FOMC: Kein baldiges Ende von QE! Ansonsten: Mehr Risiken nach unten & oben! - Nord LB

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28.01.2021 11:23 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Die gestrige Sitzung der Federal Reserve hat wenig richtig Neues gebracht. Die US-Notenbanker halten ihre expansiven Maßnahmen angesichts anhaltend hohen Infektionszahlen, den Restriktionen des öffentlichen Lebens und der verbreiteten Verunsicherung komplett bei. Davon war aber auch auszugehen. So blieben die obere Bandbreite des Leitzinses bei 0,25% und die Anleiheaufkäufe bei monatlich USD 120 Mrd. Da im Anschluss an die erste Sitzung des Quartals traditionell keine aktualisierten Projektionen veröffentlicht werden, standen allein das FOMC-Statement und die Pressekonferenz von Notenbankpräsident Jerome Powell im Fokus der Marktteilnehmer.

Im FOMC-Statement gab es nur geringe Anpassungen: Wurde bisher angegeben, die Erholung der wirtschaftlichen Aktivität und auf dem Arbeitsmarkt hätten sich zuletzt fortgesetzt, so hieß es nun etwas stärker in Moll-Tönen verfasst, dass der „Erholungsprozess in den letzten Monaten etwas langsamer ausgefallen“ sei und vor allem die Sektoren, die von den Restriktionen betroffen seien, am meisten leiden würden. Hinzugefügt wurde, dass die weitere konjunkturelle Entwicklung nicht nur von der Ausbreitung des Virus, sondern zusätzlich von den „Fortschritten bei den Impfungen“ abhängen werde. Dieser Zusatz könnte einen Hauch von Optimismus im Statement andeuten. Dagegen laste die Pandemie auf Wirtschaftsleistung, Beschäftigung und Inflation nun nicht mehr nur „kurzfristig“. Zudem berge sie nicht nur Risiken „auf mittelfristige Sicht“. Beide konkreten Zeitangaben wurden im Statement gestrichen. Offenbar hält die Notenbank nun auch mittel- oder gar langfristige Belastungen für möglich sowie kurz- oder gar langfristige Risiken für den Konjunkturausblick (nach unten aber auch nach oben). Hier hat sie mehr Raum für Spekulationen geöffnet!

Ansonsten blieb es bei den erst im Dezember adjustierten Aussagen, dass die Wertpapierkäufe im Umfang von monatlich USD 120 Mrd. fortgesetzt würden, „bis substanzielle weitere Fortschritte" auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht seien. Es bleibt bei der schon im Dezember offenen Frage, was ganz konkret „substantielle weitere Fortschritte“ sind. Makroökonomische Bedingungen möchte die Notenbank in diesem Zusammenhang offenbar nicht nennen.

In der Pressekonferenz fügte Jerome Powell noch an, falls es kurzfristig im Rahmen der Wiederöffnung der Wirtschaft zu einem Anstieg der Inflationszahlen komme, werde die Federal Reserve dies als vorübergehendes Phänomen ansehen und „geduldig“ abwarten. Befragt zu der voraussichtlichen Reduzierung des Aufkaufprogramm antwortete der Notenbankchef, es werde noch „einige Zeit“ dauern, bis die Schwelle für Anpassungen erreicht sei. Die USA sei noch weit entfernt von einer vollständigen Erholung, so dass Diskussionen über einen Ausstieg verfrüht seien.

Die Federal Reserve strahlt weiterhin Ruhe im Sturm aus. Sie ist gewissermaßen „gefangen“ in den auch von Jerome Powell betonten Extrema einerseits der „Negativrisiken“ von der anhaltend starken Virusausbreitung und andererseits der „Positivrisiken“ der Impfungen. Je nachdem, welches Szenario eintritt, wird sich die Federal Reserve dann auch geldpolitisch ausrichten. Dennoch wird sie unverändert und auf Jahre hinaus eine sehr expansive Geldpolitik verfolgen. Ein Tapering ist unseres Erachtens frühestens in 2022 angesagt – die Diskussionen darüber könnten aber je nach Konjunkturverlauf natürlich auch bereits im 2. Halbjahr 2021 an Fahrt aufnehmen.

Fazit: Auch nach ihrer gestrigen Sitzung hält die Federal Reserve ihre expansiven Maßnahmen komplett bei. Davon war aber auszugehen. So blieben die obere Bandbreite des Leitzinses bei 0,25% und die Anleiheaufkäufe bei monatlich USD 120 Mrd. Letztere würden fortgesetzt, „bis substanzielle weitere Fortschritte" auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht seien. Powell betonte die Extrema einerseits der „Negativrisiken“ von der Virusausbreitung und andererseits der „Positivrisiken“ der Impfungen. Je nachdem, welches Szenario eintritt, wird sich die Federal Reserve dann geldpolitisch ausrichten. Ein Tapering ist unseres Erachtens frühestens in 2022 angesagt – die Diskussionen darüber könnten aber je nach Konjunkturverlauf bereits im 2. Halbjahr 2021 an Fahrt aufnehmen.

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