Die indische Regierung senkt die Unternehmensteuern - Commerzbank Kolumne

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27.09.2019 09:40 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die indische Regierung hat beschlossen, die Unternehmenssteuern von 30% auf 22% zu senken. Der effektive Körperschaftssteuersatz fällt damit auf 25,2%. Neben weiteren Maßnahmen gibt es auch steuerliche Vergünstigungen für neugegründete Firmen, die neue inländische Produktionsanlagen bis zum März 2023 (ein Jahr vor der nächsten Wahl) in Betrieb nehmen. Für sie fällt der Steuersatz von 25% auf 15% (effektiver Steuersatz: 17%). Die gesenkten Steuertarife gelten auch für ausländische Firmen, die in Indien Niederlassungen gründen oder mit inländischen Unternehmen Gemeinschaftsfirmen gründen. Überdies entschied sich die Regierung, auch die Abgaben auf Kapitalgewinne zu reduzieren; diese waren erst in der letzten Haushaltsvorlage erhöht worden. Ersten Schätzungen zufolge dürfte das BIP durch die Steuersenkungen einen zusätzlichen Stimulus von bis zu 0,7% erfahren. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings die wahrscheinliche Verfehlung des Zieles für das Fiskaldefizit im Jahr 2019/20 in Höhe von 3,3% des BIP. Die Mindereinnahmen in Höhe von geschätzten 20 Mrd. USD dürften laut ersten Prognosen zu einer Erhöhung des Fiskaldefizites von rd. 4% des BIP führen. Der Sensex-Index reagierte auf die Ankündigung sehr positiv. Mit dem jüngsten Kursanstieg machte der Leitindex einen Großteil seiner Underperformance seit Anfang 2019 wett. Wir stufen aufgrund des positiven Fiskalimpulses und einer möglicherweise weiteren Leitzinssenkung durch die indische Notenbank im Oktober 2019 unser Votum für die indische Börse von zuvor Untergewichten auf Neutral herauf. Für eine Übergewichtung ist uns der Markt – erst recht nach dem sehr schnellen Anstieg infolge der überraschenden Senkung der Unternehmenssteuern – aber zu hoch bewertet. Für 2019 prognostiziert der Konsensus auf Jahresbasis einen Anstieg des Wachstums der Firmengewinne (MSCI Indien-Index) in Höhe von rd. 58% (J/J). Das entsprechende KGV für 2019 liegt damit bei 19.

Anleihen


Euroraum: EU-Wirtschaftsvertrauen (Sep.), 11:00 Uhr
USA: Private Ausgaben/Einnahmen (Aug.), 14:30 Uhr
USA: Aufträge langlebiger Güter (Aug.), 14:30 Uhr

Der Euro vollzog gestern eine regelrechte Achterbahnfahrt und fiel auf fast 1,0920 US-Dollar, den tiefsten Stand seit Mai 2017. Er erholte sich zwischenzeitlich, sank schließlich unter 1,0920 US-Dollar. Ein Grund sind die rückläufigen Einkaufsmanagerindizes im Euroraum im September, die am Montag gemeldet wurden und Rezessionsängste schürten. Die drohende Einführung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsident Trump wertete den US-Dollar auf, weil er als sicherer Hafen gesucht wird. Er tendiert relativ kräftig ggü. den meisten wichtigen Währungen. Zur Euroschwäche mag vor allem beigetragen haben, dass das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger Ende Oktober ihren Posten bei der EZB aufgeben möchte. Das kam sehr überraschend. Vieles spricht dafür, dass die geplante Wiederaufnahme der Anleihekäufe im November dabei eine Rolle gespielt hat. Die EZB scheint tief gespalten hinsichtlich des Anleihekaufprogramms. Lautenschläger ist eine Kritikerin der ultra-lockeren Geldpolitik. Die EZB vermeldete gestern für August ein deutlich höher als erwartetes Geldmengenwachstum M3. Mit +5,7% J/J legte es so kräftig zu wie zuletzt 2009. Die Geldmenge M1, ein Teil von M3, die aufgrund des hohen Anteils an kurzfristigen Bankeinlagen als Konjunkturindikator gilt, stieg im August kräftig um 8,4% J/J nach 7,8% im Juli. Die US-Konjunkturdaten lagen gestern weitgehend im Rahmen der Erwartungen. Allerdings stiegen die schwebenden Hausverkäufe mit einem Anstieg von 1,6% M/M im August stärker als vermutet an. Damit haben nahezu alle Daten vom US-Wohnimmobilienmarkt für August positiv überrascht und weisen darauf hin, dass die gesunken US-Hypothekenzinsen gewirkt haben.

Aktien


BASF, Kapitalmarkttag

Nach einigen Tagen der Korrektur tendierten die europäischen Aktienmärkte gestern wieder freundlicher. Die relevanten Leitindizes stiegen um bis zu 1% (Schweiz). Verantwortlich für den leichten Kursaufschwung zeichneten vor allem wieder etwas hoffnungsvollere Töne in Bezug auf den weiter-hin schwelenden Handelsstreit zwischen den USA und China. Allerdings hat es optimistischere Töne seitens des US-Präsidenten Trump schon recht häufig gegeben, ohne dass bis-lang etwas Substantielles zur Beilegung des Konfliktes geschehen wäre. Insgesamt zeigen sich die Börsen weiterhin sehr robust. Die teilweise recht schwachen Makrodaten vor allem aus Europa und die deutliche Revision der Gewinnerwartungen nach unten werden vor allem durch die extrem expansive Geldpolitik vieler großer Notenbanken sowie durch die Hoffnung auf weitere Fiskalimpulse mehr als aufgewogen. Daher erklären sich die vielerorts üppigen Gewinne an den Aktienmärkten. Der Dax, der seit Anfang 2019 über 16% zugelegt hat, stieg gestern um 0,4%. Tagesgewinner im deutschen Leitindex war die Aktie von Adidas (+3,3%). Dagegen büßte die Notierung der Deutschen Lufthansa als Tagesverlierer rd. 2,4% ein. Das verregnete Börsendebüt von Teamviewer geriet am zweiten Handelstag zu einem kleinen Debakel mit einem Abschlag von 7,4%. Auf europäischer Sektorenebene waren vor allem Immobilienwerte gefragt, die im Schnitt um 1,7% zulegten. Am Ende der Performancerangliste notierten Aktien aus dem Bereich Rohstoffe (-0,4%). Die US-Börsen tendierten leichter. Ein mögliches Amtenthebungsverfahren lastete etwas auf den Kursen. Auf Sektorenebene waren v.a. Immobilientitel gesucht (+0,9%). Energiewerte büßten als Tagesverlierer rd. 1,3% ein. Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss überwiegend schwächer. In Japan handelten allerdings viele Werte ex Dividende. Die festlandchinesischen Indizes legten dagegen leicht zu.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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