US-Arbeitsmarktdaten Dezember 2020: Die Pandemie ist zurück, die Wirtschaft passt sich an - DWS Kolumne

DWS: „Positiv zu vermerken ist, dass die güterproduzierende Industrie weitere 93.000 Arbeitsplätze geschaffen hat. Diese Zahlen könnten in der Tat die Geschichte einer Volkswirtschaft erzählen, die beginnt sich an die Pandemie anzupassen.” Bild und Copyright: Uwe Aranas / shutterstock.com.

DWS: „Positiv zu vermerken ist, dass die güterproduzierende Industrie weitere 93.000 Arbeitsplätze geschaffen hat. Diese Zahlen könnten in der Tat die Geschichte einer Volkswirtschaft erzählen, die beginnt sich an die Pandemie anzupassen.” Bild und Copyright: Uwe Aranas / shutterstock.com.

09.01.2021 15:05 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Der Rückgang der Gesamtbeschäftigung außerhalb der Landwirtschaft um 140.000 Stellen zeigt unmissverständlich, dass die Pandemie wieder im Mittelpunkt des Geschehens steht. Die Zahl der Beschäftigten in der Privatwirtschaft sank um 95.000 - vor allem der Dienstleistungssektor wurde mit einem Rückgang um 188.000 Stellen erneut hart getroffen. Dies ist zwar nicht vergleichbar mit der Entwicklung Anfang 2020, erinnert uns jedoch deutlich daran, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist.

Der Verlust an Arbeitsplätzen war allerdings ungleichmäßig verteilt. Das Freizeit- und Gastgewerbe war mit einem Verlust von 498.000 Stellen erneut das Epizentrum der Tragödie, während Unternehmensdienstleistungen (+161.000), Handel und Transport (+191.000) und überraschenderweise auch der Einzelhandel (+121.000) die Beschäftigung sogar ausbauen konnten. Positiv zu vermerken ist, dass die güterproduzierende Industrie weitere 93.000 Arbeitsplätze geschaffen hat. Diese Zahlen könnten in der Tat die Geschichte einer Volkswirtschaft erzählen, die beginnt sich an die Pandemie anzupassen. Diese optimistische Einschätzung findet eine gewisse Unterstützung, betrachtet man die umfragebasierten Arbeitsmarktdaten. Die Gesamtbeschäftigung blieb mit rund 149 Millionen Personen recht stabil und auch die Arbeitslosigkeit veränderte sich kaum: die Arbeitslosenquote verweilt bei 6,7%. Die Kehrseite der Medaille ist, dass viele Menschen anscheinend weiterhin außerhalb der Arbeitsbevölkerung verbleiben – sei es, weil sie entmutigt sind oder einfach keine Möglichkeit haben, nach einem Arbeitsplatz zu suchen. Die Partizipationsrate blieb dementsprechend auf einem niedrigen Niveau von 61,5%, verglichen mit etwas über 63% vor der Krise.

Unsere positive Einschätzung der jüngsten Arbeitsmarktdaten wird noch immer von der hohen Sensitivität der auf Dienstleistungen ausgerichteten Wirtschaft hinsichtlich eines exogenen Schock namens Covid-19 überschattet. Kurzfristigen bleiben die Aussichten für den US-Arbeitsmarkt alles andere als optimistisch. Wir erwarten, dass die Pandemie die Beschäftigung weiter dämpfen wird. Angesichts der möglichen Saisonalität der Pandemie, ganz zu schweigen von den Fortschritten bei den Impfungen, gibt es zumindest Licht am Ende des Tunnels – irgendwann in den Sommermonaten dieses Jahres. Bis dahin bleibt die Hoffnung auf weitere fiskalische Hilfe sicherlich groß, und auch die US Notenbank wird höchstwahrscheinlich alles tun, um die Erholung weiterhin zu unterstützen.

Autor: Christian Scherrmann, Volkswirt USA

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