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Die Lederhose vor dem Laptop - mit Airbnb und TUI - Börse München Kolumne

Ulrich Kirstein mit der Presseschau der Woche. Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Ulrich Kirstein mit der Presseschau der Woche. Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

12.12.2020 09:09 Uhr - Autor: Ulrich Kirstein  Ulrich Kirstein auf Twitter auf Twitter 

Der Höhepunkt der Woche war zweifellos der „Mega-Börsengang in New York“ (Handelsblatt) von Airbnb. „Investoren überrennen Start-up Airbnb“ war dazu in der Börsen-Zeitung zu lesen, interessanterweise als Unterzeile zu „Tui hofft auf Belebung im Reisemarkt“. Denn während Airbnb zumindest kurzfristig an der Börse 100 Mrd. Euro wert war, fuhr Tui einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro ein! An zweiter Stelle der börslichen Bedeutungsskala lag die Sitzung der EZB mit der Ankündigung, noch mehr Geld für einen noch längeren Zeitraum in die europäische Wirtschaft zu pumpen: „EZB stockt Krisenprogramm um 500 Milliarden Euro auf“ hieß es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dazu; oder EZB stellt Finanzministern Blankoscheck aus", wie Die Welt es nannte. „Keine Wunderdinge“ seien davon allerdings zu erwarten, mahnte Mark Schrörs in seinem Kommentar in der Börsen-Zeitung an. Ein Selbstläufer ist der wirtschaftliche Aufschwung eher nicht.

Rohstoff-Rally

Zwei unterschiedliche Asset-Klassen bewerben Börse Online und Focus Money: Erstere setzt auf ein „Comeback der Rohstoffe“, letztere auf einen „Dax über 14.000 bis Silvester“. „Kupfer, Nickel, Lithium & Co“ seien wieder gefragt, so Börse Online und stellt dazu auch Minenaktien vor. Wenn wir an Silvester schon nicht mit Böllern und Freunden feiern dürfen, dann dürfen wir uns zumindest über einen stattlichen Dax freuen, so wohl der Hintergedanke der Focus Money-Redaktion, die „die besten Aktien für die Rally“ vorstellt. Eine dritte Asset-Klasse bringt die EURO ins Spiel: den „Betongold-Boom“ mit „starken Immo-Investments“.

Tracht und Tradition

Eine Branche traf und trifft der Lockdown, ob nun light oder extra dry, besonders hart: Die Trachtenbranche! Das Handelsblatt widmet deshalb einem „Brandbrief“ der Trachtler ihre Aufmerksamkeit. Bis zu 80 Prozent Umsatzrückgang verzeichnet der größte Trachtenhändler Münchens, Angermaier, so dessen Chef Axel Munz. Warum? Weil ein Großteil des Geschäfts rund um das Oktoberfest gemacht werde – dazu muss selbiges aber auch stattfinden. Nun wendet sich die Branche an die Politik, weil sie „nicht nur Bekleidung herstellt und verkauft, sondern die Tradition erhält, die Zusammengehörigkeit erzeugt in den Städten und in den kleinen Gemeinden und Vereinen, die für ein modernes bayerisches Bild in der Welt sorgt“, heißt es in Brief und Zeitung. Fraglich ist allerdings, ob in Städten wie New York, Melbourne oder Tokio die Tracht auch jenseits des aktuellen Wiesnbesuchs getragen wird, um die Modernität Bayerns zu feiern.

Input zum Outfit

Selbstverständlich können Sie in Dirndl oder Lederhose im Homeoffice vor dem Laptop sitzen. Zumindest findet die Tracht im „Mode-Knigge: Der Dresscode fürs Homeoffice“, den Capital veröffentlichte, nicht statt. Man darf, so der Knigge, auch im Homeoffice „formell“ gekleidet sein, muss aber nicht. Aber: sie sollten mit dem, was sie anhaben (oder nicht anhaben), jederzeit an die Türe gehen können, wenn es klingelt! Der Experten-Tipp lautet: Was man am Casual Friday im Büro tragen darf, eignet sich auch fürs Home Office. Und, für Anrufe mit dem Chef sollte man und frau vielleicht doch mal zu Kostüm oder Anzug greifen, denn „so, wie Kleidung nach außen wirkt, wirkt sie auch nach innen“. Ob allerdings die guten Anzüge nach langer Zeit im Home Office und Lockdown noch passen, wenn es wieder ins Büro geht, ist die andere Frage. Denn was innen wirkt, trägt auch außen auf, so unsere Erfahrung.

Bürokratische Intelligenz

Also, normalerweise zitieren wir nicht aus Pressemeldungen, aber hier wollten wir doch einmal eine Ausnahme machen. Die Firma Tilde, ein „Sprachtechnologie-Unternehmen“, wirbt damit, dass sie per Künstlicher Intelligenz sogar das Bürokratendeutsch der EU übersetzen könne – also aus dem Deutschen in die 24 Amtssprachen der EU. Fest machte sie das an den „längsten Wörtern“ mit bis zu 53 Buchstaben! Welches Wort das war? Hier bitte schön: „Hochgeschwindigkeitspräzisionsanpflanzungstechnologie”! Nicht gelungen ist es der künstlichen Intelligenz offensichtlich, Bürokratendeutsch in richtiges Deutsch zu übersetzen – da müsste vielleicht an der menschlichen Intelligenz gefeilt werden.

Autor der Presseschau: Ulrich Kirstein, Bayerische Börse AG

Daten zum Wertpapier: Börse München

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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