USA: Die Fed als globaler Rückversicherer für Konjunkturrisiken - Nord LB Kolumne

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01.08.2019, 11:23 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die US-Notenbank hat gestern erwartungsgemäß beschlossen, die Leitzinsen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten um 25bp zu senken. Damit notiert die obere Grenze der Fed Funds Target Rate nun bei 2,25%. Zudem werden die Maßnahmen zur Normalisierung des Bilanzvolumens der Fed vorzeitig beendet. Grundsätzlich stellen die Entscheidungen des Offenmarktausschusses keine große Überraschung dar. Auch die zwei Voten gegen die Zinssenkung waren zu erwarten gewesen. Esther George und Eric Rosengren haben sich gestern in der Tat dafür ausgesprochen, die Fed Funds Target Rate unverändert zu belassen. In Auftritten vor der Zinsentscheidung der Notenbank hatten beide bereits klare Signale in diese Richtung gesendet.

Überraschend war dann allerdings der Auftritt von Fed-Chef Jerome Powell nach der Notenbanksitzung. Dieser schloss zwar weitere Zinssenkungen nicht kategorisch aus, betonte aber doch, dass die aktuelle Entscheidung nicht als Auftakt einer Sequenz von Anpassungen an der Fed Funds Target Rate verstanden werden muss. Die Finanzmärkte hatten sich offenkundig deutlichere Signale in Richtung einer perspektivisch lockereren US-Geldpolitik erhofft. Entsprechend kam mit den Worten Powells Druck auf die internationalen Aktienmärkte auf. Zudem konnte der US-Dollar aufwerten.

Die US-Notenbank scheint in der nun verkündeten Zinssenkung eine Art Rückversicherung gegen Konjunkturrisiken zu sehen. In diesem Kontext ist der noch immer schwelende Handelskonflikt zwischen Peking und Washington zweifellos von ganz besonderer Bedeutung. Da wir weiterhin davon ausgehen, dass sich beide Seiten spätestens zum Jahreswechsel hin auf einen recht sinnvollen Kompromiss einigen werden, ist die US-Geldpolitik in 2019 wohl zu einem binären Prozess geworden; es sollte also noch 1 oder 0 Anpassungen an der Fed Funds Target Rate geben. Der Umfang der zusätzlichen Maßnahmen zur geldpolitischen Lockerung in den USA wird damit maßgeblich von den neuen nordamerikanischen Wirtschaftsdaten bestimmt. Sollte der Trend zu einer Besserung nach dem schwierigen II. Quartal anhalten, mag man in Washington sogar ganz von weiteren Zinssenkungen absehen. Etwas wahrscheinlicher erscheint uns momentan aber ein Szenario, in dem die Fed Funds Target Rate vor dem Ende des Jahres noch einmal um 25bp gesenkt werden muss.

Die Idee der US-Notenbank als Rückversicherer für globale Konjunkturrisiken scheint unter den hochrangigen Fed-Offiziellen aktuell sehr populär zu sein. Die von der US-Zentralbank im Jahr 1998 vorgenommenen Leitzinssenkungen kann sicherlich als Musterbeispiel für eine solche geldpolitische Strategie angesehen werden. Möglicherweise wurde damals wirklich eine globale Wirtschaftskrise verhindert. Allerdings hat die US-Notenbank in 1998 wohl auch die geldpolitische Saat für die dann wenige Jahre später platzende New-Economy-Blase gesät. Entsprechend sollten die jüngst erreichten neuen Rekordstände an den US-Aktienmärkten eigentlich die Warnglocken bei der Fed klingen lassen.

Fazit: Die US-Notenbank hat die Fed Funds Target Rate gestern erwartungsgemäß um 25bp gesenkt. Damit wird die Zentralbank in Washington nun zu einer Art Rückversicherer für globale Konjunkturrisiken. Die Märkte haben sich von Jerome Powell ganz offensichtlich klarere Signale in Richtung weiter sinkender US-Leitzinsen erhofft. Diese Erwartungshaltung ist vom Fed-Chef enttäuscht worden. Entsprechend sind die internationalen Aktienmärkte mit den Worten Powells unter Druck geraten und der US-Dollar konnte aufwerten.

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