Leiser Optimismus der Anleger auf ein Abklingen der Corona-Pandemie - Börse München Kolumne

Robert Ertl: „Trendwende oder Bärenmarktrally, das ist die Frage, die Marktteilnehmer an den deutschen Aktienbörsen umtreibt. Konkret heißt das: Handelte es sich bei dem eindrucksvollen Kursplus in der vergangenen Woche um den Beginn einer nachhaltigen Erholungsbewegung oder um eine zwischenzeitliche Gegenbewegung innerhalb eines unverändert bestehenden Abwärtstrends?” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Robert Ertl: „Trendwende oder Bärenmarktrally, das ist die Frage, die Marktteilnehmer an den deutschen Aktienbörsen umtreibt. Konkret heißt das: Handelte es sich bei dem eindrucksvollen Kursplus in der vergangenen Woche um den Beginn einer nachhaltigen Erholungsbewegung oder um eine zwischenzeitliche Gegenbewegung innerhalb eines unverändert bestehenden Abwärtstrends?” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

14.04.2020 14:52 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Hoffnungen und Hilfspaket treiben Kurse: Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche einen erheblichen Sprung nach oben gemacht. Thema Nummer eins war weiterhin die Corona-Krise, dabei überwogen aber die Hoffnungen auf eine Bewältigung. Getrieben wurden diese einerseits von sich abschwächenden Zahlen zu Neuinfektionen und Todesfällen vor allem in Europa, die wiederum zu Spekulationen über eine baldige Lockerung der strikten Anti-Corona-Maßnahmen führten. Auch aus New York, der in den USA bislang am schwersten betroffenen Stadt, kamen optimistischer stimmende Signale. Zu Ende der verkürzten Handelswoche sorgte dann ein über zwei Billionen Dollar schweres Kreditprogramm der US-Notenbank Fed für zusätzlichen Auftrieb. Zwar nahmen auch in der vergangenen Woche etliche Unternehmen ihre Prognosen zurück oder strichen die Dividende, die Investoren konzentrierten sich aber lieber auf die hoffnungsbringenderen Aspekte der aktuellen Situation.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) kletterte im Wochenvergleich um 10,9 Prozent auf 10.564,74 Punkte. Zu den größten Gewinnern zählten die Titel von MTU Aero Engines mit einem Wochenplus von knapp 24 Prozent. Allerdings hatten die Papiere des Triebwerkherstellers zuvor auch überdurchschnittlich stark unter den Auswirkungen der Corona-Krise gelitten. Der MDax gewann im Wochenvergleich 8,6 Prozent auf 22.100,17 Zähler. Der TecDax legte um 8,9 Prozent auf 2.789,77 Punkte zu. Der m:access All-Share, der sich bereits in der im Allgemeinen schwächeren Vorwoche verbessert hatte, stieg um 4,6 Prozent auf 2.311,37 Zähler.

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche spürbar nachgegeben. Der leise Optimismus der Anleger in Bezug auf ein Abklingen der Corona-Pandemie und die Hoffnung auf wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der ökonomischen Folgen der Krise ließen die Risikofreude steigen, was sich negativ auf die als sicher geltenden Bundespapiere auswirkte. In der Konsequenz zog die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe von -0,45 auf -0,35 Prozent an. Die Umlaufrendite stieg von -0,45 auf -0,34 Prozent.

Die US-Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche stark vom Optimismus der Anleger auf ein glimpflicheres Ende der Corona-Krise profitierte, den das Kreditprogramm der Fed weiter befeuerte. Der Dow-Jones-Index gewann im Wochenvergleich 12,7 Prozent auf 23.719,37 Punkte. Beim breiter gefassten S&P-500-Index betrug das Plus 12,1 Prozent auf 2.789,82 Zähler, der höchste Wochengewinn für den Index seit dem Jahr 1974. Der technologielastige Nasdaq-100-Index verbesserte sich um 9,4 Prozent auf 8.238,53 Punkte. Am Ostermontag, an dem in den USA gehandelt wurde, ging es für Dow Jones und S&P-500 allerdings wieder um 1,4 beziehungsweise 1,0 Prozent abwärts, während der Nasdag-100 um 1,1 Prozent zulegen konnte.

Ausblick

Trendwende oder Bärenmarktrally, das ist die Frage, die Marktteilnehmer an den deutschen Aktienbörsen umtreibt. Konkret heißt das: Handelte es sich bei dem eindrucksvollen Kursplus in der vergangenen Woche um den Beginn einer nachhaltigen Erholungsbewegung oder um eine zwischenzeitliche Gegenbewegung innerhalb eines unverändert bestehenden Abwärtstrends?

Die aktuelle Woche dürfte hierzu Hinweise liefern, wobei die Richtung, in die es geht, von verschiedenen Faktoren abhängig sein wird. Da sind zum einen natürlich die Zahlen zur weiteren Verbreitung des Corona-Virus in den großen Volkswirtschaften. Daneben könnte die Stimmung hierzulande auch von den Entscheidungen in Bezug auf die Anti-Corona-Maßnahmen in dieser Woche abhängen: wie lange wird welche Beschränkung verlängert, was gibt es in Bezug auf eine Normalisierung? Zum anderen dürften die Anleger auf anstehende Konjunkturdaten achten und hierbei in erster Linie darauf, wie stark sich die Pandemie bereits auf diese ausgewirkt hat. Im Vordergrund stehen hier unter anderem die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze in den USA sowie Daten vom dortigen Immobilienmarkt. Aus der Eurozone dürfte ebenfalls die Industrieproduktion interessieren, aus China beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt.

Daneben dürften auch die in den USA ins Laufen kommende Berichtssaison und die in diesem Rahmen vorgestellten Zahlen Einblicke in die Folgen der Corona-Krise auf die Wirtschaft liefern. In den kommenden Tagen berichten dabei unter anderen die US-Großbanken Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und JPMorgan über die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal, auch der Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson legt Zahlen vor.

Etwas aus dem Fokus der Marktteilnehmer rücken könnte fürs erste der Ölpreis, nachdem sich am Wochenende wichtige Förderländer auf eine erhebliche Drosselung der Produktion geeinigt hatten mit dem Ziel, den jüngsten Preisverfall zu stoppen.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Dienstag, 14.04.: Import- und Exportpreise in den USA
Mittwoch, 15.04.: Einzelhandelsumsätze in den USA; Industrieproduktion in den USA; Beige Book der US-Notenbank; New York Empire State Index (USA)
Donnerstag, 16.04.: Verbraucherpreise in Deutschland; Industrieproduktion in der Eurozone; Baubeginne und -genehmigungen in den USA; Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA; Philadelphia Fed Herstellungsindex (USA)
Freitag, 17.04.: Erzeugerpreise in Deutschland; Verbraucherpreise in der Eurozone; Bruttoinlandsprodukt Chinas

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG



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