Intershop: Kapitalerhöhung könnte Wachstum im Produktbereich noch stärker ankurbeln

Intershop-Finanzvorstand Ludwig Lutter im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: Intershop.

Intershop-Finanzvorstand Ludwig Lutter im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: Intershop.

Nachricht vom 05.06.2014 (www.4investors.de) - In der kommenden Woche findet bei Intershop die Hauptversammlung statt. Auf der Agenda stehen eine Reihe interessanter Punkte. Finanzvorstand Ludwig Lutter macht im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de sehr deutlich, dass die Aktionäre wichtige Entscheidungen treffen müssen. Lutter berichtet über die Gewinnung neuer Kunden und über die Perspektiven für 2015. Themen des Interviews mit dem CFO sind auch die finanziellen Mittel für das Wachstum sowie die Beziehungen zu eBay. Das Verhältnis zum Aktionär Axxion wird von Lutter ebenfalls thematisiert.


Intershop-Finanzvorstand Ludwig Lutter im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de. Bild und Copyright: Intershop.www.4investors.de: Analysten waren mit den Zahlen zum ersten Quartal nicht wirklich zufrieden. Sie haben ihre Prognose für das Gesamtjahr dennoch bestätigt. Der Umsatz soll im einstelligen Prozentbereich wachsen, operativ soll es ein leichtes Minus geben. Bleibt es dabei?

Lutter: Ja, dabei bleibt es. Insbesondere im hochmargigen Lizenzbereich verzeichnen wir ordentliches Wachstum.

www.4investors.de: Für 2015 rechnen Beobachter erneut mit einem Verlust. Wie sehen sie dies?

Lutter: Das kommt darauf an, wie sich unser Wachstum fortsetzt und welche Handlungsspielräume wir haben. Dabei kommt der anstehenden Hauptversammlung eine wichtige Rolle zu. Sollten die Aktionäre unserem Vorschlag folgen und die von uns beantragte Kapitalerhöhung genehmigen und wir diese dann auch zeitnah durchführen können, dann könnten wir das Wachstum im Produktbereich noch stärker ankurbeln. Dafür würden wir auch in 2015 noch ein negatives EBIT in Kauf nehmen, hätten aber eine starke Basis für künftig steigende und positive Ergebnisse gelegt.

www.4investors.de: Zuletzt haben sie mit Ekosport, GartenXXL (Tengelmann) und Trony einige neue Kunden gemeldet. Wird sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzen?

Lutter: Ja, davon können sie ausgehen. Es ist unser erklärtes Ziel, die Anzahl von Neukunden erheblich zu erhöhen und unseren Marktanteil international weiter zu steigern. Der E-Commerce Markt ist stark in Bewegung und wir müssen jetzt handeln, um im Wettbewerb zu bestehen. Dafür haben wir in den letzten Monaten wichtige Weichen gestellt, deren Effekte sich beginnen auszuzahlen. Hier müssen wir nun unbedingt nachlegen, um das Momentum zu nutzen und weiter zu verstärken.

www.4investors.de: Sie wollen das Produktgeschäft mit kleineren und mittleren Online-Händlern forcieren. Wie sieht die Strategie aus, wie viele Partner streben sie an? Ist es nicht eine Gefahr, sich von den Großkunden abzuwenden?

Lutter: Wir wenden uns nicht von ihnen ab, sondern richten unsere Ansprache zusätzlich gezielter an das Segment kleinerer und mittlerer Online-Händler. Denn der Markt der ganz großen Kunden allein ist schlicht zu klein. Wir konzentrieren uns daher seit einiger Zeit verstärkt auf die kleineren, jedoch dynamisch wachsenden Händler. Intershop hat eine ganz besondere Stärke, die unsere Marktbegleiter nicht haben: Mit der Intershop 7 können wir fast alle Marktsegmente bedienen, und zwar von S bis XXL. Viele kleine Händler fangen ihr Geschäft mit OpenSource oder selbstgebauten Lösungen an und stellen dann schnell fest, dass sie eine professionellere Plattform brauchen. Mit uns können diese Händler von z.B. 5 Millionen Euro Umsatz bis 10 Milliarden Euro wachsen, ohne die Plattform zu wechseln, und das zu einem wesentlich günstigeren Preis als bei der Konkurrenz, wie unabhängige Analysten bestätigen. Dieser Unique Selling Point wird langsam aber sicher vom Markt als Stärke wahrgenommen. Und das zeigt sich erfreulicherweise in der erheblich steigenden Anzahl der Anfragen, die wir erhalten.

www.4investors.de: Die indirekten Partnererlöse sollen bis 2017 verdoppelt werden. Ein wichtiger Partner dabei ist Adobe. Der US-Konzern allein kann aber kaum für das nötige Wachstum sorgen, oder? In welche Richtung denken sie dabei?

Lutter: Die Partnerschaft mit Adobe hilft uns in erster Linie dabei, stärker im Markt wahrgenommen zu werden. Das führt zu Neugeschäft und das ist erfreulich. Aber im Gegensatz zu früheren Jahren setzen wir nicht mehr nur auf wenige, große Partner. Für die geplante Verdoppelung werden wir weit mehr Partner gewinnen müssen und da sind wir dran. Das ist schon deshalb zwingend erforderlich, weil wachsendes Lizenzgeschäft immer einher geht mit erheblichem Servicegeschäft. Dafür brauchen wir Partner. Momentan haben wir das Problem, nicht schnell genug Partner zu finden, um die aus den Lizenzumsätzen resultierenden Dienstleistungen erbringen zu können. Wir suchen also händeringend weitere Implemetierungs- und Integrationspartner.

www.4investors.de: Ihre liquiden Mittel liegen bei rund 7 Millionen Euro. Reicht das aus, wenn man sich starkes Wachstum auf die Fahne geschrieben hat?

Lutter: Um ein so starkes Wachstum zu finanzieren, wie wir es uns wünschen, reicht das nicht. Genau aus diesem Grund bitten wir die Aktionäre auf der anstehenden Hauptversammlung um die Genehmigung einer Kapitalerhöhung.

www.4investors.de: Mitbewerber haben starke und vor allem finanzkräftige Partner im Hintergrund. Kann eBay diese Rolle bei ihnen spielen? Schließlich hält eBay indirekt mehr als ein Viertel ihrer Aktien.

Lutter: Aus Sicht der Finanzkraft könnte eBay sicherlich diese Rolle spielen. Allerdings hat eBay uns gegenüber kein solches Interesse bekundet.

www.4investors.de: Wäre andererseits auch ein Ausstieg von eBay eine denkbare Variante, die sich positiv auswirken könnte? Wäre dann der Weg frei für einen Aufkauf von Intershop durch einen anderen Konzern?

Lutter: Denkbar ist grundsätzlich alles. Übrigens hat eine Gruppe von Aktionären genau das auf der letztjährigen Hauptversammlung gefordert. Ich bitte aber um ihr Verständnis, dass ich mich dazu nicht konkret äußern möchte. Fest steht aber, dass eBay sicherlich nicht der positiven Entwicklung von Intershop im Weg stehen wird, wie auch immer diese Entwicklung aussehen mag. Das wird mit der Zeit zu klären sein.

www.4investors.de: Auf der Hauptversammlung am 12. Juni wird eine eventuelle Kapitalerhöhung eines der Hauptthemen sein. Wann wäre diese nötig und was würden sie mit dem frischen Geld anfangen?

Lutter: Eine Kapitalerhöhung würde uns helfen, die Wachstumsinvestitionen weiter zu forcieren. Mit den zusätzlichen Mitteln wollen wir primär den Vertrieb und das Marketing stärken, insbesondere in unseren strategischen Regionen. Wir müssen unsere Bekanntheit im Markt weiter ausbauen. Nur so finden uns potentielle Kunden auch in den Märkten, in denen wir nicht so bekannt sind wie in unserem Heimatmarkt. Glücklicherweise sind wir auf der Produktseite exzellent aufgestellt. Unser technischer Vorsprung ist groß. Das bestätigen die Analysten.

www.4investors.de: Ihr Aktionär Axxion verlangt eine Sonderprüfung zu den Geschäftsbeziehungen zwischen Intershop und eBay, unter anderem geht es dabei um Abrechnungen zu marktüblichen Konditionen. Sie schlagen der Hauptversammlung vor, die Prüfung abzulehnen. Axxion hat also völlig Unrecht mit den Überlegungen?

Lutter: Die Axxion verlangt, dass ein unabhängiger Prüfer Vorgänge prüft, die schon drei unabhängige Prüfer vorher geprüft haben. Die Erwartung, dass ein vierter Prüfer zu einem anderen Ergebnis kommt als die anderen drei vor ihm, ist aus unserer Sicht unrealistisch. Darum erschließt sich uns nicht, was die Axxion sich von dieser Aktion erhofft. Denn eine Prüfung würde ihr Investment (Intershop) wahrscheinlich mit einem sechsstelligen Betrag belasten und herauskommen würde – wie ich schon sagte – wahrscheinlich gar nichts.

www.4investors.de: Wie sehr wird die Beziehung zu Axxion durch den Antrag auf Sonderprüfung belastet? Hat dies Konsequenzen für die Zukunft?

Lutter: Wir arbeiten mit allen Aktionären gleichermaßen zusammen und sind allen gleich verpflichtet. Aber manchmal ist das auch wie in einer Beziehung. Mal läuft es harmonisch, mal gibt es Meinungsunterschiede. Und wenn ein Aktionär Sachverhalte überprüfen lassen will, dann ist das sein gutes Recht. Wir werden auf jeden Fall versuchen, Axxion und die anderen Aktionäre davon zu überzeugen, dass eine Sonderprüfung nicht sinnvoll ist. Das alles wird aber nichts daran ändern, dass wir auch weiterhin vertrauensvoll mit Axxion zusammenarbeiten werden. Ein konstruktiver Dialog mit den Aktionären ist eine unserer Hauptaufgaben, auch wenn es um Kritik geht.


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