BIP Deutschland: Hohe Resilienz in Q4, aber Lockdown belastet zunehmend - Nord LB
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat heute Vormittag eine vorlĂ€ufige SchĂ€tzung zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2020 veröffentlicht. Demnach konnte die Wirtschaftsleistung zum Jahresende 2020 trotz des seit Anfang November andauernden Lockdowns leicht zulegen. Das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP erhöhte sich minimal um 0,1% gegenĂŒber dem Vorquartal. Dies entspricht weitgehend den SchĂ€tzungen der zuvor befragten Volkswirte und Analysten. Zum Vorkrisenniveau bleibt noch ein Abstand von 3,9%.
Im dritten Quartal hatte sich die deutsche Wirtschaft noch sehr krĂ€ftig von dem Einbruch wĂ€hrend der ersten Coronawelle erholen können. Mit dem Beginn der zweiten Infektionswelle und den seit Anfang November mehrfach verschĂ€rften LockdownmaĂnahmen wurde dieser rasante Aufholprozess jedoch unterbrochen. Gleichwohl konnte die deutsche Wirtschaft ein erneutes Abgleiten in die Rezession â eine double-dip Recession â vermeiden.
FĂŒr die Resilienz der deutschen Wirtschaft im Herbst gibt es mehrere ErklĂ€rungen. Vor allem ist dies der hohen Dynamik in der Industrie und Bauwirtschaft zu verdanken, wodurch der teils dramatische Einbruch der wirtschaftlichen AktivitĂ€t in den besonders von KontaktbeschrĂ€nkungen betroffenen Wirtschaftsbereichen kompensiert werden konnte. Die meisten Unternehmen dĂŒrften zudem besser auf die zweite Welle vorbereitet gewesen sein, Störungen der Lieferketten blieben bislang weitgehend aus und die sehr hohe Auslandsnachfrage hat ebenfalls gestĂŒtzt.
Allerdings muss berĂŒcksichtigt werden, dass die EinschrĂ€nkungen der wirtschaftlichen AktivitĂ€t mit der VerschĂ€rfung des Lockdowns Mitte Dezember noch einmal deutlich zugenommen haben. Insofern wird das laufende Quartal schwĂ€cher verlaufen, zumal von einer VerlĂ€ngerung der EindĂ€mmungsmaĂnahmen ĂŒber die gesamten Wintermonate auszugehen ist.
Der deutsche Aktienmarkt konnte sich heute Vormittag nicht von den Verlusten der vergangenen Tage erholen, der DAX blieb vorerst unter der Marke von 13.600 Punkten. Hier scheinen aber weniger die in Nuancen besser oder schlechter ausfallenden Wirtschaftsdaten am aktuellen Rand, sondern vielmehr die Pandemieentwicklung und der Verlauf der Impfkampagnen eine entscheidende Rolle zu spielen. Nachrichten zu Virusmutanten, Produktions- und Lieferschwierigkeiten von Impfstoffherstellern und Fragen zur Impfstrategie haben die Euphorie augenscheinlich gedÀmpft.
Auch wenn die Impfkampagne aktuell âruckeltâ, gibt es weiter gute GrĂŒnde, fĂŒr die Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2021 optimistisch zu bleiben. Die LockdownmaĂnahmen scheinen zu wirken, die Zahl der Neuinfektionen sinkt deutlich. Ab dem FrĂŒhjahr rechnen wir mit einer krĂ€ftigen Zunahme der wirtschaftlichen AktivitĂ€t â sofern gröĂere RĂŒckschlĂ€ge bei den Impfungen ausbleiben. Bereits Anfang 2022 dĂŒrfte das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden. FĂŒr 2021 rechnen wir mit einem BIP-Wachstum von 3,5%, fĂŒr 2022 sogar mit einem Plus von rund 4%. Bis zur vollstĂ€ndigen Ăberwindung der Pandemie bleibt aber eine UnterstĂŒtzung durch Fiskal- und Geldpolitik notwendig.
Fazit: Die deutsche Wirtschaft hat sich bis zum Jahresende als sehr widerstandsfĂ€hig erwiesen. Trotz des Lockdowns legte das reale Bruttoinlandsprodukt sogar leicht um 0,1% zum Vorquartal zu. Ein erneutes Abtauchen in die Rezession ist somit abgewendet, allerdings werden die Belastungen des Lockdowns im ersten Quartal nicht mehr vollstĂ€ndig zu kompensieren sein. Nach einem RĂŒckgang des BIP in Q1 ist aber eine beschleunigte Erholung wahrscheinlich, wir erwarten ein BIP-Wachstum von 3,5% fĂŒr 2021. Alle Anstrengungen sind nun auf eine erfolgreiche und schnelle Impfkampagne auszurichten. Dies ist und bleibt der entscheidende Faktor im Kampf gegen die Pandemie und fĂŒr eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung von der Coronakrise.
