Japans Tankan-Umfrage: Schwach, aber nicht ganz so schwach wie befürchtet! - Nord LB Kolumne

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01.10.2019 09:48 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Heute Morgen wurden in Fernost die auch international stark beachteten Daten der Tankan-Umfrage für Japan veröffentlicht. Mit gut 10.000 im Auftrag der BoJ quartalsweise befragten Unternehmen ist der Tankan die umfangreichste Konjunkturumfrage des Landes. Für das gestern abgelaufene III. Quartal 2019 ergaben sich sowohl bei den Großproduzenten wie auch bei den großen Dienstleistern jeweils Rückgänge. Dies gilt sowohl für die Lage- als auch Ausblicks-Komponenten. Immerhin fielen die Rückgänge im Produktionssektor nicht ganz so deutlich aus wie befürchtet. Dennoch ist festzuhalten, dass die Industrie deutlich pessimistischer eingestellt ist als der weiterhin noch recht robuste Dienstleistungssektor, der moderat optimistisch in die Zukunft blickt.

Ebenfalls bekannt gegeben wurde der Jibun Bank PMI Einkaufsmanagerindex für Japan, der mit 48,9 Punkten (nach 49,3 Punkten) aber weiterhin unterhalb der Expansionsschwelle notiert.

Die für Japan bereits gestern veröffentlichten Zahlen für den Monat August fielen gemischt aus: Die Industrieproduktion (-1,2% M/M; -4,7% Y/Y) bestätigte eine schwache Tendenz 2019. Auch die Baubeginne enttäuschten (-7,1% Y/Y). Eine positive Überraschung lieferten dagegen die Einzelhandelsumsätze (4,8% M/M; 2,0% Y/Y) sowie die Fahrzeugabsätze (11,8% Y/Y).

Die teilweise gegenläufigen Tendenzen in den Wirtschaftsindikatoren bestätigen den Eindruck, dass ein wesentlicher Belastungsfaktor für die japanische Volkswirtschaft derzeit die handelspolitische Auseinandersetzung zwischen den USA und China ist. Das belegt auch die Tankan-Umfrage mit einer registrierten Schwäche im Auto- und Maschinenbau. China ist der wichtigste Handelspartner für Japan und so haben die Streitigkeiten Chinas und den USA durchaus eine Wirkung.

Nachbar China hat derzeit zudem selbst mit einer sich abflauenden Wirtschaftsdynamik zu kämpfen. Dies spiegelt sich auch in den chinesischen Einkaufsmanagerindizes wider, die zwar gestern wieder leicht anzogen, allerdings weiterhin keine Wirtschaftsdynamik signalisieren. Die Wachstumserwartungen für das Reich der Mitte liegen für 2019 bei 6% – leicht darüber oder darunter. Auch wenn wir keinen massiven Abschwung für China erwarten, sollte man sich aber dennoch auf eine sukzessive moderate Entschleunigung einstellen. Dies wirkt sich auch auf Japan aus – für das Land gehen wir in 2019 von einem BIP-Wachstum von knapp unter 1% aus.

Die Binnenwirtschaft Japans scheint zwar stabiler als der Außenhandel zu sein, aber mit der heute in Kraft getretenen Verbrauchssteuererhöhung von 8% auf 10% droht perspektivisch ein weiterer Belastungsfaktor für die Wirtschaft im Land der aufgehenden Sonne. Im April 2014 führte eine Mehrwertsteueranhebung zu einem Konjunktureinbruch. Die zuletzt deutlich angezogenen Einzelhandelsumsätze lassen sich entsprechend auch durch Vorzieheffekte erklären – in den kommenden Monaten wird sich dann wohl eine erneute Entschleunigung auch in diesem Sektor zeigen.

Fazit: Die Tankan-Umfrage bestätigt die Einschätzung, dass sich die Stimmung in der japanischen Wirtschaft sukzessive eintrübt. Dies gilt vor allem für die exportorientierten Unternehmen. Die handelspolitischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und China drücken zunehmend auf die Stimmung in Japan. Die Hoffnung besteht, dass es bis Dezember zu einer Einigung zwischen den beiden größten Volkswirtschaften kommt, was auch für Japan von Vorteil wäre. Die heute in Japan geltende Anhebung der Verbrauchssteuer von 8% auf 10% bedeutet ein weiterer Belastungstest für die japanische Wirtschaft. Mit Schwung ist also auch perspektivisch nicht zu rechnen. Ein marginal positives Wachstum ist damit wohl das noch Beste, was dem Land der aufgehenden Sonne widerfahren kann.

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