China: BIP-Wachstum mit 6,2% Y/Y auf 3-Dekadentief – aber Peking wird tätig! - Nord LB Kolumne

15.07.2019, 14:13 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Bedeutung der robusten chinesischen BIP-Zahlen sollte nicht überbewertet werden. So notierten die Quartalsveränderungen seit Ende 2013 ausschließlich im Bereich zwischen 1,4% bis 1,9%! Bild und Copyright: Oranzy Photography / shutterstock.com.

Die Bedeutung der robusten chinesischen BIP-Zahlen sollte nicht überbewertet werden. So notierten die Quartalsveränderungen seit Ende 2013 ausschließlich im Bereich zwischen 1,4% bis 1,9%! Bild und Copyright: Oranzy Photography / shutterstock.com.

Die heute gemeldeten BIP-Zahlen aus Peking zeigen, dass sich das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte sukzessive abschwächt und mittlerweile mit einer Jahresrate von 6,2% die geringste Dynamik seit über 27 Jahren (dem Beginn der Statistik) aufweist. Immerhin zog aber im II. Quartal der reale Output um 1,6% an, was leicht über den Markterwartungen lag.

Angesichts der in den vergangenen Monaten eingetrübten Stimmung in China bestätigen die heute veröffentlichten Wachstumszahlen die Tendenz einer abnehmenden Dynamik. So sind im Verlauf des II. Quartals die Unternehmensumfragen von CFLP und Caixin unisono auf zuletzt 49,4 Punkte zurückgegangen. Für die Schwäche im BIP-Wachstum zeichneten entsprechend Produktion und Bau verantwortlich. Dagegen erweist sich der Dienstleitungsbereich offenbar als (noch) recht robust. Das bestätigen die Umfragen im tertiären Sektor wie auch die zuletzt wieder angezogenen Einzelhandelsumsätze. Insofern scheint von der Binnenkonjunktur eine Stabilität auszugehen, wohingegen der Produktionssektor verstärkt durch den zwischenzeitlich eskalierten Handelsstreit mit der USA unter Druck geraten ist. Allerdings weitete sich der Handelsbilanzüberschuss aus – selbst mit den USA – da die chinesischen Importe deutlicher zurückgingen als die Exporte.

Immerhin ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die heute ebenfalls veröffentlichten Daten zur Industrieproduktion für den Schlussmonat des I. Quartals überraschend deutlich angestiegen sind, was etwas Hoffnung macht. Auch die Einzelhandelsumsätze für Juni überzeugten.

Anzumerken ist, dass die expansiv betriebene chinesische Wirtschaftspolitik eine maßgebliche Verantwortung für das Ausbleiben von negativen Überraschungen bei den BIP-Zahlen im II. Quartal gehabt haben dürfte – wie übrigens bereits schon im I. Quartal. Die ökonomischen Stimuli aus Peking sollten am aktuellen Rand zweifellos bei der Stabilisierung des Zulegens der ökonomischen Aktivität geholfen haben. Die chinesische Wirtschaftspolitik in Form gelockerter Kreditvorschriften und niedrigeren Zinsen hat also Wirkung gezeigt – mit weiteren Eingriffen ist zu rechnen. Nun muss allerdings die gestiegene Schuldenlast der staatlichen Unternehmen im Auge behalten werden.

Der halbwegs unfallfreie Verlauf der Handelsgespräche zwischen Peking und Washington auf dem G20-Treffen macht etwas Hoffnung. Ein Deal zwischen den USA und China wurde zwar noch nicht erzielt, immerhin konnte aber eine Eskalation vermieden werden. Die bereits erhöhten Zölle ergeben nun zunächst einen Anpassungsdruck, weil manche Firmen in China ihre Geschäftsmodelle an die neuen Regeln im Handel mit Nordamerika adjustieren müssen. Perspektivisch wäre eine nachhaltige Öffnung der chinesischen Wirtschaft sicherlich förderlich für das Land. Die Verhandlungen der zwischen den Großmächten beiderseits des Pazifiks sind aber noch nicht abgeschlossen und ein Scheitern kann weiterhin nicht ganz ausgeschlossen werden. Wir sehen allerdings beiderseitigen Handlungsdruck, da auch Donald Trump seine Wahlchancen durch einen Handelskrieg und einer deutlichen Wachstumsverlangsamung in den USA nicht gefährden möchte.

Die Bedeutung der robusten BIP-Zahlen sollte aber auch nicht überbewertet werden. So notierten die Quartalsveränderungen seit Ende 2013 ausschließlich im Bereich zwischen 1,4% bis 1,9%!

Fazit: Das Wirtschaftswachstum in China rutschte erwartungsgemäß im Frühjahrsquartal mit 6,2% Y/Y auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik vor 27 Jahren ab. Mit dieser Nachricht musste gerechnet werden. Da die ebenfalls veröffentlichten Daten zur chinesischen Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen für den Juni überzeugten, konnten sich die Aktienmärkte behaupten. Etwas profitieren konnte auch der australische Dollar. Nicht vernachlässigen sollte man allerdings, dass Peking mit einer stützenden Wirtschaftspolitik geholfen hat. Und eine Eskalation beim Handelskrieg wurde zwar vermieden, das Thema lastet aber weiterhin wie ein „schwebendes Damoklesschwert" über Peking.

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