Bovespa-Index tendiert seit Anfang Februar 2019 per Saldo seitwärts - Commerzbank Kolumne

Aktienmarkt in Brasilien: Die unerfahrene Bolsonaro-Regierung wirkt weiter chaotisch. Das Land ist nach wie vor recht stark gespalten, wie die jüngsten Demonstrationen zeigen. Bild und Copyright: solarseven / shutterstock.com.

Aktienmarkt in Brasilien: Die unerfahrene Bolsonaro-Regierung wirkt weiter chaotisch. Das Land ist nach wie vor recht stark gespalten, wie die jüngsten Demonstrationen zeigen. Bild und Copyright: solarseven / shutterstock.com.

06.06.2019 09:04 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Der Start ins Jahr 2019 verlief für den Bovespa-Index nahezu perfekt. Die Amtseinführung des neuen Präsidenten Bolsonaro am 1. Januar 2019 feierte der Bovespa-Index mit einem kräftigen Kurssprung. Am 19. März 2019 überwand der Bovespa-Index die Marke von 100.000 Punkten, bevor dann eine Konsolidierung einsetzte. Die Gewinnmitnahmen resultierten einerseits aus den gestiegenen Bewertungen, andererseits aus der Unsicherheit in Bezug auf die Implementierung der Rentenreform, die wichtig für die Sanierung der Staatsfinanzen ist. Im Mai 2019 stieg der MSCI Brasilien-Index um 1,5%. Hoffnungen auf baldige Reformen halfen v.a. Finanzaktien (+5,4%). Die Investoren erwarten nach den verlorenen Jahren rasche Deregulierungen, Privatisierungen sowie nicht zuletzt einen Abbau von Staatsausgaben zur Stärkung des Wettbewerbs und zur Eindämmung der Staatsverschuldung. Dies umso mehr, da das BIP-Wachstum in Brasilien schon wieder deutlich an Dynamik verliert.

Die unerfahrene Bolsonaro-Regierung wirkt weiter chaotisch. Das Land ist nach wie vor recht stark gespalten, wie die jüngsten Demonstrationen in Brasilien zeigen. Nach fünf Monaten im Amt gibt es keine handlungsfähige Koalition, die wichtige Reformprojekte zügig verabschieden und implementieren kann. Es bleibt weiterhin ein zähes Ringen um Mehrheiten. Wir erwarten unverändert, dass die Rentenreform, die eine wichtige Säule für die Konsolidierung der Staatsfinanzen darstellt, in der zweiten Jahreshälfte 2019 verabschiedet werden wird. Die Finanzmärkte erhoffen sich von ihr auch eine Rückkehr Brasiliens in den Investment Grade-Bereich und eine Belebung der Binnenkonjunktur. Vor dem Hintergrund des derzeit ungünstigen Chance-Risiko-Verhältnisses nach dem starken Anstieg seit 2017 bestätigen wir innerhalb unseres Regionenrankings das Untergewichten-Votum für die Börse in Brasilien. Der Markt ist recht hoch bewertet (KGV von rund 13).

Anleihen


Deutschland: Auftragseingänge Industrie (April), 8 Uhr
Euroraum: Bruttoinlandsprodukt (1. Quartal), 11 Uhr
Euroraum: EZB-Zinsankündigung, 13:45 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosengeld, 14:30 Uhr
USA: Handelsbilanz (April), 14:30 Uhr

Der allgemeine Renditerückgang setzte sich auch gestern fort. Die laufende Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen verzeichnete ein neues Allzeittief mit -0,23%. Auch bei den Staatstiteln Frankreichs, Spaniens und Portugals sanken die Renditen im zehnjährigen Laufzeitband auf neue Rekordtiefstände. Von diesem Trend koppelten sich dagegen die italienischen Anleihen ab. Hier belastete die Nachricht, dass die EU-Kommission disziplinarische Maßnahmen gegen Italien auf den Weg bringt. Nach Brüsseler Einschätzung hat Italien im vergangenen Jahr keine ausreichenden Maßnahmen gegen die hohe Staatsverschuldung ergriffen. Nachdem Fed-Chef Powell am Dienstag die Tür für eine Zinssenkung in den USA öffnete, indem er eine „angemessene“ Reaktion auf die Auswirkungen des Handelskonflikts angekündigte, um den Aufschwung zu stützen, kamen gestern von Fed-Mitglied Brainard ähnlich Töne. Ein neues Jahrestief bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen wurde aber nicht erreicht. Angesichts weiterhin guter Wirtschaftsdaten in den USA wäre es wohl angebracht, sich nicht von Trump oder den Aktienmärkten unter Druck setzten zu lassen und eine schnelle Zinssenkung herbeizureden. Ruhe bewahrt immer-hin der Chef des Fed-Bezirks Dallas, Robert Kaplan. Er plädierte dafür, vorerst weiter "geduldig" zu agieren und die Entwicklung abzuwarten. Die Stimmung in der US-Dienstleistungsbranche hat sich laut ISM-Index im Mai kräftig um 1,4 auf 56,9 Punkte erhöht und liegt damit weiterhin deutlich im Wachstumsbereich. Enttäuscht hatten dagegen die vom Dienstleister ADP ermittelten neugeschaffene Stellen von nur 27.000 im Mai (erwartet 185.000 Stellen).

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Die über Nacht modifizierte Sicht der Märkte über die Haltung von Fedchef Powell zu einer Zinssenkung hielt die Aktienmärkte gestern meist in positivem Terrain. Die gemischten US-Daten unterstrichen diese Zinshoffnungen zusätzlich. Allerdings mühte sich der DAX letztlich vergeblich, wieder über die Marke von 12.000 zu klettern. Der deutsche Blue Chip-Index schloss bei 11.981 um 0,1% im Plus. MDAX (+0,6%) und TecDAX (+1,1%) kamen etwas stärker voran. Stärkster DAX-Wert war Wirecard (+2,5%), Auch Linde (+1,7%) und die beiden Versorger E.On (1,5%) und RWE (+1,3%) legten zu. Am DAX-Ende gab es mit Thyssen (-2,5%) und Conti (-1,7%) auch klare Verlierer. Der Euro Stoxx 50 (+0,2%) verharrte quasi auf Vortagesniveau. Allgemein taten sich die Banken in Europa im Vorfeld der EZB-Sitzung und erwarteten Aussagen zu einer eher ausgedehnten Niedrigzinsphase schwer. Der Sektorindex fiel um 0,1%. Auch die Energiewerte (-0,6%) gaben nach. In den USA legten die Indizes insgesamt deutlicher zu. Der Dow Jones erholte sich den zweiten Tag um 0,9%, S&P 500 (+0,8%) und Nasdaq (+0,7%) kamen ebenfalls gut voran. Die Branchen zeigten einen raren Gewinnermix aus Defensiven wie Versorgern (+2,1%), Immobilien (+2,3%), Verbrauchsgüter (+1,1%) aber auch IT (+1,3%) und Industrie (+1,1%). Cisco (+2,9%) führte die Gewinner im Dow Jones an. Auch Microsoft (+2,2%), Procter & Gamble (+2,0%) und Visa (+1,9%) fielen auf. Dagegen gaben Ölwerte (-1,1%) mit dem weiter schwachen Ölpreis ab. Tagesverlierer war Walgreens (-1,4%). Uber (+5,3%) kletterte erstmals über den Ausgabepreis. Die Märkte Asiens tendieren heute uneinheitlich mit insgesamt kleinen Bewegungen. Auch für Europa wird wenig Veränderung erwartet.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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