US-Produktion: Selbst das Gestern erklärt diese heutigen Zahlen kaum - Nord LB Kolumne

15.05.2019, 15:57 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4nvestors auf: Twitter | Google News | Facebook

Bild und Copyright: Bart Sadowski / shutterstock.com.

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Soeben sind von der Federal Reserve aktuelle Zahlen zur Entwicklung der amerikanischen Industrieproduktion veröffentlicht worden. Im Berichtsmonat April verzeichnete der Indikator einen deutlichen und unerwarteten Rückgang um 0,5% M/M. Immerhin wurde allerdings der März-Wert um 0,3-Prozentpunkte auf 0,2% M/M nach oben revidiert. Ein Minus um ebenfalls 0,5% M/M ergab sich bei der Produktion exklusive der volatileren Komponenten Bergbau und Kraftwerke. Die Kapazitätsauslastung sank entsprechend auf 77,9%.

Die Daten aus dem Produktionsbereich sind enttäuschend ausgefallen. Die Höherrevision des Märzwertes relativiert die schwache Entwicklung im April nur teilweise. Seit Jahresbeginn pendelt die monatliche Veränderungsrate um die Nulllinie, nun ist der Rückgang signifikanter. Eine abnehmende Dynamik ist auch in der Jahresrate erkennbar, die von über 5% im letzten Spätsommer auf nunmehr unter 1% zurückgegangen ist. Im Gegensatz zu einer ansonsten recht soliden gesamtwirtschaftlichen Verfassung ist damit die Industrie ein schwaches Glied in der ansonsten soliden (Konjunktur-)Kette.

Ein Blick auf die Details offenbart, dass diesmal insbesondere der Fahrzeugbau eine signifikante Schwäche aufwies. Aber auch der Maschinenbau litt. Daneben wies der Kraftwerksoutput einen Rückgang auf, was den moderaten Temperaturen im April geschuldet ist. Im Bergbau war von einem Anstieg auszugehen, da der Vormonat noch einen deutlichen Rückgang verzeichnete. Insgesamt sank damit aber auch die Industrieproduktion exklusive Bergbau und Kraftwerke.

Die US-Industrie kommt nicht richtig auf die Beine. Ob der unerwartet deutliche Anstieg der New Yorker Empire State Umfrage auf 17,8 Punkte im Mai ein Silberstreif am Horizont ist?

Hatte Donald Trump im Wahlkampf noch genau auf die im Sekundärsektor beschäftigten Wähler im Rost Belt fokussiert – und tatsächlich durch sie auch die Präsidentschaftswahl gewonnen – scheint sich letztlich genau dort zuletzt wenig Positives getan zu haben. Die Konjunkturlokomotive steht durch den Konsum und den Dienstleistungen unter Dampf, ein Aufschwung in der Industrie zeichnet sich dagegen nicht ab. Ob die nun erhobenen Zölle auf Importe aus China der heimischen Industrie zu Gute kommen, indem die chinesischen Wettbewerber einen schwereren Rucksack aufbekommen, muss abgewartet werden. Vielmehr könnten sie die für die US-Produktion notwendigen importierten Inputgüter verteuern, so dass auch die US-Unternehmen keinen wirklichen Spaß an den Zöllen haben werden. Zu erwähnen ist zudem, dass mögliche chinesische Einfuhrbegrenzungen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus den USA die amerikanischen Farmer unter Druck geraten lassen könnten. In der Summe dürften dann zwei wichtige Wählerschaften von Trump – die „Blue Collar Worker“ und die Farmer – im Zuge der neuen präsidialen Handelspolitik nicht unbedingt zu den Gewinnern zählen. Riskiert Trump damit seine eigentlich gar nicht so schlechten Chancen zur Wiederwahl 2020?

Fazit: Einen unerwartet deutlichen Rückgang um 0,5% M/M ergab sich bei der US-Industrieproduktion im April. Selbst die Höherrevision des Märzwertes kann die Entwicklung nur zum Teil kompensieren. Die Jahresrate fiel auf unter 1%. Wie man es auch dreht und wendet – dem Industriesektor mangelt es eindeutig an Dynamik. Die erhöhten Zölle auf Importe aus China dürften zwar den dortigen Produzenten den Wettbewerb mit den US-Unternehmen erschweren, andererseits kommen auf letztere auch höhere (Import-)Kosten zu. Sollten zudem die Farmer aufgrund eines Nachfrageeinbruchs aus China die Zollpolitik zu spüren bekommen, stünden gleich zwei wichtige Wählergruppen von Trump auf der Verliererseite.

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