Aktien - Europäische Small und Mid Caps: welche Nischenmärkte gibt es? - Warburg Invest

Aktienexperte Zoltan Koch von Warburg Invest: „Europäische Small und Mid Caps sind ein sinnvoller Portfoliobaustein, welche tendenziell höhere Erträge erzielen als ihre Äquivalente aus dem Large Cap-Bereich.” Bild und Copyright: Video Media Studio Europe / shutterstock.com.

Aktienexperte Zoltan Koch von Warburg Invest: „Europäische Small und Mid Caps sind ein sinnvoller Portfoliobaustein, welche tendenziell höhere Erträge erzielen als ihre Äquivalente aus dem Large Cap-Bereich.” Bild und Copyright: Video Media Studio Europe / shutterstock.com.

24.05.2021 09:00 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Europa ist vielfältig und hat nicht nur in kultureller, kulinarischer oder landschaftlicher Hinsicht viel zu bieten. Auch wirtschaftlich verfügt der europäische Kontinent über viele Facetten. Auf den ersten Blick werden bestimmte Branchen einem Land zugeordnet. In Deutschland ist es die Autoindustrie, bei Frankreich denkt man an edle Weine. Doch neben diesen Stereotypen gibt es in Europa auch eine darüber hinaus bemerkenswerte wirtschaftliche Vielfalt und Leistungsstärke im Kleinen: die besten Lachszüchter aber auch der Marktführer der Kreislaufwirtschaft sind in Norwegen, Halbleiterzulieferer in den Niederlanden, Hersteller von Kartons oder auch Feuerfestmaterialien in Österreich, medizinische Technologie in der Schweiz, Küchenhersteller in dem Vereinigten Königreich. Europa bietet für Anleger eine breite Palette an führenden Unternehmen, Europa ist der Kontinent der Hidden Champions.

Mehr als 90 Prozent der in Europa börsennotierten Unternehmen sind Small & Mid Caps

Anleger sollten sich des Folgenden bewusst werden: mehr als 90 Prozent der in Europa börsennotierten Unternehmen sind Unternehmen mit kleiner und mittlerer Marktkapitalisierung. Für den Anleger bieten sich demnach vielfache interessante Diversifikationsmöglichkeiten. Darüber hinaus stammen die Small und Mid Caps Europas nicht nur aus zyklischen Branchen wie der Basiskonsumgüterindustrie, sondern besetzen auch Nischenmärkte, die von eigenen spezifischen Wachstumstreibern bestimmt werden.

So befinden sich im Anlageuniversum der europäischen Small und Mid Caps viele Technologieunternehmen und Halbleiterhersteller, deren Ursprung eher in Übersee, d.h. in den USA oder Asien, vermutet wird. Diese profitieren sowohl vom Digitalisierungstrend, aber auch vom Wandel hin zur Elektromobilität. Gute Bespiele hierfür sind BE Semiconductor aus den Niederlanden oder PVA TePla aus Deutschland. Beide sind Vorreiter in der Halbleiterindustrie und profitieren enorm von der starken Nachfrage.

Aktienexperte Zoltan Koch von Warburg Invest.

Aktienexperte Zoltan Koch von Warburg Invest. Bild und Copyright: Warburg Invest

Branchenzugehörigkeit bestimmt nicht über den Erfolg eines Unternehmens

Jedoch ist die Branchenzugehörigkeit nicht allein ausschlaggebend für den Erfolg eines Unternehmens. Zwar haben Aktiengesellschaften, die aus Wachstumsbranchen kommen, tendenziell auch gute Wachstumsaussichten, aber das alleine ist für den langfristigen Erfolg nicht ausreichend. Vielmehr ist es für den Anlageerfolg entscheidend, jedes Unternehmen einzeln zu betrachten und das jeweilige Geschäftsmodell und das Management hinsichtlich ihrer Qualität zu bewerten. Denn nur Unternehmen, die einen starken Wettbewerbsvorteil besitzen und vorausschauend handeln sowie finanziell solide aufgestellt sind, verfügen über die Zutaten, um langfristig erfolgreich zu sein und somit überzeugende Erträge für die Eigentümer zu generieren. Der Kartonhersteller Mayr Melnhof aus Österreich ist ein Musterbeispiel für solche Unternehmen.

Um das volle Ertragspotenzial bei den Anlagen in dem Segment zu heben, ist die Identifikation von unterbewerteten Unternehmen entscheidend. Small und Mid Caps stehen weniger unter der Beobachtung von Analysten und bergen somit die Chance auf stärkere, noch nicht von den Marktteilnehmern erkannte Unterbewertungen. Das intensive Screening der Unternehmen offenbart, ob ein Wert vom Markt nicht fair bewertet wurde und entsprechend noch deutliches Kurspotenzial hat.

Ein gutes Beispiel dafür ist die RHI Magnesita. Das österreichische Unternehmen ist ein international führender Anbieter von Feuerfestprodukten, die vor allem in der Stahlindustrie zum Einsatzkommen. RHI ermöglicht zum einen mit ihren fortschrittlichen Lösungen eine energieeffizientere und damit umweltfreundlichere Stahlproduktion, partizipiert zugleich auch an der mehr und mehr eingesetzten Technologie „Electric Arc Furnace“ (Lichtbogenöfen), bei der mehr Feuerfestprodukte zur Stahlerzeugung benötigt werden.

Europäische Small und Mid Caps sind oft risikoärmer als Börsenschwergewichte

Entgegen der landläufigen Meinung, dass Small und Mid Caps risikoreicher sind als Large Caps, sind Unternehmen mit kleiner und mittlerer Marktkapitalisierung nicht automatisch schwankungsanfälliger als ihre großen Brüder. So liegt zum Beispiel die Sharpe Ratio (Risiko/Ertrag-Verhältnis) des MSCI Europe Small Cap für die vergangenen zehn Jahre (Stand 31.3.2021) mit 0,52 höher als die Sharpe Ratio des MSCI Europe Index mit 0,37. Auch die Sharpe Ratio des MSCI Europe Mid Cap Index ist mit 0,45 höher. Das bestehende Risiko bei Small und Mid Caps, etwa durch die weniger verfügbaren Informationen und den langsameren Informationsfluss, kann durch aktives Asset Management eingegrenzt werden. Ein stringentes Risikomanagement sollte ein zentrales Element des Investmentprozesses sein.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Engagement auch mit tendenziell höheren Rendite belohnt: Vergleicht man beispielsweise die Performance des STOXX Europe Small 200 Index mit der des EURO STOXX 50 Index über die vergangenen 20 Jahre, zeigt sich, dass der Small Cap-Index in 14 von 20 Jahren den Large Cap-Index übertroffen und im gesamten Zeitraum eine durchschnittliche Überrendite von 5,6 Prozent p.a. erzielt hat.

Europäische Small und Mid Caps sind ein sinnvoller Portfoliobaustein

Europäische Small und Mid Caps sind ein sinnvoller Portfoliobaustein, welche tendenziell höhere Erträge erzielen als ihre Äquivalente aus dem Large Cap-Bereich. Diese belegen häufig Nischenbranchen, die höchst innovativ sind und durch andere Wachstumstreiber bestimmt werden. Dies trägt zur Diversifikation des Portfolios bei. Small und Mid Caps sind nicht unbedingt risikoreicher als Large Caps. Ein aktiver Asset Management-Ansatz kann das vorhandene Risiko eingrenzen. Außerdem befinden sich im Anlageuniversum der europäischen Small und Mid Caps häufiger stark unterbewertete Unternehmen, deren Potenzial durch den aktiven Ansatz aufgedeckt und genutzt werden kann.

Gastautor: Zoltan Koch
Daten zum Wertpapier: PVA TePla
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Ticker-Symbol: TPE
WKN: 746100
ISIN: DE0007461006

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne von Warburg Invest. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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