Einkaufsmanagerindizes im Euroraum steigen leicht an - Commerzbank Kolumne

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23.08.2019 08:54 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Einkaufsmanagerindizes im Euroraum sind im August nach der ersten Schätzung leicht angestiegen. Erfreulich ist, dass sich vor allem der Dienstleistungssektor weiter von der Rezession in der Industrie abkoppeln kann. Er legte sogar um 0,2 Punkte auf 53,4 Punkte zu. Befürchtet war, dass die Rezession im verarbeitenden Gewerbe allmählich auch auf den Dienstleistungssektor übergreifen könnte. Momentan scheint er aber weiterhin die Stütze der Konjunktur zu sein, dies ist wohl eine Folge der ultra-expansiven Geldpolitik der EZB. Der exportlastige Industriesektor bleibt aber belastet vom Handelsstreit und Brexit. Von einer Trendwende kann man deshalb noch nicht sprechen.

Anleihen


Japan: Verbraucherpreise (Juli), 01:30 Uhr
USA: Neubauverkäufe (Juli), 16:00 Uhr
USA: Jackson Hole, Zentralbankkonferenz, heute

Die Europäische Zentralbank wird vermutlich im Rahmen der nächsten geldpolitischen Sitzung, am 12. September, eine neue Lockerung ihrer Geldpolitik verkünden. Das Protokoll der letzten Sitzung im Juli bestätigt uns in dieser Annahme. Jedoch lassen sich aus dem Protokoll zahlreiche Vorbehalte zu einzelnen Maßnahmen herauslesen. So wird befürchtet, dass eine Staffelung des negativen Einlagenzinses zur Entlastung der Banken, dem eigentlichem Ziel, die Kreditvergabe anzukurbeln, entgegensteht. Mit Blick auf mögliche Nettoanleihekäufe wurde in der Diskussion darauf hingewiesen, dass die langfristigen Kapitalmarktzinsen bereits sehr niedrig seien. Trotzdem erscheint eine Kombination von Zinssenkung, Staffelzins und Nettoanleihekäufen im September sehr wahrscheinlich, da sich bei sequenziellen Maßnahmen die Wirkung verringern würde. Grund zur Panik hat die EZB freilich nicht, dass zeigen die gestern veröffentlichten Umfrageergebnisse zu den Einkaufsmanagerindizes. Der Dienstleistungssektor profitiert im Euroraum von der guten Binnennachfrage. Mithin hat die Schwäche der Industrie bislang keine Rückwirkungen auf diesen Sektor. Der Dienstleistungsindex kletterte um 0,2 Prozentpunkte auf 53,4 Punkte, auch der Index für die Industrie stieg – von 46,5 auf 47,0 Punkte. Erneut sehr niedrig waren die Erstanträge auf Arbeitslosengeld in den USA. Die Erstanträge sind gewöhnlich ein verlässlicher Frühindikator. D.h. der US-Arbeitsmarkt ist weiter-hin in einer sehr guten Verfassung. Das passt in unser Bild: Zwar dürfte die Fed die Zinsen erneut senken. Für vier Zinssenkungen – wie derzeit vom Markt eingepreist – müsste es aber zu einer Welle von Entlassungen und sinkenden Löhnen kommen. Davon ist die USA weit entfernt.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Die europäischen Aktienmärkte tendierten am gestrigen Handelstag mehrheitlich etwas schwächer. Eine Ausnahme bildete die spanische Börse mit einem leichten Zugewinn von 0,2%. In Italien sorgte wie am Vortag vor allem die Hoffnung der Investoren, dass Neuwahlen doch noch verhindert wer-den können, zeitweise für leichten Auftrieb, bevor es dann aber am Nachmittag zu Gewinnmitnahmen kam. Das US-Notenbankprotokoll hatte die meisten Investoren wohl etwas enttäuscht, weshalb von dieser Seite leichter Gegenwind an den Märkten zu spüren war. Jetzt richten sich alle Ohren auf die Rede des Fed-Chefs Powell am heutigen Abend in Jackson Hole. Besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus Deutschland (Einkaufsmanagerindizes) wurden von den Aktienmärkten kaum positiv honoriert. In diesem Umfeld verlor der Dax 0,5%. Tagesssieger im deutschen Leitindex war die Aktie von ThyssenKrupp mit einem Aufschlag von 5,6%. Hier beflügelten Medienberichte, wonach möglicherweise erste Gespräche mit potenziellen Investoren über einen Verkauf der lukrativen Aufzugssparte aufgenommen worden seien. Am Ende der Performancerangliste rangierte die Notierung von SAP (-2,2%). Auf europäischer Sektorenebene waren v.a. Bankwerte gefragt (+1%). Dagegen büßten Technologietitel als Tagesverlierer rd. 1,8% ein. Die US-Börsen tendierten uneinheitlich. Während IT-Werte leicht nachgaben, gewann der Dow Jones-Index dank Boeing (+4,2%) rd. 0,2%. Die Reihe von guten Quartalsberichten aus dem Einzelhandelssektor setzte sich fort. Schwächere Konjunkturdaten sorgten aber für etwas Gegenwind. Auf Sektorenebene (S&P 500) waren insbesondere Finanztitel gefragt, die durchschnittlich um 0,6% zulegten. Am Ende der Performanceskala rangierten Rohstoffwerte (-0,7%). Die Börsen in Asien tendierten zum Wochenschluss bei geringen Umsätzen und wenig Impulsen zumeist etwas freundlicher.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

Negativzinsen und ihre Wirkung auf die Menschen - Deutsche Bank Kolumne

Was soll der brave Bürger davon halten, wenn sein Finanzminister, ein hochrangiger Vertreter des Staates, prüfen lässt, ob er ihn vor den Handlungen eines anderen staatlichen Organs, der Zentralbank, schützen kann. Denn genau darauf läuft das vom bayerischen Ministerpräsidenten Söder geforderte Verbot von Negativzinsen für die Einlagen bei den Banken (bis zu einer gewissen Größenordnung) hinaus, dessen Realisierungschancen jetzt im Finanzministerium geprüft werden.In der öffentlichen Debatte überwiegt die Ablehnung, die wir prinzipiell teilen. Ein solches Verbot stelle einen Eingriff in die privatrechtliche Vertragsfreiheit dar und überhaupt, dies wäre ein massiver Markteingriff und sei damit tabu, hört man von einigen, die plötzlich ihr ordoliberales Gewissen wiederentdecken. Die betroffene Bevölkerung dürfte dies wahrscheinlich anders sehen. Zudem dürften sich die Bürger wohl die Frage stellen, inwieweit es sich noch um einen funktionierenden Markt ... diese News vom 22.08.2019 weiterlesen!

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17.10.2019 - Das neue Brexit-Austrittsabkommen ist verabschiedet, eine Hürde bleibt - VP Bank Kolumne
17.09.2019 - EZB kauft weniger als erwartet: Unternehmensanleihen mit Renditeanstieg - Commerzbank Kolumne
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