Laut einer ZEW-Studie steht die EZB unter „fiskalischer Dominanz“ - Commerzbank

Das Gebäude der EZB in Frankfurt am Main. Bild und Copyright: nitpicker / shutterstock.com.

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08.09.2021 09:36 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) veröffentlichte eine Studie, nach der die Unterstützung im EZB-Rat für eine Fortdauer der Anleihekäufe von den Vertretern hoch verschuldeter Euro-Staaten kommt, wohingegen die Ablehnung der ultralockeren Geldpolitik von Vertretern der Staaten mit eher geringer Staatsverschuldung propagiert wird. Konkret hat das ZEW die Datenbank „Dow Jones Factiva“ ausgewertet. Weil die Abstimmungsergebnisse im EZB-Rat nicht öffentlich sind, analysierten die Wissenschaftler alle geldpolitischen Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern in den Medien. Es wurden alle Äußerungen von Ratsmitgliedern zum EZB-Krisenprogramm PEPP von Mitte März bis Mitte Juni 2021 unter die Lupe genommen. Nach diesen Äußerungen wurden die Ratsmitglieder in drei Gruppen eingeteilt: „Falken“, die eher eine straffere Geldpolitik bevorzugen, „Tauben“, die eher für eine lockere Geldpolitik eintreten, und Ratsmitglieder, die „eher neutral“ sind. Die Auswertung ergab klare Fraktionen von „Falken“ und „Tauben“ im Rat. Zudem gibt es eine starke und signifikante Korrelation zwischen der Klassifikation in Falken und Tauben mit der Höhe der Staatsverschuldung der Herkunftsländer. Die „Tauben“- Fraktion im Rat kommt auf eine durchschnittliche Schuldenquote in ihren Heimatländern von 133%, fast das Doppelte der „Falken“-Fraktion mit 71%. EZB-Chefin Lagarde wird in der Studie als „Taube“ eingestuft, da sie sich auf die Fortführung des Pandemiekaufprogrammes „PEPP“ konzentriere und alle Äußerungen über einen vorzeitigen Ausstieg, die von der „Falken“-Fraktion kämen, strikt ablehne. Bezüglich der aktuell diskutierten Inflationsgefahren kann konstatiert werden, dass die hohen Schulden einiger Länder inzwischen die Aufmerksamkeit vieler Mitglieder des EZB-Rates zu trüben scheinen. Die Geldpolitik der EZB wird also stark von fiskalischen Notwendigkeiten dominiert.

Anleihen
Japan: BIP-Wachstum (Q2), 01:50 Uhr
USA: Offene Stellen (Jul), 16:00 Uhr
USA: Beige Book, 20:00 Uhr

Trotz gemischter Konjunkturdaten stiegen gestern die Renditen von Bundesanleihen kräftig an. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen erhöhte sich auf minus 0,32%, den höchsten Stand seit Mitte Juli. Der Renditeanstieg resultiert überwiegend aus der starken Aufwärtsbewegung der Inflationserwartungen, die Anfang September einsetzte. Dies zeigt sich in Inflationsindexierten Anleihen. Grund dafür sind Markterwartungen, dass die EZB morgen auf der EZB-Ratssitzung ihre Wachstums- und Inflationsprojektionen für dieses und nächstes Jahr merklich anheben könnte. Mehrere EZB-Ratsmitglieder hatten dies vergangene Woche angedeutet. Zudem dürfte die EZB ihre Corona-Käufe im 4. Quartal verlangsamen. Eine Entscheidung über die Beendigung des Pandemie-Programms PEPP wird aber nicht vor Dezember erwartet. Der Euro wertete sich gestern im Laufe des Tages ggü. dem US-Dollar ab als wieder etwas Risikoaversion der Investoren aufkam. Die deutsche Industrie hat im Juli 1% mehr produziert als im Juni und überraschte damit positiv. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass dies schon das Ende des Abwärtstrends der deutschen Produktion markiert, da die Lieferengpässe und der Mangel an Vorprodukten noch länger anhalten dürfte. Vielmehr ist der Zuwachs größtenteils auf die Lage der Werksferien zurückzuführen. Enttäuscht hat gestern die Meldung des ZEW-Index, bei dem die Konjunkturerwartungen von 40,4 auf 26,5 Punkte stärker als erwartet zurückgingen. Im Mai hatte der Index mit 84,4 Punkten den höchsten Wert seit gut zwei Dekaden erreicht. Vor allem führte der Chipmangel im Fahrzeugbau und die Ressourcenknappheit in der Bauwirtschaft zu einem deutlichen Rückgang der Ertragserwartungen.

Aktien
Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Nach dem freundlichen Wochenauftakt haben am Dienstag die europäischen Aktienmärkte in der Eröffnung kaum Bewegung gezeigt. Gute Außenhandelsdaten aus China hielten nicht lange vor. Die deutsche ZEW-Umfrage bei ca. 350 Finanzexperten aus Banken, Versicherung und großen Industrieunternehmen wartete dann abermals mit eingetrübten Erwartungen auf. Rückenwind brachte auch die Wall-Street nicht, die nach dem feiertagsbedingten langen Wochenende schwächer eröffnete. Die europäischen Aktienmärkte bewegten sich in einer sehr engen Bandbreite (Spanien +0,2% bis Italien und Schweiz mit je -0,7%). Auf europäischer Sektorenebene lagen mit Ausnahme des zyklischen Konsums (+0,2%) alle Branchen im Minus. Versorger und Gesundheitstitel lagen mit jeweils -0,8% auf den hintersten Rängen. Der deutsche Leitindex schloss letztendlich um 0,6% leichter. Die Aktien von Deutsche Bank (+1,0%) und BMW (+0,8%) führten die Rangliste an. Linde dagegen war der schwächste Wert mit -2,2%. Der MDax bewegte sich leicht im Plus (+0,1%). Commerzbank (+3,4%) und Team Viewer (+3,3%) lagen vorn. Auf dem hintersten Platz rangierte Auto1 (-3,7%). Nach dem Labor-Day starten die US-Börsen mit einer leichteren Tendenz in die neue Börsenwoche. Der Dow Jones-Index schloss um 0,8% leichter, der S&P 500 mit -0,3%. Der technologielastige Nasdaq 100 zeigte sich mit einem neuen Rekord (+0,1%) robust. Match Group stieg hier um 7,5%, sie werden am 20. September in den S&P 500 aufgenommen. Auf Sektorenebene (S&P 500) waren sämtliche Branchen im roten Bereich. Technologieaktien konnten sich noch knapp behaupten (-0,1%), Industrietitel dagegen waren um -1,2% und Versorger sowie Immobilientitel um je -1,1% leichter. Die Börsen Asiens notierten überwiegend schwächer. Dagegen setzte der Nikkei 225 mit 30.181 Punkten (+ 0,9%) seine Gewinnserie fort. In Europa heute wohl weiter seitwärts.

Daten zum Wertpapier: EZB

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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