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Anlageprofis sehen Gefahr der Blasenbildung durch Niedrigzinspolitik - J.P. Morgan AM Kolumne

Tilmann Galler: „In Anbetracht der späten Zyklus­phase könnten Anleger in ausgewählte Substanzwerte investieren”. Bild und Copyright: SukanPhoto / shutterstock.com.

Tilmann Galler: „In Anbetracht der späten Zyklus­phase könnten Anleger in ausgewählte Substanzwerte investieren”. Bild und Copyright: SukanPhoto / shutterstock.com.

15.11.2019 16:40 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Als derzeit größtes Risiko für die Kapitalmärkte sehen Berater und professionelle Anleger die Gefahr, dass es aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds zu Blasen in einzelnen Martktsegmenten kommt. Dies zeigt das Berater-Barometer, eine von J.P. Morgan Asset Management durchgeführte Kurzbefragung von 376 Beratern und professionellen Anlegern, die im September 2019 erfolgte. Ziel der nicht repräsentativen Befragung ist, eine Momentaufnahme der Einschätzung zur Entwicklung von Kapitalmärkten, Anlageklassen und -regionen sowie der geplanten Portfolioallokationen der Befragten zu erhalten.

Demnach ist jeder dritte Befragte in Sorge, dass der Niedrigzins zu Blasenbildung führt. Dass dies nicht ganz unberechtigt ist, belegen Analysen der Experten von J.P. Morgan Asset Management: „Die zunehmende Fokussierung der Notenbanken auf die Inflation lässt aus unserer Sicht weitere expansive Maßnahmen erwarten. Niedrigzins und finanzielle Repression werden zum ständigen Begleiter und treiben immer mehr Anleger in die Aktienmärkte und andere höher rentierliche Marktseg­mente“, bestätigt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt.

Laut der Befragung steht mit 27 Prozent der Handelskonflikt an zweiter Stelle der befürchteten Risiken, gefolgt von der Sorge einer Rezession in den USA und Europa, die mit 22 Prozent rund jeden fünften Befragten umtreibt. Zwar sei laut Tilmann Galler nicht davon auszugehen, dass die US-Wirtschaft im verbleibenden Jahr 2019 in eine Rezession fallen wird, ein Wachstum über Trend sei jedoch unwahrscheinlich. Die Situation in China beschäftigt rund jeden zehnten der befragten Berater, doch laut Tilmann Galler sollte es der Regierung in China durch ihr Konjunkturprogramm wohl gelingen, eine harte Landung zu verhindern. Für Europa ist der Experte allerdings weniger optimistisch: „Der Handelskonflikt und die andauernde Unsicherheit über den Brexit verhindern derweil eine nachhaltige Erholung des Wachstums. Rezessionsgefahren werden voraussichtlich zunehmen, insbesondere in Deutschland“, warnt Galler.

Aktien mit großem Zuspruch
Auf die Frage, welche Anlageklasse in den nächsten Monaten am erfolgversprechendsten ist, setzt die Hälfte der befragten professionellen Anleger auf Aktien. Jeder Fünfte (21 Prozent) favorisiert Gold, gefolgt von jeweils 10 Prozent der Befragten, die sich für Hochzinsanleihen und Alternative Anlageformen aussprechen. Die wenigsten Befragten sehen Barmittel, Staatsanleihen und Unternehmensanleihen hoher Qualität (Investment Grade) in den nächsten Monaten als ertragreiche Investments an. Aus Sicht von Kapitalmarktstratege Tilman Galler gilt es, in der aktuellen Spätphase des Konjunktur­zyklus eine angemessene Balance zwischen Aktienrisiken und defensiven Anlagen zu finden. „Auch wenn die Spätphase nicht zwingend ein unmittelbares Rezessionsrisiko mit sich bringt, nimmt das Risiko eines Rückschlages zu“, betont Galler.


Langfristige Wachstumsmärkte favorisiert
Fast die Hälfte aller befragten Berater (49 Prozent) gab auf die Frage nach geplanten Veränderungen in ihrem Portfolio an, die Allokation in langfristige Wachstumsmärkte wie Gesundheitswesen, Technologie und Schwellenländer erhöhen zu wollen. Mit 26 Prozent will rund jeder Vierte in naher Zukunft vermehrt in defensivere Aktiensektoren wie Versorger, Telekom­munikation oder Immobilien investieren. Rund jeder zehnte befragte professionelle Anleger sieht das eigene Portfolio bereits gut aufgestellt und plant kurzfristig keine größeren Anpassungen. Auch Tilmann Galler ist überzeugt, dass langfristige Wachstumsmärkte in der strategischen Positionierung des Investmentportfolios eine signifikante Gewichtung haben sollten, um an den strukurellen Trends zu partizipieren. Doch in der aktuell späten Phase des Konjunkturzyklus bieten aus taktischer Sicht auch defensivere Aktiensektoren eine attraktive Möglichkeit, das Portfoliorisiko zu reduzieren.

Ertragschancen in Asien nutzen
Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der befragten professionellen Anleger sieht den asiatischen Raum als Region mit dem vielversprechendsten Potenzial an. Jeweils rund jeder Zehnte rechnet dagegen mit den höchsten Ertrags­chancen in den Schwellen­ländern in EMEA (Osteuropa, Mittlerer Osten, Afrika – 11 Prozent) bzw. in den USA (9 Prozent). Japan wird von 6 Prozent der Berater präferiert und in Europa sowie Lateinamerika sehen je 3 Prozent der Befragten Potenzial. Zudem wollen sich 12 Prozent der professionellen Anleger nicht auf einzelne Regionen festlegen, sondern investieren global. Tilmann Galler bestätigt den Trend, dass die Bedeutung Asiens für globale Anleger in den letzten Jahren stark zugenommen hat. „Inzwischen werden ein Drittel der börsennotierten Unternehmensgewinne global in Asien erwirtschaftet. Von der Enstehung neuer großer Binnenmärkte und steigendem Wohlstand profitieren in zunehmendem Maße auch die lokalen Unternehmen, weshalb wir für diese Region attraktive langfristige Renditen erwarten“, so der Experte.

Von Growth zurück zu Value?
Befragt nach dem Investmentstil, dem die Befragten in den nächsten fünf Jahren die relativ beste Wertentwicklung zutrauen, sprachen sich 27 Prozent der Berater für Substanztitel (Value) aus. An zweiter Stelle stehen kleine und mittelgroße Werte (Small-Midcap) und erst an dritter Stelle Wachstumstitel (Growth) sowie Dividendentitel mit jeweils 19 Prozent. Aus Sicht von Tilmann Galler ist es durchaus sinnvoll, beide Stile in einem ausgewogenen Portfolio zusammenzustellen: „In Anbetracht der späten Zyklus­phase könnten Anleger in ausgewählte Substanzwerte investieren, da sich diese in der Vergangenheit in den anfänglichen Erholungsphasen nach einer Baisse – also einem fallenden Bärenmarkt – tendenziell gut entwickelt haben. Niedrigzinsen in Kombination mit unterdurchschnittlichem Wirtschafts­wachstum sind aber ein Umfeld, das strukturell Wachstumsaktien unterstützt“, so Gallers Fazit. Der Experte sieht auch Dividendenaktien als langfristige Gewinner der Niedrigzinsen. Der Bedarf an regelmäßigen Erträgen im Portfolio kann immer weniger durch festverzinsliche Wertpapiere abgedeckt werden. Aktien mit hoher Ausschüttung werden dadurch weiterhin gefragt sein.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der JPMorgan Asset Management. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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Die Erwartungen waren niedrig, und dementsprechend leicht fiel es vielen Unternehmen, diese zu übertreffen. So oder so ähnlich ist der Eindruck, der von der aktuellen Berichtssaison bleibt. Trotzdem gelangen, wie so oft, positive Überraschungen in den USA häufiger. Die Unternehmen jenseits des Atlantiks hatten nicht nur im relativen Vergleich gegenüber den Erwartungen, sondern auch in absoluten Zahlen mal wieder die Nase vorn. Während sowohl Umsatz- als auch Gewinnwachstum in Europa im Jahresvergleich rückläufig waren, konnten die US-Unternehmen beide ... diese News vom 15.11.2019 weiterlesen!

Auf einem Blick - Chart und News: Dow Jones Industrial - Aktienindex

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