Emerging Markets: Situation schwieriger als 2008 - Commerzbank Kolumne

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24.03.2020 09:24 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Risikoaufschläge von Emerging Markets USD-Anleihen gegenüber US-Treasuries haben mit 716 Bp. das höchste Niveau seit der Finanzkrise 2008/09 erreicht, liegen aber immer noch unter den damaligen Ausverkaufsaufschlägen bei über 800 BP (siehe Chart oben). Allerdings ist das allgemeine Renditeniveau nach der Finanzkrise erheblich gesunken. Das heißt, dass die aktuellen 670 Bp. relativ gesehen mehr sind als damals die 800 Bp. wie der untere Chart zeigt. Einerseits erscheint dies aus Renditegesichtspunkten sehr attraktiv, insbesondere da noch längere Zeit mit sehr niedrigen USD- und EUR-Zinsen zu rechnen ist. Andererseits spricht die Entwicklung aber auch für eine noch schwierigere Situation der EM als 2008/2009.

Anleihen


Deutschland: Einkaufsmanagerindex (März), 9:30 Uhr
Euroraum: Einkaufsmanagerindizes (März), 10:00 Uhr
USA: Neubauverkäufe (Februar), 15:00 Uhr

Die US-Notenbank Fed hat gestern den unbegrenzten Ankauf von US-Staatsanleihen und Hypothekenpfandbriefen angekündigt und weitere umfangreiche Maßnahmen vorgestellt. Unter anderem wird sie über ein Vehikel auch Unternehmensanleihen erwerben, sowohl auf dem Primär- als auch auf dem Sekundärmarkt. Laut Aussage der Fed wird sie alle ihre Möglichkeiten einsetzen, um den Kreditprozess am Laufen zu halten. Als Begründung für den nochmals massiv gesteigerten Einsatz führt die Fed an, dass es trotz aller Unsicherheiten klar geworden sei, dass der Wirtschaft schwere Verwerfungen drohen. Es seien daher aggressive Maßnahmen nötig, um die Jobverluste zu begrenzen und eine rasche Erholung nach Ende der Krise zu ermöglichen. Die Fed hat sich auch deswegen zu diesem bedeutsamen Schritt entschlossen, weil das geplante fiskalische Rettungspaket in Washington auf Schwierigkeiten stößt und bisher nicht die nötige Mehrheit im Senat erreichen konnte. Die Fed will damit offen-bar auch Zeit für die Fiskalpolitik gewinnen, die mittelfristig die Hauptlast der Krisenbekämpfung tragen muss. In Deutschland hat das Bundeskabinett in einer Sondersitzung am Montag Nothilfen im Umfang von mehreren hundert Milliarden Euro gebilligt, um die Folgen der Corona-Krise abzumildern. Dazu gehören unter anderem Kreditgarantien, damit Unternehmen in der Krise weiteren Zugang zu Kapital bekommen, Zuschüsse für kleine Firmen und Solo-Selbständige, Entlastungen von Mietern sowie vereinfachte Hartz IV Prüfungen. Am Rentenmarkt stiegen die Kurse von Bundesanleihen und US-Treasuries leicht an. Der Euro konnte sich gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich um mehr als 1 Cent auf über 1,08 US-Dollar je Euro stärken.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Zum Wochenstart hat sich die Lage zunächst wieder deutlich eingetrübt. Der Dax startete bei 8.500, stieg gegen Mittag auf über 9.000 Punkte und schloss letztendlich bei knapp 8.750 Punkten. In Deutschland wurde ein über 150 Mrd. EUR schweres Hilfspaket durch die Regierung auf den Weg gebracht. Zudem sollen virtuelle HVs für Aktienunternehmen ermöglicht werden. In den USA hat die politische Uneinigkeit über das Billionen schwere Konjunkturpaket belastet und die Nervosität der Anleger geschürt. Allerdings kam Hilfestellung von der Fed, die nach Zinssenkungen und Anleihekaufprogramm nun ein umfangreiches Krisenpaket zur Linderung der Corona-Krise auflegte und v.a. auch Unternehmen und private Haushalte stützen will. Letztendlich verloren die Börsen in Europa 2% bis 4%. Der Schweizer Markt gab über 5% ab. Der italienische Markt hatte die geringsten Einbußen (-1%). Der Dax verlor 2,1%. Fresenius war Tagesgewinner (+ 2,7%) und die rote Laterne hielt MTU Aero Engines (-15,2%). Im MDax (-3,5%) waren die Gewinner Rheinmetall (+6,6%) und Hellofresh (+5,4%). Die Schlusslichter bildeten dagegen Air-bus und Aareal Bank (jeweils -13,2%). Der marktbreite Stoxx Europe 600-Index gab um gut 4% auf rd. 280 Punkte nach. Energiewerte konnten sich stabilisieren (+0,7%), sämtliche anderen Branchen bewegten sich im Minus. Je 4,5% büßten Nichtzyklischer Konsum und Industriewerte ein. Die US-Börsen waren auch sehr volatil, nach der Talfahrt folgte eine Gegenbewegung. S&P 500 und Dow Jones je -3%, Nasdaq 100: behauptet. Energietitel verloren rd. 6%. Nachbörslich setzte sich die Erholung fort. Asiens Börsen profitierten davon. Der Nikkei 225 konnte 7% gutmachen. In China notiert der CSI 300 ebenfalls fester. Heute dürfte der Dax durch die anziehenden US-Futures die Stabilisierung aus der letzten Woche fortsetzen.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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