AirBnB, Amazon, Apple, Microsoft, Skype, Tesla: Mythos Innovation!

Marcus Disselkamp: „Im Widerspruch zum Einstein-Mythos sind es nur selten die kreativen Genies, die uns großartige Innovationen bringen, sondern interdisziplinäre Teams. Was wir aber brauchen, sind für bestimmte Projektrollen die richtigen Teammitglieder mit adäquaten fachlichen und sozialen Kompetenzen.” Bild und Copyright: Marcus Disselkamp.

Marcus Disselkamp: „Im Widerspruch zum Einstein-Mythos sind es nur selten die kreativen Genies, die uns großartige Innovationen bringen, sondern interdisziplinäre Teams. Was wir aber brauchen, sind für bestimmte Projektrollen die richtigen Teammitglieder mit adäquaten fachlichen und sozialen Kompetenzen.” Bild und Copyright: Marcus Disselkamp.

07.03.2021 16:01 Uhr - Autor: Marcus Disselkamp  Marcus Disselkamp auf Twitter auf Twitter 

In einer früheren Folge meiner 4investors Reihe schrieb ich bereits über den „Mythos Agilität“. Lassen Sie mich heute in einem weiteren Thema einige Mythen betrachten, nämlich hinsichtlich der „Innovationen“. Denn auch hier existieren mindestens sechs verschiedene Mythen.

Der Nummer-Eins-Mythos (oder auch Erstbesteiger-Mythos) spricht beispielsweise davon, dass nur jenes Unternehmen als Innovator gilt, welches als erstes eine ganz (!) neue Lösung auf den Markt bringt. Demnach müssen Innovationen immer vollkommen neue Ideen seien. Fakt ist aber, dass auch schon Verbesserungen Innovationen sind, und nicht nur neue Produkte oder gar Disruptionen. Generell definiert sich der Begriff der „Innovation“ als erfolgreich umgesetzte Ideen, mit einem merklichen Unterschied zu den vorherigen Lösungen, der von den Abnehmern aufgrund eines neuen Nutzens geschätzt und honoriert wird! Schon im lateinischen Ursprung bedeutet das Wort „innovatio“ nicht nur „Erneuerung“, sondern auch „sich Neuem hingeben“. Innovationen müssen nämlich nicht unbedingt etwas vollständig Neues sein, sondern können auch lediglich eine sinnvolle Weiterentwicklung oder die Wiederaufnahme eines alten Gedankens darstellen!

Damit ist auch der Think-Big-Mythos teilweise obsolet. Es geht bei Innovationen nicht immer um radikale Weltneuheiten, sondern auch um Verbesserungen in kleinen Schritten. Ganz im Sinne des Leitsatzes „Think Big, Start Small, Move Fast“ sollte man zwar eine größere Vision hinter seinen Innovationen haben, doch gilt es diese in überlegten kleinen Schritten mit kurzfristigen Erfolgen zu realisieren. Zudem können Innovationen auch auf alten Ideen basieren, die zum jetzigen Zeitpunkt ihre ersten Chancen auf Erfolg haben. Die heutige Diskussion um die Vernetzung von Maschinen im Zusammenhang mit Industrie 4.0 oder Internet of Things (IoT) ist eine Idee, die schon Ende der 90iger Jahre viele Experten motivierte. Aber erst heute haben wir die technischen und finanziellen Möglichkeiten, viele dieser alten Ideen erfolgreich umzusetzen.

Folgerichtig ist auch der Technologie-Mythos nur ein Mythos, nachdem Innovationen immer auf neue Technologien basieren. Die peer2peer Vernetzung war schon lange da, bevor Skype als Disruption das klassische Telefon angriff, das Internet war schon lange da, bevor Plattformen wie AirBnB Hotels kannibalisierte, und auch die Podcast Technologie ist schon zwei Jahrzehnte alt, doch erst seit wenigen Jahren begeistern manche Anbieter uns mit ihren Inhalten und Formaten.

Kommen wir zum Zufalls-Mythos: Natürlich kommen so manchen Ideen „zufällig“ beim Joggen, Duschen oder Wandern. Dies hat aber weniger mit reinem Zufall zu tun, sondern vermehrt mit einem strukturierten Innovationsprozess, bei dem dann in einem entspannten Modus „zufällig“ die Antworten auf jene Fragen einfallen, für die schon genügende Vorarbeiten geleistet wurden. Agile Methoden wie Design Thinking, Lean Startup, Scrum dienen genauso wie klassische Wasserfallmethoden (z.B. Stage Gate) dem strukturierten Finden und vor allem erfolgreichen Umsetzen von Innovationen. Denn wie die schon genannte Definition von Innovationen besagt: Nur erfolgreich umgesetzte Ideen dürfen als Innovationen bezeichnet werden! Oder gehen wir noch einen Schritt weiter: Entscheidend ist, dass die Innovation einen Vorteil für eine Anwendergruppe (z. B. Kunden, Mitarbeiter oder Aktionäre) haben und diese den Vorteil auch finanziell honorieren. Ansonsten müssten wir wieder von Verschwendung im Sinne der Exploitation sprechen.

Im Widerspruch zum Einstein-Mythos sind es nur selten die kreativen Genies, die uns großartige Innovationen bringen, sondern interdisziplinäre Teams. Was wir aber brauchen, sind für bestimmte Projektrollen die richtigen Teammitglieder mit adäquaten fachlichen und sozialen Kompetenzen. Egal ob Apple mit dem schon verstorbenen Steve Jobs, Amazon mit Jeff Bezos, Microsoft mit Bill Gates oder Tesla mit Elon Musk, diese Gründer und späteren Firmenchefs hätten ihre Firmen niemals ohne die entsprechenden Teams zu diesem Erfolg geführt. Sie waren weniger die „Genies“ als die notwendigen „Godfathers“ oder Machtpromotoren, wie wir sie später noch diskutieren werden.

Gemäß dem Größen-Mythos bedarf es für Innovationen viele Ressourcen. Aber warum sind dann Startups so innovativ? Warum kommen auch aus den mittelständischen Unternehmen so viele Neuerungen? Viel wichtiger als die „Masse“ an Mitwirkenden ist die „Klasse“ der einzelnen Beteiligten. Und betrachtet man die Grundregeln der agilen Methoden, so sind kleine Teams viel leistungsfähiger als große Zusammenkünfte. Oder anders formuliert: Denken Sie doch einfach mal an all die früheren „Marathon“-Sitzungen mit „Mammut“-Teams in ihren Unternehmen. Kamen wir bei diesen Projekten wirklich voran?

Betrachten wir zum Schluss noch den sog. F&E-Mythos bzw. in manchen Firmen den Chief-Digital-Officer Mythos, kurz „CDO-Mythos“. Je nach der Branchenzugehörigkeit eines Unternehmens, spielen die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen oder der CDO zwar bei der Entwicklung einer grundlegenden technischen Basis für eine Innovation eine wichtige Rolle (sog. Technology Push), aber es sind erst kundenorientierte Geschäftsmodelle (sog. Market Pull), die aus technischen Ideen echte Innovationen generieren. Und für diesen Market Pull benötigt es neben Technikern und Fans der Digitalisierung auch Experten mit Vertriebs-, Marketing-, Produktions-, Service-, Logistik-Kenntnissen. Ansonsten werden nur rein technische Ideen aber keine erfolgreichen Kundenprodukte entwickelt, was erneut eine Verschwendung von Ressourcen, und damit eine fehlende Ambidextrie bedeutet.

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Von unserem Gastautor Marcus Disselkamp ist gerade sein neues Buch „Wachstumsstrategien von Unternehmen – Wettbewerbsfähigkeit in disruptiven Zeiten sichern“ im Haufe Verlag erschienen. Mehr über ihn und sein Business Coaching finden Sie unter www.disselkamp.com. Auf den etablierten Streaming Diensten finden Sie zudem seine Podcastfolgen „Kurz Nachgedacht“ mit Themen zur Unternehmensführung in Rahmen der digitalen Transformation.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne von Marcus Disselkamp. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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