Blockchain: Viel mehr als Bitcoin, Ethereum und Co.!

Buchautor Marcus Disselkamp ist Gastautor von 4investors zu dem Themenkomplex der Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten der Digitalen Transformation. Bild und Copyright: Marcus Disselkamp.

Buchautor Marcus Disselkamp ist Gastautor von 4investors zu dem Themenkomplex der Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten der Digitalen Transformation. Bild und Copyright: Marcus Disselkamp.

05.05.2020 14:16 Uhr - Autor: Marcus Disselkamp  Marcus Disselkamp auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Zu den derzeit wohl interessantesten neuen digitalen Technologien zählt die Blockchain. Und sie ist viel mehr als nur die Grundlage vieler Kryptowährungen, also digitaler Währungen wie Bitcoin, Ethereum und Co. Auch wenn gerade um diese Währungen – und vor allem um deren Kursentwicklungen – ein wahrer Hype entstanden ist, so repräsentiert die Blockchain-Technologie generell ein enormes Potenzial für Produkt-, Prozess- und Geschäftsmodellinnovationen.

Blockchain ist zuerst einmal ein Transaktionsprotokoll zum sicheren Senden, Speichern, Empfangen und Verarbeiten von digitalen Daten. Grundidee der Blockchain-Technologie ist eine Art dezentrale Datenstruktur, gekoppelt mit einer Unveränderlichkeit der Datensätze und absoluter Transparenz. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Einträge, also ihre jeweiligen Datensätze und Transaktionen, in Blöcken zusammengefasst, als Kette aneinandergereiht und so gespeichert werden. Die zudem (kryptisch-) verschlüsselte Datenkette wird immer auf einer Vielzahl von Rechnern gleichzeitig und simultan abgespeichert (Redundanz). Kommt nun eine weitere Dateninformation zu der Kette hinzu, prüfen alle Rechner, ob der neue Datenblock zutreffen kann. Die Authentizität der Datenbankeinträge wird unwiderruflich sichergestellt. Die Blockchain funktioniert wie ein digitales Grundbuch, in dem zu jeder digital abbildbaren Vereinbarung zwischen zwei Parteien sämtliche Informationen unmanipulierbar aufgezeichnet und verschlüsselt in einem dezentral organisierten Netzwerk abgespeichert werden. Aktuell absolut sicher und immer verfügbar.

Was also bringt nun dieses Transaktionsprotokoll namens Blockchain? Zuerst einmal können jegliche Art von digitalen Daten derart zwischen zwei Parteien ausgetauscht werden, dass a) jeder der beiden Partner sicher sein kann, diese Daten von dem korrekten Partner erhalten zu haben und b) dass der Inhalt der Daten korrekt sind. Damit bekommt der gesamte elektronische Datenaustausch (kurz: EDI – Electronic Data Interchange) eine vollkommen neue Dimension. Rechnungen, Bestellungen, Design- und Marketingvorlagen, Reklamationen, Artikel-, Personen- und Lieferdaten werden effizienter als bisher übermittelt. Die elektronische Identifikation von Personen wird sicherer, was bei elektronischen Wahlen, Zahlungsvorgängen und Geschäftstransaktionen von hoher Bedeutung ist.

Das hat viele Konsequenzen: Kosteneinsparungen, Geschwindigkeit und Datensicherheit. Doch manche etablierten Geschäftsmodelle werden auch toxisch, also vergiftet. Hier kommt es wieder zu dem – in meinen früheren 4Investors Beiträgen erwähnten - Effekt der Disintermediation: Es braucht langfristig keine neutralen Intermediäre mehr, wie Banken, Makler, Händler oder gar Notare und Ämter, um die an einer Transaktion interessierten Seiten zusammen zu bringen und für die Gültigkeit eines Geschäftes einzustehen. Dank Blockchain können sich die Verkäufer und Käufer von Waren und Dienstleistungen direkt vertrauen, ohne dass sie einen Intermediär als Vertrauensperson benötigen.

Und noch eine Blockchain basierte Errungenschaft wirkt auf den Megatrend der Disintermediation: Smart Contracts, also automatisierte Vertragsabwicklungen. Smart Contracts können die Logik vertraglicher Regelungen, wie Service-Level-Agreements oder digitale Kaufverträge, technisch abbilden und überprüfen, ob bestimmte vertraglich definierte Anforderungen eingetreten sind, um dann ohne menschlichen Einfluss Handlungen auszuführen. Beispielsweise erhöht sich der Preis für ein Carsharing Cabrio-Angebot automatisch bei sonnigem Wetter oder es wird nach jeweils 3.000 Kilometer Laufleistung die Leasing-Rate eines PKW abgebucht.

Dank der Blockchain-Technologie werden Smart Contracts einfacher umsetzbar und sicherer. Und was ist die Konsequenz? Es kommt zu einer Disintermediation von Sachbearbeitern! Wozu benötigen wir noch Mitarbeiter in der Rechnungsprüfung, im Bestellwesen, der Wareneingangsprüfung, im Vertragswesen etc., wenn mittels Smart Contracts die Automatisierung von Standardprozessen weiter voranschreitet. Denn diese Mitarbeiter sind in Wahrheit auch nur Intermediäre, die durch Algorithmen ausgetauscht werden können.

Aber Achtung: Nicht alles, was gerade als Blockchain bezeichnet wird, unterliegt auch wirklich dem Grundgedanken dieser Technologie. So existieren genügend alternative Verschlüsselungstechnologien, um Daten sicher von A nach B zu versenden. Und dann bieten verschiedene Cloudanbieter Pseudo-„Blockchain“ Lösungen an, die zwar auf ein dezentrales Netz vieler Datenknoten zugreifen, doch behalten diese Cloudanbieter die volle Kontrolle der Systeme. Der Grundgedanke der Dezentralität aber hat bei Blockchain auch die Absicht, dass kein einzelner Partner das System beherrschen darf. Wenn also ein Lösungsanbieter das System kontrolliert, handelt es sich nicht wirklich um den Blockchain Ansatz. Und hier wird es unter anderem für die nächste Generation der Sozialen Medien spannend: Bisher handelt es sich bei Facebook, Google und Co. um wahre Datenmonopole, die unendlich viele Daten über uns sammeln und weiterverkaufen können. Anders würde es mit der Blockchain: Dann haben nur noch die einzelnen Teilnehmer den Schlüssel zu ihren Daten und kein Datenmonopol hat die Transparenz über die teilnehmenden Personen. Dann ist auf einmal auch Facebook, Google und Co. toxisch!



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Marcus Disselkamp ist unser Gastautor zu dem Themenkomplex der Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten der Digitalen Transformation. Sein aktuelles Buch mit dem Titel: „Digitale Megatrends – Die Zukunft von Unternehmen“ erschien Ende 2019. Mehr über ihn und sein Business Coaching finden Sie unter www.disselkamp.com. Auf allen bekannten Streaming Diensten finden Sie zudem seine beiden Podcast Reihen „Kurz Nachgefragt“ sowie „Hast Du schon daran gedacht?“.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne von Marcus Disselkamp. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


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