EZB legt mit neuer Forward Guidance Latte für Zinswende noch höher - Nord LB

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EZB: Erwartungsgemäß haben die Währungshüter mit dem heutigen Beschluss ihren bisherigen sehr expansiven geldpolitischen Kurs bekräftigt. Bild und Copyright: nitpicker / shutterstock.com.

22.07.2021 16:28 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Die heutige Sitzung der Europäischen Zentralbank stand wie erwartet ganz im Zeichen der Anfang Juli beschlossenen neuen geldpolitischen Strategie. Normalerweise wäre das Treffen der Notenbanker im Juli als typische Übergangssitzung zwischen Juni und September ohne große Neuigkeiten verlaufen. Mit der neuen geldpolitischen Strategie standen nun jedoch mehr als nur redaktionelle Änderungen an der Forward Guidance an, worauf EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor knapp zwei Wochen in Venedig orakelnd und etwas bedeutungsschwanger hingewiesen hatte.

Erwartungsgemäß haben die Währungshüter mit dem heutigen Beschluss ihren bisherigen sehr expansiven geldpolitischen Kurs bekräftigt. Unverändert bleiben die EZB-Leitzinsen sowie die wichtigsten Parameter des Anleihekaufprogramms Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) und des APP. Das Tempo der Nettoankäufe im Rahmen des PEPP bleibt im laufenden Quartal signifikant höher als während der ersten Monate des Jahres. Hinsichtlich der Frage nach der Post-PEPP-Politik rückt damit bereits die Septembersitzung in den Fokus.

Der EZB-Rat hat jedoch mit der neuen Forward Guidance zur Zinsentwicklung die Hürde für eine Zinsanhebung nochmals etwas höher gelegt. Nunmehr muss hierfür das Inflationsziel von 2% deutlich vor dem Ende des Prognosehorizonts erreicht und auch nachhaltig gehalten werden. Analog zur neuen Strategie schließt dies ausdrücklich die Möglichkeit ein, dass die Inflation in einer vorübergehenden Phase auch moderat über dem Inflationsziel liegt.

Den Projektionen der EZB, insbesondere der längerfristigen Inflationsprognose, kommt somit eine noch größere Bedeutung zu als bisher. Vor 2024 erscheint eine Zinsanhebung wie schon zuvor als sehr unwahrscheinlich. Da die Dauer das APP bislang an den Zeitpunkt der ersten Zinsanhebung geknüpft ist, würde sich mit einer späteren Zinswende auch die Ankaufphase verlängern. Dies alles hat entsprechende Implikationen für das Kapitalmarktzinsniveau.

Mit dem neuen Statement bekräftigt die EZB, dass die Geldpolitik anhaltend („persistently“) expansiv ausgerichtet bleibt. Diese Formulierung hatte Lagarde bereits mehrfach verwendet, die Aufnahme ins Statement ist eine deutliche Abfuhr an jegliche als verfrüht angesehene Tapering- oder gar Exitüberlegungen. Damit dürfte ab 2022 eine wachsende Divergenz zur Politik der US-Notenbank offensichtlich werden.

Eine große Veränderung im Sinne einer klareren Kommunikation stellt der heutige Beschluss sicher nicht dar. Offen blieb erneut, wie das (neue) Inflationsziel erreicht werden soll. Zudem gibt es weiterhin keine Klarheit, wie die Notenbank „günstige Finanzierungskonditionen“ konkret definiert. Deutlich wurde heute aber auch, dass die Neuformulierung der Strategie sehr stark auf die aktuelle Situation ausgerichtet war. Für die konkrete Übersetzung der neuen Strategie in die aktuelle Geldpolitik gab es daher heute eine „überwältigende Mehrheit“ bzw. nur vereinzelt Widerstand im Rat. Insgesamt steht der heutige Beschluss viel stärker in der Tradition der bisherigen Geldpolitik als die Ankündigung von Lagarde im Vorfeld suggeriert hatte. Die Änderungen sind keine Überraschung und waren eingepreist, entsprechend gering waren die heutigen Marktbewegungen.

Fazit: Die EZB hat auf ihrer Juli-Sitzung ihre Forward Guidance der Anfang des Monats verkündeten neuen Strategie angepasst. Vor allem die starke Orientierung an den bislang wenig treffsicheren langfristigen Inflationsprojektionen dürfte Kritikern ein Dorn im Auge sein. Eindeutig erteilt die EZB mit der Übernahme der Formulierung „persistently“ jedweden verfrühten Tapering- oder gar Exitüberlegungen eine Abfuhr. Aber auch auf längere Sicht hat sie die Hürde für eine geldpolitische Wende noch etwas höher gelegt, selbst wenn Lagarde kein „lower for longer“ sehen mag. Die Leitzinsen dürften noch lange Zeit festgezurrt bleiben, entsprechend begrenzt bleibt das Aufwärtspotenzial für die Kapitalmarktzinsen.

Daten zum Wertpapier: EZB

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