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Nervosität bei den Anlegern - Börse München

Robert Ertl, Börse München: „Auch wenn die zuletzt gesehene Nervosität der Anleger sicher noch eine Weile anhalten dürfte, die meisten Beobachter gehen beim Blick auf die kommenden Tage nicht von einer nachhaltigen Korrektur an den deutschen Aktienbörsen aus.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Robert Ertl, Börse München: „Auch wenn die zuletzt gesehene Nervosität der Anleger sicher noch eine Weile anhalten dürfte, die meisten Beobachter gehen beim Blick auf die kommenden Tage nicht von einer nachhaltigen Korrektur an den deutschen Aktienbörsen aus.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

26.07.2021 10:01 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter auf Twitter 

Nach Einbruch gut erholt: Die deutschen Aktienbörsen haben die vergangene Woche nach einem missglückten Start überwiegend mit Gewinnen beendet. Zu Wochenbeginn waren die Märkte eingebrochen, die Fokussierung der Anleger auf die zunehmende Verbreitung der Delta-Variante des Coronavirus sowie Inflationssorgen bescherten den wichtigsten Indizes Tagesverluste von bis zu knapp drei Prozent. Im weiteren Wochenverlauf stiegen das Vertrauen in eine anhaltende wirtschaftliche Erholung und die Stimmung an den Märkten dann aber wieder kontinuierlich. Hierzu trugen Konjunkturdaten und das Bekenntnis der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer weiter extrem lockeren Geldpolitik ebenso bei wie Analystenkommentare, Unternehmenszahlen und die Vorgaben der Wall Street.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte im Wochenvergleich um 0,8 Prozent zu auf 15.669,29 Punkte. Gegenüber seinem Stand nach dem Einbruch vom vergangenen Montag bedeutete dies sogar ein Plus von 3,5 Prozent. Größte Wochengewinner waren einmal mehr die Titel von Delivery Hero mit einem Anstieg um 5,6 Prozent, gefolgt von Daimler mit 4,3 Prozent. Der Essenslieferdienst profitierte von der Entscheidung der südkoreanischen Wettbewerbs- und Kartellbehörde, wonach Delivery Hero mehr Zeit für den Verkauf seiner Südkorea-Tochter Yogiyo bekommt. Beim Autobauer half unter anderem eine Analystenempfehlung. Der MDax markierte am vergangenen Freitag ein neues Rekordhoch, im Wochenvergleich gewann er 2,1 Prozent auf 35.163,22 Zähler. Der TecDax verbesserte sich um 1,6 Prozent auf 3.668,39 Punkte. Der m:access All-Share allerdings gab 1,3 Prozent ab auf 3.065,44 Zähler.

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten sind auch in der vergangenen Woche weiter gestiegen. Während sich zu Wochenbeginn die Unsicherheit unter den Anlegern positiv auf die Notierungen der Bundespapiere ausgewirkt hatte, sorgte am vergangenen Donnerstag das Ergebnis der EZB-Ratssitzung für Unterstützung. Die Aussicht auf eine noch länger anhaltende expansive Geldpolitik in der Eurozone ließ die Investoren zu deutschen Titeln greifen. In der Folge ging die Rendite der marktbestimmenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich von -0,36 auf -0,42 Prozent zurück. Die Umlaufrendite sank von -0,41 auf -0,47 Prozent.

Die US-Aktienbörsen haben sich in der vergangenen Woche wie ihre hiesigen Pendants von anfänglichen Verlusten erholt und deutlich fester geschlossen. Am Freitag sorgten vor allem gut aufgenommene Unternehmenszahlen dafür, dass die drei wichtigsten Indizes allesamt neue Rekordhochs erreichten. Der Dow-Jones-Index rückte im Wochenvergleich um 1,1 Prozent auf 35.061,55 Punkte vor. Der breiter gefasste S&P-500-Index stieg um 2,0 Prozent auf 4.411,79 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100-Index kletterte um 2,9 Prozent auf 15.111,79 Punkte.

Ausblick

Auch wenn die zuletzt gesehene Nervosität der Anleger sicher noch eine Weile anhalten dürfte, die meisten Beobachter gehen beim Blick auf die kommenden Tage nicht von einer nachhaltigen Korrektur an den deutschen Aktienbörsen aus. Einige können sich im Gegenteil sogar neue Indexrekorde vorstellen, wie sie an den US-Börsen und hierzulande beim MDax bereits am vergangenen Freitag zu verzeichnen waren.

Sicher ist, dass die Marktteilnehmer in den kommenden Tagen eine Vielzahl von Impulsen zu verarbeiten haben. So stehen etliche potenziell Markt-bewegende Konjunkturdaten auf der Agenda. Aus den USA kommen beispielsweise die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter, das Verbrauchervertrauen, die persönlichen Einkommen und Ausgaben und das Bruttoinlandsprodukt (BIP), dazu Zahlen zum Immobilienmarkt. Von den hiesigen Veröffentlichungen dürften das Ifo-Geschäftsklima, das GfK-Konsumklima, das BIP und Inflationszahlen im Fokus stehen.

Daneben gibt die US-Notenbank Fed das Ergebnis ihrer Ratssitzung bekannt. Hier geht kaum ein Experte von einer geldpolitischen Änderung aus, allerdings erwarten sich etliche Informationen zu Überlegungen, wie eine künftige Straffung der Geldpolitik vonstattengehen könnte.

Von Unternehmensseite wiederum kommen weitere Geschäftsergebnisse. Allein aus dem Dax legen acht Unternehmen Zahlen vor, darunter BASF, Fresenius, HeidelbergCement und MTU. In den USA gewähren unter anderem die Tech-Größen Alphabet, Amazon, Apple und Microsoft Einblick in ihre Bücher.

Zu Beginn der Handelswoche dürften die Anleger zudem auf die beiden Dax-Werte Vonovia und Deutsche Wohnen blicken. Am vergangenen Freitag war das Übernahmeangebot von Vonovia ausgelaufen und die Mindestannahmeschwelle laut Unternehmensmitteilung nicht erreicht worden, womit die Übernahme vorerst gescheitert wäre. An diesem Montag wird nun das endgültige Ergebnis bekannt gegeben.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 26.07.: Ifo-Geschäftsklimaindex (Deutschland); Verkäufe neuer Häuser in den USA; Dallas Fed Herstellungsindex (USA)
Dienstag, 27.07.: Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA; USA-Verbrauchervertrauen; S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex (USA)
Mittwoch, 28.07.: GfK-Verbrauchervertrauen (Deutschland); Ergebnis der Ratssitzung der US-Notenbank; Warenhandelsbilanz der USA
Donnerstag, 29.07.: Verbraucherpreise in Deutschland; Arbeitslosenzahlen für Deutschland; Geschäftsklima in der Eurozone; Verbrauchervertrauen in der Eurozone; Bruttoinlandsprodukt der USA; Persönliche Konsumausgaben in den USA; Schwebende Hausverkäufe in den USA
Freitag, 30.07.: Bruttoinlandsprodukt Deutschlands; Importpreise in Deutschland; Bruttoinlandsprodukt der Eurozone; Verbraucherpreise in der Eurozone; Arbeitslosenzahlen für die Eurozone; Persönliche Einkommen und Ausgaben in den USA; Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (USA); Chicagoer Einkaufsmanagerindex (USA)

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG

Daten zum Wertpapier: Börse München

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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