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KTG Agrar: „Die neuen Aktivitäten sind das Sahnehäubchen“

30.11.2009 - Siegfried Hofreiter, Vorstandsvorsitzender von KTG Agrar, sieht im Interview mit der Redaktion von www.4investors.de keinen Margendruck durch steigende Rohstoffpreise und gibt Einblick in die zukünftige Wachstums- und Produktstrategie des Entry-Standard-notierten Unternehmens.


4investors: Wie wohl fühlen Sie sich mit den aktuellen Konsens-Analystenschätzungen zu Umsatz und Gewinn bei KTG für das laufenden Jahr und 2010?

Siegfried Hofreiter:
Die Analysten erwarten für beide Jahre ein kräftiges Wachstum. Damit fühlen wir uns wohl. In den vergangenen Monaten haben wir rund 150.000 Tonnen Getreide, Mais und Raps geerntet. Im Biogasbereich haben wir Anfang des Jahres eine neue Anlage ans Netz angeschlossen und unsere Kapazität damit auf acht Megawatt gesteigert. Wir haben auch die Weichen für ein erfolgreiches Jahr 2010 gestellt: In Flechtingen wird noch dieses Jahr eine Biogasanlage mit 3,2 Megawatt in Betrieb genommen. Ein ähnlich großes Projekt ist in der Entwicklung und soll im ersten Halbjahr 2010 ans Netz gehen. Damit wird im kommenden Jahr allein unser Biogasumsatz auf mehr als 15 Millionen Euro steigen.


4investors: Ein möglicherweise kritischer Punkt ist ihr seit Jahren negativer Free-Cash-Flow. Wann ist hier mit einem Turnaround zu rechnen und wie passt dies in Ihre Wachstumsstrategie?

Siegfried Hofreiter:
Zunächst wollen wir spätestens ab 2010 einen positiven operativen Cashflow erzielen. Wir sind vor zwei Jahren mit einer klaren Wachstumsstrategie an die Börse gegangen. Dafür haben kräftig investiert: Mit derzeit rund 30.000 Hektar haben wir unsere Anbaufläche seit dem IPO verdoppelt. Bis zum kommenden Sommer werden wir unsere Biogaskapazität auf mehr als 14 Megawatt ebenfalls verdoppelt haben. Das Resultat: Im Jahr 2007 lagen unsere Gesamtleistung bei 32 Millionen Euro und unser EBIT bei vier Millionen Euro. Für 2010 rechnen die Analysten mit einer Gesamtleistung von rund 60 Millionen Euro und einem EBIT von 12,5 Millionen Euro – und das trotz Wirtschaftskrise. Wir sind nun groß genug, um ein Wachstum aus dem Cashflow finanzieren zu können und das ist auch unser erklärtes Ziel. Inwieweit der Free-Cash-Flow dann positiv sein wird, wird von unserem Wachstumstempo abhängen.


4investors: Wie sieht Ihre weitere Wachstumsstrategie mit Hinblick auf die doch unterschiedlich ausfallende Entwicklung der Kauf- und Pachtpreise für Ackerland aus?

Siegfried Hofreiter:
Wir werden an unserer bisherigen Strategie festhalten und in Ostdeutschland in erster Linie langfristig pachten, während wir in Litauen ganz überwiegend kaufen. In dem EU-Vollmitgliedsstaat liegt der Preis je Hektar Ackerland mit 3.000 Euro mehr als 50 Prozent unter dem ostdeutschen Niveau. Dabei ist die Bodenqualität mindestens vergleichbar und die Niederschlagsmengen sind sogar höher.


4investors: Großinvestoren scheinen sich mehr und mehr für den Agrarsektor zu interessieren. Sehen Sie KTG Agrar im Falle einer Branchenkonsolidierung eher auf der aktiven Seite oder auch als möglichen Übernahmekandidaten?

Siegfried Hofreiter:
Ackerland ist ein knappes Gut. Das erkennen auch immer mehr Branchenfremde und investieren. Allerdings setzt sich schnell die Erkenntnis durch, dass die Anlageform Ackerland schwieriger ist als beispielsweise Gold, das man in den Tresor legt und sich über die Wertsteigerung freut. Die Investition in landwirtschaftliche Fläche macht erst richtig Spaß, wenn man darauf auch ackert. Dies auf einer Fläche von 1.000 Hektar und mehr effizient zu tun ist nicht so einfach. Wir haben 15 Jahre Erfahrung in der großflächigen Landwirtschaft, was in Europa nur wenige haben. Das hilft uns bei unserem eigenen Wachstum. In Regionen, in denen wir nicht auf der eigenen Fläche aktiv sind, bieten wir auch unsere Dienstleistung rund um effiziente Flächenbewirtschaftung an. Die Nachfrage danach ist hoch.


4investors: Einige Experten rechnen ab dem kommenden Jahr mit wieder steigenden Düngemittelpreisen, der Ölpreis ist auch wieder geklettert. Wie ist KTG gegen eine solche Marktentwicklung in den kommenden Jahren abgesichert?

Siegfried Hofreiter:
Der Ölpreis hat direkte Auswirkungen auf Diesel und Stickstoff. Damit haben wir uns bereits bis ins kommende Jahr hinein eingedeckt. Eine nachhaltige Preissteigerung bei Kali sehen wir derzeit noch nicht. Insgesamt sehen wir steigende Betriebsmittelpreise recht gelassen.


4investors: Weil die Preise für Düngemittel und Diesel mit denen für Agrarprodukte korrelieren?

Siegfried Hofreiter:
Genau. Die vergangenen Jahre haben klar gezeigt, dass sich Energie- und Agrarrohstoffpreise in die gleiche Richtung bewegen, wenn auch manchmal etwas zeitversetzt. Bei Düngemitteln ist es noch einfacher. Solange die Bauern nicht mehr für ihre Erzeugnisse bekommen, wird auch der Kalipreis nicht nachhaltig steigen. Falls doch, können sich dies viele Bauern nicht mehr leisten. Die Folge: Geringere Ernte bei gleicher Nachfrage und damit höhere Preise. Der Erfolg von KTG Agrar ist nicht von hohen oder niedrigen Preisen abhängig. Wir wollen in allen Phasen eine stabile Marge erzielen. Das ist uns 2008 bei einem hohen Niveau gelungen und wird es auch 2009 bei einem niedrigeren.


4investors: Trends wie erneuerbare Energien und vor allem Bio-Food bestimmen Ihren Markt. Wie sehen hier die KTG-Pläne für die Zukunft konkret aus?

Siegfried Hofreiter:
Wir werden uns weiter auf unsere Stärken konzentrieren. Innerhalb des Marktfruchtanbaus wird unser Fokus auf dem Wachstum im Öko-Bereich liegen. Der Bio-Markt ist auch in der Krise sehr stabil und wir haben als größter Produzent von ökologischen Agrarrohstoffen in Europa eine ausgezeichnete Wettbewerbsposition. Unsere EBIT-Marge ist dort auch etwas höher als im konventionellen Bereich und aufgrund von mittelfristigen Verträgen gut planbar. Zur Risikostreuung werden wir aber auch in Zukunft konventionelle Landwirtschaft betreiben. 2010 und 2011 werden sich unsere Investitionen im Biogasbereich auszahlen. In diesem Segment sehen wir auch noch erhebliches Synergiepotenzial beispielsweise durch den Zweitfruchtanbau. Neben Maissilage setzen wir zunehmend Hirse, Gras und Stroh ein. Derzeit liegt deren Anteil bei über 20 Prozent. Mittelfristig halten wir einen Anteil von mehr als 60 Prozent für möglich. Dann können wir erst konventionelles Getreide für die Lebensmittelindustrie anbauen und anschließend Hirse für die Biogasproduktion. Den dabei entstehenden Gärrest fahren wir als natürlichen Dünger wieder auf die Felder und ersetzen teures Kali oder erhöhen unsere Erträge im Öko-Bereich, wo kein künstlicher Dünger eingesetzt werden darf. Schließlich werden Erfolge bei der Pflanzenzüchtung und dem Anlagenbau die Effizienz weiter steigern.


4investors: Welche Bedeutung sollen die neuen Geschäftsbereiche Getreideexport und Farmmanagement auf absehbare Zeit erreichen und wie sehen die hier erreichbaren Margen im Vergleich zu Ihren anderen Standbeinen aus?

Siegfried Hofreiter:
Die neuen Aktivitäten zeichnen sich durch einen niedrigen Kapitaleinsatz aus und sind das Ergebnis unseres erfolgreichen Wachstums. Aufgrund unserer Größe werden wir nun auch international wahrgenommen und es eröffnen sich neue Chancen. Im Marktfruchtanbau liegen unsere Margen zwischen 15 und 25 Prozent. Im Handel ist dies zwar nicht ganz erreichbar, aber dafür ist auch der Aufwand überschaubar. Außerdem ist das Umsatzvolumen hoch und so bleibt unterm Strich ein ordentlicher Gewinn. Im Farmmanagement ist der reine Umsatz überschaubar, aber die EBIT-Marge liegt deutlich über 30 Prozent. Beide Bereiche ergänzen unser Stammgeschäft also hervorragend. Die wesentlichen Umsatz- und Gewinnbringer werden aber weiterhin der Marktfruchtanbau und die Biogasproduktion sein. Die neuen Aktivitäten sind das Sahnehäubchen.
( mic )


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