wallstreet:online: „Das sind beeindruckende Werte“

Stefan Zmojda, Vorstandschef von wallstreet:online, im Gespräch mit der 4investors-Redaktion unter anderem zum neuen Smartbroker. Bild und Copyright: wallstreet:online.

Stefan Zmojda, Vorstandschef von wallstreet:online, im Gespräch mit der 4investors-Redaktion unter anderem zum neuen Smartbroker. Bild und Copyright: wallstreet:online.

25.05.2020 07:36 Uhr - Autor: Johannes Stoffels  Johannes Stoffels auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Vor der Krise stand die Aktie von wallstreet:online bei fast 60 Euro, dann sackte das Papier auf unter 26 Euro ab. Inzwischen notiert die Aktie der Berliner wieder fast auf dem Vorkrisenniveau. Der Markt sieht das Kursminus inzwischen offenbar als völlig übertrieben an, will w:o doch weiter kräftig wachsen.

Der neu gestartete Smartbroker übertrifft die Erwartungen, im Werbegeschäft gibt es keinen Einbruch. Welche Pläne und Perspektiven wallstreet:online in diesen komplizierten Zeiten hat, erläutern Stefan Zmojda, Vorstandschef von wallstreet:online, und Thomas Soltau, Chef von wallstreet:online capital, im Exklusivinterview mit der Redaktion von 4investors.de. Dabei sprechen die Manager die Prognose an, sie gehen auf die weitere (Gebühren)Entwicklung beim Smartbroker ein und reden über eine Mehrmarken-Strategie.


www.4investors.de: In den vergangenen Wochen hat es bei wallstreet:online eine Vielzahl von neuen Entwicklungen gegeben. Was war für sie, abgesehen von den Entwicklungen rund um den Smartbroker, der bedeutendste Schritt?

Zmojda:
Unsere Unternehmen rücken enger zusammen, was man unter anderem daran erkennt, dass wir gerade in Berlin ein neues Büro einrichten. Die Wege werden kürzer und die Abstimmung leichter. Außerdem planen wir, unsere Anteile an der wallstreet:online capital AG von derzeit ca. 42 Prozent auf etwas über 70 Prozent aufzustocken. Eine entsprechende Option haben wir Ende März ausgeübt. Der Kauf muss allerdings noch im Rahmen eines Inhaberkontrollverfahrens von der BaFin genehmigt werden.

www.4investors.de: Wie sieht es in diesen Tagen mit Corona aus? Beeinflusst die Pandemie ihre Werbeeinnahmen?

Zmojda:
Die Entwicklungen rund um Corona haben auch uns einige Herausforderungen beschert. Ich denke da in erster Linie an unsere Mitarbeiter, die wir innerhalb weniger Tage mit den notwendigen Geräten für die Arbeit im home office ausgerüstet haben. Ich persönlich bin positiv überrascht, wie gut die Abstimmung per Telefon und Videokonferenz funktioniert. Das bedeutet, dass wir voll einsatzfähig sind. Unsere Zentralredaktion produziert nach wie vor täglich hochwertige Beiträge, in den Foren und unseren Börsenportalen stellen wir sogar eine deutlich erhöhte Aktivität fest. Werbekunden sehen so etwas und schalten daher weiter Anzeigen. Ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Portalen ist unsere hochwertige Zielgruppe, die in der Regel über ein stabiles und hohes Einkommen verfügt.

www.4investors.de: Sie haben sich im April von ihren Anteilen an der Trade Republic Bank getrennt und dafür 3,5 Millionen Euro erhalten. Der außerordentliche Ertrag aus diesem Verkauf liegt bei 2,7 Millionen Euro. Winkt hier den Aktionären eine Sonderdividende?

Zmojda:
Derzeit ist keine Sonderdividende geplant.

www.4investors.de: Statt auf Trade Republic setzen sie jetzt auf den Smartbroker. Der Online-Broker übertrifft aus ihrer Sicht alle Erwartungen. Geplant waren 30.000 Kunden bis Ende 2020. Doch die neuen Prognosen gehen von 60.000 Kunden aus. Für das entsprechende Marketing wollen sie 2020 5,8 Millionen Euro ausgeben. Was ist mit dem Geld vorgesehen?

Soltau:
Das Geld ist nicht nur für Marketingmaßnahmen gedacht. Wir haben erst vor wenigen Wochen das Team am Service-Telefon mit mehreren Mitarbeitern verstärkt, um die gute Erreichbarkeit auch in Zukunft sicherstellen zu können. Außerdem investieren wir in die technische Infrastruktur und diverse Verbesserungen, z.B. in unseren Webauftritt und die Optimierung der Nutzeroberfläche. Dazu kommen die bereits angesprochenen Ausgaben in der Kundengewinnung. Wer in den vergangenen Wochen den Fernseher eingeschaltet hat, wird sicherlich hier und da mal auf Smartbroker-Werbung gestoßen sein. Und natürlich werben wir auch in den sozialen Medien, schalten Anzeigen in Fachzeitschriften, betreiben Affiliate-Partnerschaften.

www.4investors.de: Es gab zuletzt so viele Neuanträge, dass sie nicht alle sofort beantworten konnten. Haben sie diesen Engpass bei den Neukunden abarbeiten können?

Soltau:
Glücklicherweise ja. Seit heute sind alle „alten“ Anträge vom Tisch. Wir konnten zahlreiche Prozesse in der Depotbearbeitung optimieren, außerdem haben wir uns personell verstärkt, was angesichts der Corona-Einschränkungen etwas länger gedauert hat. Inzwischen sind wir aber so eingespielt, dass wir auf neue Depotanträge sehr schnell reagieren können. Aktuell gehen wir davon aus, dass unsere Kunden innerhalb weniger Tage mit dem Trading beginnen können.

www.4investors.de: Vor wenigen Tagen haben sie einen Kooperationsvertrag mit der Volkswagen Bank abgeschlossen, der ihnen rund 30.000 Kunden bringt. Stehen weitere Kooperationsverträge dieser Art auf der Agenda?

Soltau:
Grundsätzlich konzentrieren wir uns auf das organische, aktuell derzeit sehr starke Wachstum. Aber natürlich sind wir immer offen für neue Gelegenheiten und schauen uns solche Chancen, von denen beide Seiten profitieren, gerne genauer an.

www.4investors.de: Sie haben die Gebühren für den Smartbroker für einige Transaktionen auf 0 Euro gesenkt. Da kann aber noch mehr kommen, oder?

Soltau:
Davon gehen wir fest aus. Unser Ziel lautet: Trading so günstig wie möglich anzubieten. Wenn sich also in den kommenden Monaten bessere Konditionen aushandeln lassen, werden wir diese Chance sicherlich nutzen und die Vorteile an unsere Kunden weitergeben. Für den Moment haben wir aus meiner Sicht aber bereits ein äußerst attraktives Angebot. Wir sind der einzige Online-Broker im deutschsprachigen Raum, der ein umfangreiches Sortiment mit einer Zero-Fee verbindet. Bedenken sie bitte auch, dass wir erst vor einem halben Jahr gestartet sind. Von uns wird man noch häufiger hören.

www.4investors.de: Und wie verdienen sie mit dem Smartbroker Geld?

Soltau:
Wir verdienen vor allem deshalb Geld, weil wir die Kosten sehr niedrig halten. Im Gegensatz zu anderen Mitbewerbern müssen wir keinen kompletten Bankbetrieb mitfinanzieren. Wir haben keine Filialen und kommen mit vergleichsweise wenig Mitarbeitern aus. Die Büros waren schon da, die meisten Angestellten auch. Unser Unternehmen ist bereits seit 20 Jahren im Verkauf von Kapitalanlageprodukten aktiv. Wir können daher auf gewachsene Partnerschaften zurückgreifen und profitieren von attraktiven Einkaufsvorteilen.

www.4investors.de: Welchen Marktanteil wollen sie mit dem Smartbroker Ende 2021 erreichen? Wo sollen dann die Assets under Management stehen?

Soltau:
Dazu möchten wir zu diesem Zeitpunkt noch keine genaue, verlässliche Auskunft geben. Zunächst einmal gilt es, bis Ende des Jahres 60.000 Kunden zu gewinnen und hier sind wir auf einem sehr guten Weg.

Thomas Soltau, Chef von wallstreet:online capital.

Thomas Soltau, Chef von wallstreet:online capital.

www.4investors.de: Wird das Angebot des Smartbrokers noch stärker ausgedehnt werden? Wird die Kooperation mit FondsDISCOUNT.de noch enger?

Soltau:
Wir verfolgen eine klassische Mehrmarken-Strategie. Das bedeutet: FondsDISCOUNT.de ist ein erfolgreiches Portal, das eigenständig und unabhängig vom Smartbroker agiert. Das gilt umgekehrt selbstverständlich auch für den Smartbroker – obwohl es natürlich bei beiden Marken Schnittmengen gibt. Wir vermitteln beispielsweise FondsDISCOUNT.de-Kunden an den Smartbroker. Uns ist jedoch wichtig, dass beide Portale auch zukünftig ihre individuellen Stärken ausspielen und die jeweiligen Zielgruppen ansprechen. Darüber hinaus wollen wir mit beiden Marken eine umfangreiche Produktvielfalt anbieten – und zwar auch im Segment der Broker.

www.4investors.de: Momentan fokussiert sich aus Sicht der Öffentlichkeit bei w:o alles auf den Smartbroker. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass sie das Portalgeschäft etwas vernachlässigen?

Zmojda:
Nach außen mag es vielleicht so aussehen, aber der Eindruck täuscht. Wir arbeiten ständig an unseren Webauftritten und der stärkeren Verzahnung der unterschiedlichen Angebote. Anfang des Jahres haben wir zum Beispiel die Startseite von wallstreet-online.de modifiziert, für unsere Partner-Emittenten beim Smartbroker haben wir individuelle und dynamische Produktintegrationen entwickelt. Außerdem haben wir in den vergangenen Monaten eine Instagram-Seite aufgebaut, der inzwischen knapp 10.000 Menschen folgen. Seit Januar haben wir zwei neue Redakteure eingestellt – wir können also inzwischen mehr Content anbieten. Unsere Reichweite ist entsprechend stark gestiegen. Im April hatten wir auf allen Seiten 271 Millionen Seitenaufrufe. Das sind beeindruckende Werte, die sich auch in der Vermarktung bezahlt machen.

www.4investors.de: Laut Prognose rechnen sie 2020 mit einem Umsatz von 22 Millionen Euro bis 26 Millionen Euro. Das EBITDA soll zwischen 3,0 Millionen Euro und 3,6 Millionen Euro liegen. In früheren Jahren gab es bei w:o die Tradition, dass die Prognose im Jahresverlauf mehrfach nach oben modifiziert werden musste. Setzt sich dies auch 2020 fort?

Zmojda:
Das hängt jetzt vor allem davon ab, wie es mit dem Corona-Virus weitergeht. Bislang verzeichnen wir keine Werbeeinbußen, aber wir wollen lieber vorsichtig rechnen. Außerdem haben wir sehr hohe Ausgaben im Zusammenhang mit dem Smartbroker.

www.4investors.de: Sind sie nach den Käufen von ariva, finanznachrichten und boersennews bei den Finanzportalen weiter auf Einkaufstour? Oder sind sie auch an Webseiten aus anderen Bereichen interessiert?

Zmojda:
Zunächst einmal wollen wir unsere Zukäufe aus den letzten beiden Jahren stärker in die Unternehmensgruppe einbinden und Potenziale heben. Dazu gehört auch eine 90-Prozent-Beteiligung an der Smart Investor GmbH, die das Anlegermagazin „Smart Investor“ herausgibt. Übrigens erhalten alle Smartbroker-Kunden bis Ende des Jahres den „Smart Investor“ als kostenloses ePaper.

www.4investors.de: Ihre Portale sind auf den deutschsprachigen Raum beschränkt. Bleibt es bei dieser Ausrichtung oder könnte w:o international expandieren?

Zmojda:
Wir beschränken uns auch künftig auch den deutschsprachigen DACH-Raum.

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