitsmarkt der „Game Changer“ sein, der die pessimistische Haltung der Marktteilnehmer beginnt zu verändern? Das werden die kommenden drei Monate zeigen, wenn die Weichen der beiden großen Belastungsfaktoren Handelsstreit und Brexit gestellt worden sind.

Fazit: Die Beschäftigungssituation in den USA bleibt sehr erfreulich: Im Dezember kam es zu einem beeindruckenden Aufbau von 312.000 Stellen, die Vormonate wurden zudem nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote klettert zwar auf 3,9%, ist allerdings dem Anstieg der Erwerbstätigen geschuldet. Die Löhne legten deutlich zu, was perspektivisch stützend auf das Konsumverhalten der US-Bürger wirken dürfte. Nach der Stimmungseintrübung auf den Kapitalmärkten zuletzt kann festgehalten werden, dass sich der US-Arbeitsmarkt – wie ein Fels in der Brandung – weiterhin positiv präsentiert. Dieser Bericht sollte die Gemüter etwas beruhigen. Die Fed sollte in jedem Fall im I. Quartal abwarten: Letztlich wird es in 2019 auf die beiden Megathemen Handelskrieg und Brexit ankommen, die möglicherweise in den ersten drei Monaten entschieden werden.

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