Money, Money, Money: Spekulieren statt Investieren? - Weberbank

Weberbank: „Vielleicht nicht gerade mit Kostolanys Schlaftabletten, wohl aber mit einer soliden Fundamentalanalyse sind Anleger bei der Aktienauswahl immer besser beraten.” Bild und Copyright: Kamira / shutterstock.com

Weberbank: „Vielleicht nicht gerade mit Kostolanys Schlaftabletten, wohl aber mit einer soliden Fundamentalanalyse sind Anleger bei der Aktienauswahl immer besser beraten.” Bild und Copyright: Kamira / shutterstock.com

22.02.2021 09:25 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Von Börsen-Altmeister André Kostolany wissen wir: „Kleinanleger sollten nie zocken, sondern Standardwerte und Schlaftabletten kaufen“. Diesen Rat möchte man allen Kleinanlegern geben, die sich in Internetforen abgesprochen haben, um gegen Leerverkäufer zu wetten, und plötzlich selber mit hohen Verlusten konfrontiert waren. „Um das Geschehen an der Börse auf Jahre zu vergessen, egal ob es draußen donnert oder blitzt“, geht das Zitat weiter. Einschlafen und erst nach der Pandemie wieder aufwachen würden – das würden wir angesichts der nicht enden wollenden Beschränkungen auch manchmal gerne. Aber weil das ja nicht geht, berichten wir in der heutigen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell lieber wieder über den gesundheitlichen Zustand großer Volkswirtschaften, einen Rohstoffboom und erklären, was Schaufeln mit Kryptowährungen zu tun haben.

Immer wieder geht die Sonne auf – Aufschwung erwartet

Der neue Präsident hat die Amtsgeschäfte übernommen, die dritte Ansteckungswelle ebbt ab und auch das Impfen schreitet voran. So weit, so gut für die USA. Leider kommt beim für die US-Volkswirtschaft so wichtigen Konsumenten noch immer keine gute Laune auf. Das sogenannte Verbrauchervertrauen, gemessen zum Beispiel von der University of Michigan, hat sich zwar in den letzten Monaten stabilisiert, dümpelt aber immer noch auf einem vergleichsweise sehr niedrigen Niveau herum. Zuletzt ist es sogar wieder gefallen. Schaut man sich die unverändert angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt an – gerade bei den niedrigen Einkommen –, weiß man auch warum: Noch immer fehlen rund zehn Millionen Jobs. Zumindest überraschten die Einzelhandelsumsätze im Januar positiv, was Hoffnung macht. Schon deutlich besser ist die Stimmung bei den Unternehmern. Zieht man die Einkaufsmanagerbefragungen heran, verzeichnen diese sogar neue Höchststände. Wir malen angesichts dieser Diskrepanz nicht schwarz für den US-Konsum. Insbesondere mit Blick auf die rückläufigen Krankheitsfälle und die fortschreitenden Impfungen sollte sich die wirtschaftliche Dynamik ab dem zweiten Quartal erhöhen, die insbesondere durch den Dienstleistungssektor, zum Beispiel auch den Tourismus, getragen werden sollte. Daraufhin wird sich der angeschlagene Arbeitsmarkt normalisieren und die Konsumfreude unterstützen. Die Unternehmen nehmen nun mal wie so oft vieles vorweg, während der Konsument erst noch überzeugt werden muss. Auch in Europa sind die Infektionszahlen rückläufig, wenngleich wir uns hier mit dem Impfen in vielen Staaten etwas schwerer tun. Das laufende Quartal dürfte aufgrund der virusbedingten Einschränkungen leicht schwächer ausfallen als das Vorquartal, wir erwarten aber im Zuge der Lockerungsmaßnahmen für den Frühling wieder eine höhere Wirtschaftsaktivität. Auch wenn es Behinderungen und Verzögerungen in den Lieferketten gibt – der produzierende Sektor bleibt eine Unterstützung für die europäischen Volkswirtschaften. Mit dem zu erwartenden weltweiten Aufschwung im Jahresverlauf dürfte sich die positive Entwicklung dann weiter fortsetzen.

After the Gold Rush – Rohstoffe und Bitcoins

Eine zunehmende weltweite Wirtschaftserholung schlägt sich auch in den Rohstoffmärkten nieder. Gerade China kam bekanntermaßen zügig aus der Coronakrise heraus und stillt seinen Rohstoffhunger nun wieder ungebremst. Kupfer beispielsweise, das nicht nur in der Elektrotechnik, sondern auch bei modernen Windkraftanlagen hohe Verwendung findet, notiert deutlich oberhalb der Vor-Coronaniveaus. Das Metall gilt aufgrund seiner vielseitigen industriellen Verwendung als Barometer für den gesundheitlichen Zustand der Weltwirtschaft und trägt daher auch den Beinamen „Doctor Copper“. Gleiche Preistrends wie bei Kupfer beobachten wir auch bei vielen anderen Industriemetallen. Nur der Goldpreis will nicht mehr richtig in Schwung kommen, weswegen wir unsere Engagements reduziert haben. Aufgrund der Geldschwemme der Notenbanken bleibt das Edelmetall aus unserer Sicht aber immer noch eine gute Absicherung gegen Risiken jeglicher Art. Womit wir beim Bitcoin angekommen wären. Eine Währung? Ein Rohstoff? Darüber sind sich die Kapitalmarktexperten und Regulatoren noch uneinig. Lassen wir diesen Richtungsstreit einmal beiseite und konstatieren wir, dass immer mehr Industrieunternehmen und Finanzinstitute hier eine Anlagealternative beispielsweise zu Gold sehen. Bitcoins sind heutzutage ein Anlageprodukt, so die Meinung. Wir wollen an dieser Stelle weder die aktuellen Rekordpreise noch den ökologischen Fußabdruck von Kryptowährungen bewerten und uns auf ein weiteres Kostolany-Zitat berufen: „Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in die Schaufeln“. Die zugrundeliegende Technologie, die Blockchain, ist so eine Schaufel. Oder die Computerchips, die benötigt werden, um Kryptowährungen zu erstellen und Transaktionen zu verarbeiten. Hier sehen wir langfristige Trends, die Bestand haben werden, selbst wenn sich Preise von 50.000 USD pro Bitcoin als nicht nachhaltig erweisen sollten.

Womit wir zu den weiteren Kapriolen kommen, die die Börsen zuletzt geschlagen haben. Ein neuer Trend machte die Runde, der uns an die „Occupy Wall Street“-Bewegung vor zehn Jahren erinnert – verlagert von der Straße ins Internet. Viele Privatanleger haben sich in Internetforen zusammengeschlossen, um die Kurse von zumeist kleinen und finanziell angeschlagenen Unternehmen in die Höhe zu treiben. Das Kalkül dahinter war immer ein sogenannter Short Squeeze, also das Herausdrängen von Investoren, die auf weiter fallende Kurse der betreffenden Unternehmen gesetzt hatten. Auch hier wollen wir weder den Zweck noch die Mittel bewerten. Aber innerhalb kürzester Zeit hat sich dieses Vorgehen verselbständigt, Kurse einzelner Wertpapiere explodierten und große namhafte Hedgefonds konnten nur mit Finanzspritzen überstehen. Ebenso schnell ging es mit den Kursen dann auch wieder herunter. Der Vertrauensverlust ist somit hoch, genauso wie die Verluste vieler privater Spekulanten, die ihre Aktien nicht mehr schnell genug verkaufen konnten. Vielleicht nicht gerade mit Kostolanys Schlaftabletten, wohl aber mit einer soliden Fundamentalanalyse sind Anleger daher bei der Aktienauswahl immer besser beraten. Und diese ergibt derzeit, dass sich in den meisten Branchen die Erholung fortsetzt. Gerade in den USA und in Asien werden überwiegend wieder positive Wachstumsraten verzeichnet. Auch die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr sind sehr gut, was natürlich auf der Hoffnung beruht, dass wir die Pandemie noch in diesem Jahr in den Griff bekommen werden. Langfristig schlägt fundiertes Investieren immer riskantes Spekulieren, an dieser Grundregel hat sich auch in diesem Jahr nichts geändert.

Daten zum Wertpapier: Gamestop
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Ticker-Symbol: GME
WKN: A0HGDX
ISIN: US36467W1099

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Weberbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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