Auftragseingänge der deutschen Industrie steigen im Juni - Commerzbank Kolumne

Bild und Copyright: telesniuk / shutterstock.com.

Bild und Copyright: telesniuk / shutterstock.com.

07.08.2019 09:40 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Auftragseingänge der deutschen Industrie haben sich im Juni deutlich besser als erwartet entwickelt: Sie stiegen insgesamt um 2,5% gegenüber dem Vormonat. Unter Herausrechnung der Großaufträge lagen die Auftragseingänge jedoch um 0,4% niedriger als im Mai. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein Minus von 3,6% nach einem Rückgang von 8,4% im Mai. Der Auftragszuwachs wurde im Juni durch das Ausland (Nicht-Euroraum) – u.a. unterstützt durch umfangreiche Großaufträge – angekurbelt (+8,6% M/M).

Leider glauben wir hier noch keine positive Wende zu erkennen, denn die jüngsten Stimmungsindikatoren haben sich noch einmal verschlechtert.

Anleihen


Deutschland: Industrieproduktion (Juni), 8:00 Uhr

Die Risikoaversion – gemessen an der erwarteten Volatilität – ging gestern etwas zurück. Zwar erreichte der Bundfuture kurzfristig ein neues Allzeithoch bei 176,74 – dementsprechend sank die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf fast minus 0,55% – insgesamt entspannte sich die nervöse Lage jedoch etwas. Mit zur Beruhigung trug der schwächere Kurs des Yuan bei, er notierte aber immer noch mit 7,02 Yuan je US-Dollar über der wichtigen „7er-Schwelle“. Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe gehören zu den wichtigsten Frühindikatoren für die Konjunkturentwicklung Deutschlands. Die gestern früh vermeldeten Auftragseingänge der deutschen Industrie überraschten nur auf den ersten Blick positiv. Mit den nun vorliegenden Junidaten zeigt sich, dass die Auftragseingänge insgesamt im zweiten Quartal um ein Prozent zurückgingen. Das ist weniger als der Rückgang im ersten Quartal mit 4,2 Prozent, sodass das Bundeswirtschaftsministerium von einer merklichen Verlangsamung der Abwärtstendenz spricht. Wir sehen eine Trendwende aber noch nicht gekommen. Zum einen sprechen die zuletzt vermeldeten schlechten Stimmungsindikatoren dagegen, zum anderen sorgt der wieder aufgeflammte Handelsstreit zwischen den USA und China für berechtigte Zweifel an einer Erholung (siehe auch „Im Blickpunkt“). Die heute früh bekanntgegebenen Daten zur deutschen Industrieproduktion bestätigen das negative Gesamtbild: Sie weisen für Juni ein Minus von 1,5% gegenüber dem Vormonat aus (-5,2% J/J). Die deutsche Wirtschaft dürfte somit im zweiten Quartal kaum gewachsen sein. Die BIP-Zahlen werden am 14. August veröffentlicht. Das Edelmetall Gold bleibt als „Fluchtwährung“ gefragt und stieg mit über 1.470 US-Dollar je Feinunze auf den höchsten Kurs seit April 2013. Die abwertende US-Währung bremste jedoch etwas den Preisanstieg von Gold in Euro gerechnet.

Aktien


Quartalszahlen 2. Quartal
Deutschland: Brenntag, Commerzbank, Continental, Dürr, E.On, Fraport, Münchener Rück, Porsche SE, ProSiebenSat1, Wirecard
Europa: Ahold Delhaize, Glencore, Unicredit
USA: CVS Health

Nach dem großen Rutsch fühlten sich Anleger offenbar noch nicht wohl, bei Aktien wieder zuzugreifen. Der Fortgang im Handelsstreit liegt weiter völlig im Dunkeln, auch wenn der Yuan sich leicht stabilisiert hat. Der DAX bewegte sich die größte Zeit in positivem Territorium, schwächelte am Ende aber doch und verlor bis Handelsschluss 0,8% mit der zu diesem Zeitpunkt schwächelnden Wall Street. Immerhin gelang die Differenzierung nach Fundamentalmeldungen: Gute Zahlen wie von der Deutschen Post (+2,3%) oder Beiersdorf (+3,2%) wurden gewürdigt, oder die Hoffnung auf dynamische Zahlen wie bei Wirecard (+3,5%) heute. Umgekehrt gab es mit der am Vortag noch gefeierten Linde (-3,2%), Deutsche Bank (-2,4%) oder SAP (-2.1%) auch deutliche Verlierer. Im MDAX profitierte Gea (+6,1%) vom Zwischenbericht, Metro (-8,1%) kam wegen der Auseinandersetzung mit dem Großaktionär unter die Räder. In den USA weitete sich die anfangs vorsichtige Stabilisierung zu einer Befestigung aus. Unter Führung der Technologietitel legte der Dow Jones 1,2% zu, die Nasdaq stieg um 1,4%. Beste Branchen waren die am Montag so gebeutelten IT (+1,6%), Finanzen (+1,5%) und Industrie (+1,5%). Größter Gewinner war Nike (+3%), aber auch Disney, United Technologies, Cisco, Goldman und Visa legten jeweils über 2% zu. In Asien bewegen sich die Märkte wenig und schließen uneinheitlich. Für Verunsicherung könnte der leicht abgeschwächte Yuan sorgen, wozu heute in Deutschland viele Zwischenberichte treten.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

Auf einem Blick - Chart und News: Euro - Währung

4investors-Newsletter

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

4investors-News - Euro - Währung

06.07.2020 - Wo das „V” gelingen könnte - DWS Kolumne
05.06.2020 - EZB weitet Anleihekaufprogramm überraschend stark aus - Commerzbank Kolumne
04.06.2020 - Auf die EZB ist Verlass: sie liefert - DWS Kolumne
29.05.2020 - EZB drückt weiter aufs Gaspedal - DWS Kolumne
28.05.2020 - Euro schwach gegen US-Dollar, aber stark gegen EM-Währungen - Commerzbank Kolumne
27.05.2020 - EU-Kommission plant riesigen Wiederaufbaufonds: Mit 750 Mrd. Euro der Krise begegnen - VP Bank Kolumne
03.04.2020 - Anleihekäufe blähen die Notenbankbilanzen auf - Commerzbank Kolumne
19.03.2020 - EZB kündigt Kaufprogramm in Höhe von 750 Mrd. Euro - Commerzbank Kolumne
12.03.2020 - EZB: Keine Zinssenkung! Ist das eine „Whatever-It-Takes-Bazooka“? - Nord LB Kolumne
12.03.2020 - Die EZB muss einen Teufelskreis vermeiden - Vontobel-Kolumne
10.03.2020 - EZB Strategieüberprüfung ist richtig - Befragung der Öffentlichkeit aber übertrieben - DVFA Kolumne
10.03.2020 - Euro/Dollar: Fed wohl mit drei Zinssenkungen in 2020 - Zins- & Renditespread könnte sich weiter einengen - Donner & Reuschel Kol
21.02.2020 - Coronavirus: Eurozone ist bislang wirtschaftlich immun - VP Bank Kolumne
30.01.2020 - Eurozone: Deutliche Stimmungsaufhellung im Januar – trotz Coronavirus - Nord LB Kolumne
24.01.2020 - Einkaufsmanagerindizes Eurozone: Mehrheitlich gute Nachrichten - VP Bank Kolumne
24.01.2020 - EZB-Rat beschließt Überprüfung des geldpolitischen Strategierahmens - Commerzbank Kolumne
23.01.2020 - EZB sieht Besserungssignale – erste Strategieüberprüfung seit 2003 gestartet - Nord LB Kolumne
23.01.2020 - EZB: Startschuss zur Überarbeitung der geldpolitischen Strategie ist gefallen - VP Bank Kolumne
20.01.2020 - Ausblick auf die EZB-Sitzung am 23. Januar 2020 - DWS Kolumne
17.01.2020 - EUR/USD: Richtungswechsel im unteren Trendkanalbereich? - UBS-Kolumne

DGAP-News dieses Unternehmens

Stammdaten dieses Wertpapiers: WKN/ISIN, Börse etc.