„Ach, Anleiherenditen können auch positiv sein?“ - Weberbank

Weberbank: „In der 50-jährigen Geschichte der Bundesschatzbriefe brachte die 1981er Serie mit über 10 Prozent Rendite die beste Wertsteigerung. Aber warum erzähle ich das? Nun, in den letzten Wochen konnten wir ein Aufkeimen der Hoffnung beobachten, dass wir eines Tages mal wieder so etwas wie richtige Zinsen bekommen könnten..” Bild und Copyright: Smit / shutterstock.com

Weberbank: „In der 50-jährigen Geschichte der Bundesschatzbriefe brachte die 1981er Serie mit über 10 Prozent Rendite die beste Wertsteigerung. Aber warum erzähle ich das? Nun, in den letzten Wochen konnten wir ein Aufkeimen der Hoffnung beobachten, dass wir eines Tages mal wieder so etwas wie richtige Zinsen bekommen könnten..” Bild und Copyright: Smit / shutterstock.com

08.03.2021 08:10 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

„Das wundervolle Gestern ist das gewöhnliche Heute in der Erinnerung von morgen.“ Dieser Satz von US-Talkmaster David Letterman klebt seit Jahren an meinem Monitor und soll mich immer daran erinnern, nicht so viel davon zu erzählen, dass früher angeblich alles besser war. Doch manche Dinge waren objektiv gesehen besser: So kann ich mich daran erinnern, dass es zu Zeiten meiner Bankausbildung noch Bundesschatzbriefe gab. Es gab einen Typ A, bei dem man jährliche Zinszahlungen erhielt, und einen Typ B, bei dem die Zinsen gleich wieder reinvestiert wurden. Das Beste daran: Es gab überhaupt Zinsen! In der 50-jährigen Geschichte der Bundesschatzbriefe brachte die 1981er Serie mit über 10 Prozent Rendite die beste Wertsteigerung. Aber warum erzähle ich das? Nun, in den letzten Wochen konnten wir ein Aufkeimen der Hoffnung beobachten, dass wir eines Tages mal wieder so etwas wie richtige Zinsen bekommen könnten. Ob diese Hoffnung auch Realität werden könnte und was sich hinter dem Begriff des Reflation-Trades verbirgt, das erfahren Sie im heutigen Finanzmarkt aktuell:

Dieser Satz ist schon mit einer gehörigen Portion Sarkasmus ausgestattet. Aber schaut man sich das Zinsumfeld einmal genauer an, so war es noch vor wenigen Wochen tatsächlich so, dass die Renditen von ca. einem Drittel aller global existierenden Staats- und Unternehmensanleihen negativ waren. Das entsprach Anleihen im Gegenwert von 13,6 Billionen US-Dollar. Jüngst keimte jedoch Hoffnung auf. Mit besseren Wachstumsschätzungen für die USA begannen auch die Renditen von US-Staatspapieren deutlich zu steigen. So rentieren 10-jährige Papiere dort inzwischen wieder mit gut 1,4 Prozent. Dieser Renditeanstieg hatte allerdings vice versa auch seine Auswirkungen auf die Kurse der Rentenpapiere. So verloren Anleger mit 10-jährigen US-Staatsanleihen seit Jahresbeginn schon knapp über 3 Prozent an Kurswert – oder anders ausgedrückt: die Zinserträge von zwei Kalenderjahren auf Basis des aktuell erreichten Renditeniveaus. Die US-Notenbank ließ die Zinsanstiege ohne verbale Intervention zu. Ihr europäisches Pendant, die Europäischen Zentralbank (EZB), reagierte hingegen erstaunlich schnell auf den Renditeanstieg. So sah sie sich sofort genötigt, verbal zu intervenieren und gleichzeitig mit erhöhten Anleihekäufen auch direkt in den Markt einzugreifen. Rentenanleger können da nur den Kopf schütteln, denn objektiv gesehen weisen selbst nach dem Renditeanstieg nur Bundesanleihen mit über 20-jähriger Laufzeit eine Rendite über Null aus. Wobei es selbst die 30-jährigen Papiere nur auf 0,2 Prozent Jahresrendite bringen. Doch im Vergleich zum Jahresanfang, als noch alle deutschen Staatsanleihen, gleich welcher Laufzeit, deutlich negativ rentierten, war die Bewegung durchaus bemerkenswert. Bedeutet das aber im Umkehrschluss, dass sich Anleger nun auf dauerhaft steigende Renditen und neue Investitionsmöglichkeiten freuen können? Wohl eher nicht. Denn schaut man auf die sehr schnelle Reaktion der EZB, so wird klar, dass diese einen deutlicheren Renditeanstieg nicht zulassen möchte. Zwar dürfte ein zwischenzeitlicher Inflationsanstieg kommen, der sich allein aufgrund von Basiseffekten einstellen wird, da sich die Teuerungsrate nun mit den extrem niedrigen Vergleichswerten des letzten Jahres aufgrund des massiven Ölpreisrückganges vergleicht. Aber ein längerfristig steigender Verbraucherpreisindex über das Zielniveau der EZB von zwei Prozent hinaus ist eher unwahrscheinlich und das gilt damit auch für deutlich steigende Renditen. In den USA könnten wir hingegen durchaus noch weitere Renditeanstiege sehen, da die dortige Zentralbank mit weniger strukturellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat als die EZB, die immer noch mit den Nachwehen der europäischen Staatsschuldenkrise und damit gegen steigende Zinsen kämpft.

Der Reflation-Trade

Die Aktienmärkte spielen wie der US-Rentenmarkt eine breit angelegte Erholung des globalen Wachstums im Zuge der fortschreitenden Corona-Impfungen. Dabei wird durch die aktuell weiter von Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und schleppend voranschreitenden Impfquoten in der EU charakterisierte Situation hindurchgesehen. Der sogenannte „Reflation-Trade“, also das Setzen auf Unternehmen, die sich im Umfeld einer wieder aufkeimenden Inflation besonders gut entwickeln können, stand zuletzt im Vordergrund. Wobei das Wort Reflation – also das Wiederaufkommen von Inflation – eigentlich falsch gewählt ist. Denn der Markt erwartet gar nicht so sehr ein deutliches Ansteigen der Inflation als vielmehr ein deutliches Ansteigen des volkswirtschaftlichen Wachstums. Und mithin standen zuletzt Branchen wie der Energiesektor, Finanzwerte aber natürlich auch der Reisesektor ganz oben auf den Kurstafeln. Auch die Aktien von Unternehmen mit kleinerer Marktkapitalisierung konnten sich sehr gut entwickeln. Wir reagieren in den von uns betreuten Portfolios auf die bevorstehende Wachstumserholung ebenfalls mit Anpassungen. Einerseits glauben wir, dass die strukturellen Gewinner vor der Pandemie auch die langfristigen Gewinner nach der Pandemie sein werden und sich somit Technologieunternehmen weiter sehr gut entwickeln. Andererseits halten wir es für angebracht, auch wieder stärker in Sektoren zu investieren, die von einer bevorstehenden Post-Corona Erholung profitieren können. Auch haben wir jüngst unser Engagement in Unternehmen mit kleinerer Marktkapitalisierung weiter erhöht. Technologieunternehmen, die in den letzten Monaten sehr starke Kursanstiege verzeichnet hatten, mussten hingegen zuletzt Kurskorrekturen hinnehmen.

Gold: Langfristiger Schutz oder kurzfristig umsatteln?

Ebenfalls mit fallenden Preisen musste Gold kämpfen. Dafür sprechen aktuell gleich mehrere Gründe. Denn wenn die Renditen steigen, wird es im Vergleich unattraktiver, das zinslose Edelmetall zu halten. Auf der anderen Seite hatten viele Investoren Gold aus Furcht vor den Auswirkungen der Pandemie mittels goldunterlegter Fonds erworben. Zwar bleibt das Damoklesschwert der massiven Liquiditätsausweitung weiter bestehen, jedoch eher auf mittel- bis langfristige Sicht. Kurzfristig setzen viele Investoren erst einmal auf den beschriebenen Reflation-Trade. Damit einhergehend wurden in den letzten Wochen Mittel in deutlich erhöhtem Umfang aus den goldunterlegten Produkten abgezogen. Goldinvestoren stehen dementsprechend im Moment vor der Frage, ob sie Gold langfristig als Portfoliobeimischung halten wollen oder ob sie kurzfristig umsatteln. Kurzfristig kann der Goldpreis in unseren Augen noch etwas korrigieren. Langfristig spricht die Geldflut der Notenbanken und hohe Staatsschulden aber weiter für das Edelmetall.

Daten zum Wertpapier: Weberbank

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Weberbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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