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USA: Arbeitslosenquote auf 50J-Tief bei 3,5% verkompliziert Fed-Geldpolitik - Nord LB Kolumne

Nach den beiden schwachen ISM Stimmungsumfragen im Wochenverlauf überrascht nun der US-Arbeitsmarkt positiv. Bild und Copyright: Logra / shutterstock.com.

Nach den beiden schwachen ISM Stimmungsumfragen im Wochenverlauf überrascht nun der US-Arbeitsmarkt positiv. Bild und Copyright: Logra / shutterstock.com.

04.10.2019 15:38 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Soeben sind in den USA neue Daten zur Lage am Arbeitsmarkt gemeldet worden. Die große Frage war, wie immun sich die Beschäftigungsentwicklung vom Getöse der Handelskonflikte zeigte. Ergebnis: Im Berichtsmonat September sind 136.000 neue Jobs entstanden. In den beiden Vormonaten wurden zusammen 45.000 Stellen mehr geschaffen als ursprünglich gemeldet. Dieser wichtige Indikator ist damit in der Summe leicht über den Erwartungen ausgefallen. Verglichen mit den Vorjahren nimmt zwar die grundsätzliche Dynamik auf dem Arbeitsmarkt etwas ab, dennoch sind diese Werte als ordentlich zu bezeichnen. Den Jobaufbau bremsen dürfte derzeit sogar eher eine zu beobachtende mangelnde Verfügbarkeit von geeigneten Arbeitnehmern.

Besonders bemerkenswert: Die Arbeitslosenquote ist von bereits niedrigen 3,7% auf 3,5% zurückgegangen. Dazu beigetragen hat sowohl ein deutlicher Anstieg der Labor Force – also der Erwerbstätigen (Beschäftigten plus Arbeitslose) – als auch der Beschäftigten in der Haushaltsumfrage. Dies ist sehr erfreulich. Die Arbeitslosenquote notiert somit auf einem 50-Jahrestief. Der Handelskonflikt-Blues ist somit auf dem US-Arbeitsmarkt immer noch nicht richtig zu vernehmen.

Auch die Lohnentwicklung sorgte für Aufsehen: Im September sind die durchschnittlichen Stundenlöhne überraschend unverändert geblieben (allerdings nach einem deutlichen Plus von 0,4% M/M). Die Jahresrate fiel auf 2,9%. Angesichts der guten Arbeitsmarktsituation hätte man durchaus einen höheren Lohndruck erwarten können. Dieser bleibt aber offenbar weiterhin aus.

Der Job-Report lässt zwar einige Bremsspuren beim Beschäftigungszuwachs erkennen, allerdings ist dies bei der leergefegten Lage auf dem Arbeitsmarkt und dem Fachkräftemangel fast logisch. Die weltweiten Konjunktursorgen tragen nur zu einem gewissen Zögern bei Neueinstellungen bei.

Nach den Veröffentlichungen der beiden schwachen ISM Stimmungsumfragen im Wochenverlauf schien es so, dass im Zuge der Handelsdispute auch für die US-Konjunktur das Eis, auf dem sie steht, langsam dünner wird. Frei nach dem Motto: Trouble‘s coming Home! Dieser Eindruck wurde mit den heutigen Beschäftigungszahlen aber keinesfalls bestätigt, sondern eher wiederlegt!

Was soll die Federal Reserve jetzt unternehmen? Sie hatte angekündigt, auf weitere Konjunkturdaten genau zu schauen (data-dependent) und den Verlauf im Handelskonflikt in ihre Überlegungen einzubeziehen. Ein moderates Lohnwachstum und damit kaum vorhandene Inflationsgefahren würden eine Zinssenkung zur Stützung einer labiler erscheinenden Konjunktur erlauben. Aber bei einer Arbeitslosenquote auf einem 50-Jahrestief darf der Leitzins eigentlich nicht gesenkt werden! Der Fed ist in diesem Zusammenhang auch bewusst, dass zu rasante Zinssenkungen die Gefahr einer Vermögenpreisblase erhöhen und den Nährboden für eine Rezession in 2020 legen könnten.

Fazit: Der Arbeitsmarktbericht liefert mal wieder für jeden etwas: Der Beschäftigungszuwachs fiel mit 136.000 Personen und den Revisionen der beiden Vormonate nach oben etwas besser als erwartet aus – der Rückgang der Arbeitslosenquote auf ein 50-Jahrestief bei 3,5% ist der Positiv-Knüller! Dagegen überrascht der fehlende Lohnzuwachs negativ und könnte auch den Konsum etwas abbremsen. Der Jobmotor läuft zwar weniger dynamisch als noch in den Vorjahren, dennoch bestätigt er erneut die hohe Widerstandskraft der US-Wirtschaft gegen globale Abschwächungstrends. Nach den beiden schwachen ISM Stimmungsumfragen im Wochenverlauf überrascht nun der Arbeitsmarkt positiv. Ob die Fed-Notenbanker erneut bei einer Arbeitslosenquote auf einem 50-Jahrestief handeln werden, erscheint nun doch sehr fraglich! Vermutlich wird sie auf der nächsten FOMC-Sitzung am 30. Oktober die Entwicklungen im Handelskonflikt (und vielleicht sogar im Brexit-Chaos) in ihre Überlegungen mit einbeziehen (müssen), um mehr Klarheit zum Agieren zu erlangen.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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