Vita 34: Wachstumsstrategie steht auf drei SĂ€ulen
Bei Vita 34 hat man im neuen Jahr viel vor. Welche PlĂ€ne er fĂŒr 2015 hat, erlĂ€utert AndrĂ© Gerth, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft, im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors.de. Gerth will die internationale Expansion vorantreiben, die eigenen ForschungsaktivitĂ€ten werden ausgebaut. Zudem will der CEO den Vertrieb stĂ€rken. Im Interview Ă€uĂert sich Gerth auch ĂŒber die SchĂ€tzungen von Analysten sowie ĂŒber den Firmenwert. Angesprochen werden zudem die Sicherheit der Produkte und die kĂŒnftige Preisgestaltung.
www.4investors.de: 2014 hat der Kurs von Vita 34 um fast 60 Prozent zugelegt. Wenn Sie das Jahr Revue passieren lassen, war das so in Ordnung? Und könnte sich diese Tendenz 2015 fortsetzen?
Gerth: Die Kursentwicklung zeigt, dass unsere Anstrengungen im vergangenen Jahr am Kapitalmarkt wertgeschÀtzt wurden.
Wir blicken auf ein sehr erfreuliches GeschĂ€ftsjahr 2014 zurĂŒck, in dem wir kontinuierlich an der Umsetzung unserer Wachstumsstrategie gearbeitet haben: Mit der Ăbernahme von Vivocell, der marktfĂŒhrenden privaten Stammzellbank Ăsterreichs, haben wir einen Meilenstein erreicht: Unsere fĂŒhrende Marktposition im deutschsprachigen Raum konnten wir nachhaltig stĂ€rken und zusĂ€tzliche Marktanteile in der DACH-Region gewinnen. Daneben ist es uns gelungen, bestehende Kooperationen mit Partnern in Europa zu vertiefen und auch die Position auf dem europĂ€ischen Markt weiter zu verbessern. Doch nicht nur regional haben wir uns weiterentwickelt. Eine positive Zwischenbilanz können wir auch zur MarkteinfĂŒhrung von VitaPlusNabelschnur ziehen. Nach etwas mehr als einem Jahr hat Vita 34 bereits mit rund 70 Prozent der Kliniken in Deutschland VertrĂ€ge ĂŒber die Entnahme von Nabelschnurgewebe abgeschlossen. Damit können wir das neue und am deutschen Markt einmalige Produkt schon in vielen Regionen in Deutschland anbieten. Auch wurden erste Gewebe aus Ăsterreich, der Schweiz, Spanien, Mazedonien, RumĂ€nien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina und Slowenien eingelagert. Zudem haben wir mit dem Start von zwei neuen Forschungsprojekten unsere AktivitĂ€ten im GeschĂ€ftsbereich Biotechnologie weiter ausbauen können.
Diese strategische Ausrichtung werden wir auch im Jahr 2015 fortsetzten. Wir sind zuversichtlich, dass sich das auch in unseren Zahlen niederschlagen wird â und dann wird sich auch unser Aktienkurs weiter positiv entwickeln.
www.4investors.de: Analysten gehen fĂŒr 2014 von einem Gewinn je Aktie von 0,37 Euro aus. WĂŒrden Sie dem widersprechen?
Gerth: Im GeschĂ€ftsjahr 2013 belief sich der Gewinn je Aktie auf 0,28 Euro. Mit der aktuellen AnalysteneinschĂ€tzung fĂŒhlen wir uns durchaus wohl. Wir freuen uns, wenn unsere unternehmerische TĂ€tigkeit mit einem positiven Ergebnis fĂŒr unsere AktionĂ€re verbunden ist und entsprechend die AttraktivitĂ€t der Vita 34-Aktie steigt.
www.4investors.de: Es ist bekannt, dass Sie europaweit weiter wachsen wollen. Das wird vor allem durch weitere ZukÀufe geschehen?
Gerth: Vita 34 ist ein international agierender Anbieter fĂŒr die Kryokonservierung von Stammzellen. Bereits heute sind wir in 20 LĂ€ndern tĂ€tig. Wir verfolgen das Ziel, die fĂŒhrende Marktposition des Unternehmens im deutschsprachigen Raum nachhaltig zu stĂ€rken und in Europa zusĂ€tzliche Marktanteile durch den Ausbau unserer QualitĂ€tsfĂŒhrerschaft zu gewinnen. Ăber die geografische Diversifikation erschlieĂen wir Ertragsperspektiven in neuen MĂ€rkten und verleihen dem gesamten GeschĂ€ftsmodell zusĂ€tzliche und nachhaltige StabilitĂ€t. Dabei setzen wir neben neuen Vertriebskooperationen mit lokalen Partnern auch verstĂ€rkt auf anorganisches Wachstum ĂŒber Akquisitionen.
www.4investors.de: Steht Asien auch auf der Expansionsliste?
Gerth: Der Fokus unserer geografischen Expansion liegt klar auf dem europĂ€ischen Raum. Wir planen aber auch, Nabelschnurblutbanken in ausgewĂ€hlten WachstumsmĂ€rkten Asiens und Lateinamerikas gemeinsam mit Partnern aufzubauen und zu betreiben. Bereits im Oktober 2014 haben wir mit der vietnamesischen Privatklinik Van Hanh Hospital in Ho Chi Minh City einen âLetter of Intentâ (LOI) unterzeichnet. Derzeit prĂŒfen wir auch eine mögliche Zusammenarbeit beim Aufbau eines Stammzellzentrums in Vietnam. Neben der Vereinbarung mit dem National Hospital of Obstetrics in Hanoi zum Aufbau einer öffentlichen Nabelschnurblutbank ist es Vita 34 damit gelungen, die AktivitĂ€ten in Vietnam als ein Modellprojekt in SĂŒdostasien voranzutreiben. Die weitere Expansion in Asien werden wir auch im GeschĂ€ftsjahr 2015 zielstrebig weiterverfolgen.
www.4investors.de: Noch haben Sie 4,5 Millionen Euro in der Kasse. Reicht das fĂŒr Ihre Wachstumsambitionen? Welche Summen wollen Sie im neuen Jahr investieren?
Gerth: Wir sehen Vita 34 mit einem Finanzmittelbestand in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro zum 30.September 2014 solide aufgestellt, um weiteres Wachstum realisieren zu können. Die sich uns bietenden Chancen werden wir sorgfĂ€ltig prĂŒfen und die möglichen Finanzierungsoptionen im Einzelfall entsprechend abwĂ€gen.
www.4investors.de: In der Hauptversammlung 2014 haben Sie die Voraussetzung fĂŒr eine Kapitalerhöhung geschaffen, um weiter zu wachsen. Wieso zu diesem Zeitpunkt? Welches Volumen peilen Sie dabei an?
Gerth: Wir sehen im derzeitigen Marktumfeld gute Voraussetzungen, um die Unternehmensentwicklung von Vita 34 positiv gestalten zu können. Die Chancen, die sich uns bieten, wollen wir konsequent nutzen können. Um dem Unternehmen alle Optionen offenzuhalten, hat die Hauptversammlung Ende August 2014 unter anderem einen Vorratsbeschluss fĂŒr eine mögliche Kapitalerhöhung gefasst. Das ist aber nur eine Option von vielen.
www.4investors.de: Wo setzen Sie ihre Arbeitsschwerpunkte im neuen Jahr?
Gerth: Die Basis fĂŒr eine positive GeschĂ€ftsentwicklung im Jahr 2014 war unsere klar definierte Wachstumsstrategie, deren Umsetzung wir auch im Jahr 2015 zielstrebig verfolgen werden. GrundsĂ€tzlich basiert diese Wachstumsstrategie auf drei SĂ€ulen: Wir erweitern unsere Produktpalette kontinuierlich um hochqualitative Produkte, wollen unsere Marktposition weiter stĂ€rken und an neuen internationalen WachstumsmĂ€rkten fĂŒr die Einlagerung von Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe partizipieren. Mit dem Ausbau der eigenen ForschungsaktivitĂ€ten können wir unseren Zugang zu neuen Produktinnovationen im Stammzellbereich beschleunigen.
Konkret beabsichtigen wir in den kommenden Monaten einen weiteren Vertriebspartner in Ungarn zu etablieren und die Zusammenarbeit mit dem serbischen Vertriebspartner Bio Save d.o.o. zu intensivieren. Auch in Spanien planen wir mit der vollstĂ€ndigen Ăbernahme unserer Tochter Secuvita die PrĂ€senz zu erweitern. Da wir mit der Integration der PrĂ€parate von Vivocell auch Kunden aus der TĂŒrkei und aus Griechenland ĂŒbernommen haben, wollen wir die Zusammenarbeit mit den lokalen Vertriebspartnern prĂŒfen und ausbauen.
www.4investors.de: Wird sich 2015 an den Preisen fĂŒr Ihre Produkte etwas Ă€ndern?
Gerth: Wir haben im GeschĂ€ftsjahr 2014 das Produktpaket âVitaPlus50â fĂŒr eine Lagerung von Nabelschnurblut und -gewebe ĂŒber einen Zeitraum von 50 Jahren eingefĂŒhrt. Bereits im Jahr 2013 haben wir unser Produktportfolio um die unterschiedlichen Produktvarianten âVitaPlusNabelschnurâ ergĂ€nzt. Seitdem haben Eltern bei uns die in Deutschland einzigartige Möglichkeit, neben dem Nabelschnurblut auch das Nabelschnurgewebe zusĂ€tzlich in den Kryotanks von Vita 34 einzulagern. An den Preisen der einzelnen Produkte und den individuell auf die BedĂŒrfnisse der Eltern ausgerichteten Zusatzleistungen wird sich im GeschĂ€ftsjahr 2015 voraussichtlich nichts Ă€ndern.
www.4investors.de: Wird es neue, weitere Produkte geben?
Gerth: Neben dem Nabelschnurblut und dem Nabelschnurgewebe haben wir im Zuge unserer Forschungs- und EntwicklungsaktivitĂ€ten bereits weitere Optionen zur Gewinnung von Stammzellquellen identifiziert. Derzeit untersuchen wir, ob sich diese Stammzellquellen fĂŒr neue Produktangebote eignen und so das KerngeschĂ€ft Stammzellbanking ausgebaut werden kann. Beispielsweise haben wir im vergangenen Jahr ein Forschungsprojekt zur Gewinnung und Kryokonservierung von autologen Stammzellen aus Fettgewebe begonnen.
www.4investors.de: In der Bilanz wird der Firmenwert mit fast 14 Millionen Euro angegeben. Am Markt gibt es immer wieder Diskussion, ob darauf eine Abschreibung erfolgen muss. Wie sehen Sie das?
Gerth: Wir sehen derzeit keine Risiken, die die Werthaltigkeit des Firmenwertes beeinflussen könnten und entsprechend auch keinen Bedarf fĂŒr eine Abschreibung.
www.4investors.de: Sie lagern die Stammzellen bei -196 Grad ein. Wie sicher sind diese Lagermöglichkeiten? Ein Auftauen oder eine anderweitige Zerstörung können ausgeschlossen werden?
Gerth: Blut und Gewebe lagern wir in je einem von Vita 34 speziell entwickelten, besonders bruchsicheren Einfrierbeutel ein. Jeder Beutel befindet sich in einer Kassette, die ein gleichmĂ€Ăiges, sicheres Einfrieren und Lagern in den stromunabhĂ€ngigen KĂ€ltetanks gewĂ€hrleistet. Mit einer automatischen Ăberwachung rund um die Uhr und einer Funktionsreserve von 7 Tagen, unabhĂ€ngig von jeder externen Versorgung, sind wir auf alle denkbaren StörfĂ€lle gut vorbereitet. Alle bei Vita 34 eingelagerten StammzellprĂ€parate sind auĂerdem durch die Generali Versicherung AG und die HDI-Gerling Industrie Versicherung AG abgesichert. Die Versicherungen stellen im Falle einer Insolvenz die finanziellen Mittel dafĂŒr bereit, dass die eingelagerten StammzellprĂ€parate fĂŒr 50 Jahre fachgerecht eingelagert bleiben und beaufsichtigt werden. Diese Form der Versicherung ist nach unserem Kenntnisstand einzigartig. Ich kann also ruhigen Gewissens sagen: Ja, die Stammzellen sind bei uns sicher und in besten HĂ€nden.
