USA: Kämpft Powell gegen eine Phantom-Rezession? - Nord LB Kolumne

16.07.2019, 16:19 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bild und Copyright: STILLFX / shutterstock.com.

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In den USA sind vom Commerce Department vor einigen Minuten sehr erfreuliche vorläufige Angaben zur Entwicklung der US-Einzelhandelsumsätze im Berichtsmonat Juni veröffentlicht worden. Nach dem schon deutlichen Anstieg im Vormonat zeigte sich am aktuellen Rand wieder ein ausgeprägter Zuwachs von 0,4% M/M. Dies ist eine sehr positive Überraschung – für uns und auch für die Finanzmärkte.

Blickt man interessierter auf die Details der Juni-Zahlen, so zeigt sich zunächst ein abermaliger Anstieg der Umsätze in den US-Autohäusern um 0,7% M/M. Diese Meldung ist schon eine positive Überraschung. Die bisher bekannten Angaben zu den Fahrzeugabsatzzahlen in den USA hatten keine Hinweise in diese Richtung geliefert. Exklusive Automobile sind die Einzelhandelsumsätze am aktuellen Rand daher auch „nur“ um 0,4% M/M gestiegen.

Für das Segment der Tankstellen in den USA wurde am aktuellem Rand ein deutlicher Umsatzrückgang von 2,8% M/M gemeldet. Diese Nachricht hat die meisten Beobachter der US-Wirtschaft wohl nicht wirklich überrascht. Mit Blick auf den Berichtsmonat Juni notierte der Benzinpreis im Mittel nämlich nur bei 2,72 USD pro Gallone – und damit beinahe 5% unter den durchschnittlichen Kosten für Sprit im Mai. Unter Ausklammerung des Kraftstoffs sind die US-Einzelhandelsumsätze entsprechend um beachtliche 0,7% M/M gestiegen.

Die beiden eng mit dem US-Immobilienmarkt verknüpften Segmente Baumaterial und Möbel legten im Juni jeweils um 0,5% M/M zu. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung. Bei den Baumaterialien lässt sich der aktuelle Anstieg aber natürlich einfach nur als Gegenbewegung interpretieren. In der Tat präsentierte sich diese Unterkomponente im Vormonat sehr schwach, was bei der Interpretation dieser Zeitreihe im Auge behalten werden muss. Die Angaben zu den Umsätzen mit Möbeln sind dagegen in jedem Fall als erfreulich zu bezeichnen.

Die für die BIP-Erhebung in den USA maßgebliche Kontrollgruppe der Einzelhandelsumsätze legte im Juni um beachtliche 0,7% M/M zu. Zudem wurde der für den Vormonat gemeldete Zuwachs noch leicht auf nun 0,6% M/M nach oben revidiert. Diese Zahlen sprechen schon für unsere nicht pessimistische US-BIP-Prognose. Wir gehen entsprechend auch weiterhin davon aus, dass das annualisierte Wachstum im II. Quartal im Bereich von immerhin 2,0% notieren dürfte. Dabei wird der US-Konsument offenkundig wieder einmal die tragende Säule der nordamerikanischen Wirtschaft bleiben.

Fazit: Die US-Einzelhandelsumsätze konnten im Juni positiv überraschen. Vor allem die Angaben zur Kontrollgruppe präsentieren sich extrem stark. Der Konsument bleibt somit die verlässliche Stütze der Wirtschaft der Vereinigten Staaten. Die heutigen Zahlen werden das FOMC zwar wohl nicht mehr von einer Zinssenkung abhalten können, man bekommt aber immer stärker den Eindruck, dass die US-Notenbank gegen eine Phantom-Rezession kämpft. Probleme zu lösen, die es eigentlich gar nicht gibt, ist natürlich immer am leichtesten.

Auf einem Blick - Chart und News: Dollar - Währung

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