Corona und der Aktienmarkt: Debatten über die „zweite Welle“ - Börse München Kolumne

Robert Ertl, Chef der Börse München: „Die wieder stärker gewordenen Sorgen angesichts deutlich steigender Infektionszahlen und Debatten über „zweite Welle“ und neue Gegenmaßnahmen könnten auch in den kommenden Tagen auf die Stimmung an den Märkten drücken.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Robert Ertl, Chef der Börse München: „Die wieder stärker gewordenen Sorgen angesichts deutlich steigender Infektionszahlen und Debatten über „zweite Welle“ und neue Gegenmaßnahmen könnten auch in den kommenden Tagen auf die Stimmung an den Märkten drücken.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

28.09.2020 10:15 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Corona-Sorgen schlagen Konjunkturdaten: Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche erhebliche Kursverluste verzeichnet. Vor allem zu Beginn der Handelswoche flohen die Anleger in großem Still aus Aktieninvestments, die Kurse sackten ab. Ursächlich hierfür waren die stark gestiegenen Corona-Infektionszahlen in Europa und die damit einhergehenden Ängste vor weiteren Gegenmaßnahmen, die wiederum die Wirtschaft erheblich beeinträchtigen dürften. Auch am vergangenen Freitag ging es aus diesem Anlass nochmals spürbar bergab. Zwischenzeitlich führten zwar einige besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten zu steigenden Kursen, die Erholungstendenzen blieben aber überschaubar.

Im Wochenvergleich rutschte der deutsche Aktienindex (Dax) um 4,9 Prozent ab auf 12.469,20 Punkte. Größte Indexverlierer waren einmal mehr die Titel von MTU Aero Engines, der Triebwerkhersteller leidet besonders unter den Folgen der Pandemie. Auch die Titel der Deutschen Bank büßten weit überdurchschnittlich ein, hier belasteten unter anderem die Nachrichten über Geldwäscheverdachtsmeldungen des US-Finanzministeriums, die so genannten „FinCEN Files". Der MDax verlor im Wochenvergleich 3,9 Prozent auf 26.452,76 Zähler zu. Der TecDax gab 3,3 Prozent auf 3.015,51 Punkte ab. Der m:access All-Share sank um vergleichsweise moderate 2,4 Prozent auf 2.819,66 Zähler, hier wirkte sich ein kräftiger Wochengewinn beim Indexwert Artec Technologies positiv aus.

Die deutschen Anleihemärkte haben in der vergangenen Woche von der Verunsicherung der Anleger profitiert und etwas angezogen. Dabei trieben vor allem zu Beginn und Ende der Handelswoche die Sorgen der Anleger die Kurse der als sicher geltenden Bundespapiere. Zwischenzeitliche Entspannungssignale wie festere Wirtschaftsdaten brachten die Bundestitel nur kurzzeitig unter leichten Druck. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe sank im Wochenvergleich von -0,49 auf -0,53 Prozent. Die Umlaufrendite reduzierte sich von -0,50 auf -0,52 Prozent.

An den US-Aktienbörsen hat eine kräftige Erholung bei den Technologiewerten zu Ende der Handelswoche zu einer Eindämmung von Verlusten gesorgt, beim technologielastigen Nasdaq-100 führte sie sogar zu einem Wochengewinn von 2,0 Prozent auf 11.151,13 Punkte. Der Dow-Jones-Index dagegen gab im Wochenvergleich um 1,7 Prozent auf 27.173,96 Zähler nach, bis zum vergangenen Freitag betrug sein Wochenminus allerdings teils deutlich mehr als zwei Prozent. Der breiter gefasste S&P-500-Index reduzierte sich im Wochenvergleich um 0,6 Prozent auf 3.298,46 Punkte.

Ausblick

Corona – auch in der aktuellen Woche könnte das der bestimmende Einfluss für die deutschen Aktienmärkte sein. Nachdem es noch jüngst schien, als ob sich die Anleger weitgehend mit der Pandemie und ihren vielfältigen Folgen arrangiert hätten, zeigte sich in der vergangenen Woche das Gegenteil. Die wieder stärker gewordenen Sorgen angesichts deutlich steigender Infektionszahlen und Debatten über „zweite Welle“ und neue Gegenmaßnahmen könnten auch in den kommenden Tagen auf die Stimmung an den Märkten drücken. Viele Marktteilnehmer fürchten derzeit, dass die konjunkturelle Erholung vom Corona-Schock doch nicht so stabil sein könnte wie zuletzt erhofft. Für zusätzliche Unsicherheit sorgen zudem die näher rückende Präsidentschaftswahl in den USA sowie der schwelende Konflikt zwischen den USA und China. Zudem dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis das Thema Brexit wieder ins Bewusstsein der Anleger rückt.

Auf der anderen Seite gibt es Experten-Stimmen, die darauf hinweisen, dass bei weiter sinkendem Kursniveau die Zahl der sogenannten „Schnäppchenjäger“ die derjenigen übersteigen dürfte, die zu niedrigeren Kursen noch verkaufen – ein Auftrieb an den Märkten wäre die Folge. Als sicher gilt aber sowohl bei den Markt-Optimisten als auch bei den -Pessimisten, dass die Nervosität der Marktteilnehmer und damit auch die Volatilität bis auf weiteres hoch bleiben dürften.

Neben solchen generellen Erwägungen dürften die zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten in den kommenden Tagen eine Rolle an den Märkten spielen, zumal die Agenda hier gut gefüllt ist. Hierzulande dürften die Marktteilnehmer dabei vor allem auf die Einkaufsmanagerindizes und Inflationszahlen blicken. Noch interessanter wird es beim Blick auf die USA: Da stehen die Arbeitsmarktzahlen im Fokus, hinzu kommen Daten zu den persönlichen Konsumausgaben und dem Immobilienmarkt.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag. 28.09.: Dallas Fed Herstellungsindex (USA)
Dienstag, 29.09.: Verbraucherpreise in Deutschland; Geschäftsklima in der Eurozone; US-Verbrauchervertrauen; Handelsbilanz der USA
Mittwoch, 30.09.: Arbeitslosenzahlen für Deutschland; Einzelhandelsumsätze in Deutschland; Importpreise für Deutschland; Verbraucherpreise für die Eurozone; Bruttoinlandsprodukt der USA; ADP-Arbeitsmarktbericht (USA); Persönliche Konsumausgaben in den USA; Chicagoer Einkaufsmanagerindex (USA); Schwebende Hausverkäufe in den USA; Einkaufsmanagerindex für das nicht-produzierende Gewerbe in China, Caixin-Produktionsindex für China
Donnerstag, 01.10.: Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; Arbeitslosenzahlen für die Eurozone; Erzeugerpreise in der Eurozone; ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA; Persönliche Einkommen und Ausgaben in den USA
Freitag, 02.10.: US-Arbeitsmarktbericht; Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (USA); Werkaufträge in den USA

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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